100 Liter Saft hat der Apfeltag im vergangenen Jahr gebracht. "Davon habt ihr das ganze Jahr über getrunken", sagt Martens, leise anfeuernd. Vielmehr der Worte bedarf es nicht, denn die Kinder wissen, was sie nun zu tun haben. Alles ist besprochen und vorbereitet. Während starke Mädchen und Jungs draußen auf dem Schulhof Tische und Bänke für die spätere Verarbeitung der Äpfel aufbauen, trottet eine andere Gruppe unter Führung von Lehrerin Karin Stender im Gänsemarsch zur Obstwiese am anderen Ende des Ortes. Ihnen folgt Hausmeister Michael Kamin mit Minitrecker und Anhänger. Auf der Obstwiese pflücken und sammeln die Kinder in der kühlen Morgenluft, was das Zeug hält. Schuhe und Stiefel glänzen bald von der Nässe des Taus auf dem Gras, meist zu zweit tragen die Grundschüler schwere Körbe zum Trecker und lassen die Äpfel polternd auf den Anhänger rauschen. Michael Kamin braucht nicht lange zu warten, bis er sich tuckernd auf den Rückweg machen kann.
Währenddessen haben Konrad Olexik und Jan Hoyer von der vom NABU Kreis Plön getragenen Umweltberatungsstelle Lütjenburg im Schulhof Apfelpresse und Apfelmuser aufgebaut. An den Tischen schneiden die Schüler schon die Äpfel in kleine Stücke, bevor sie im Muser zerkleinert werden. "I like apples" singen sie dabei - "ich mag Äpfel". Hoyer gibt den Kindern am Muser Hilfestellung. Denn es ist anstrengend, das große Handrad und damit das Schneidwerk der Maschine zu drehen. Nicht viel leichter haben es die Kinder an der Apfelpresse. Es braucht viel Kraft, mit dem Hebel der Presse Druck aufzubauen und so den Saft aus dem gemusten Fruchtfleisch zu quetschen. Ein ungeduldig wartendes Mädchen wirft sich aus Leibeskräften gegen den Hebel, stemmt ihre Beine an den Boden und drückt, bis ihr Kopf rot vor Anstrengung wird - nichts. Olexik drückt schmunzelnd ein wenig nach. "Klank" - der Hebel schnappt in die Endposition, das Mädchen schnauft erleichtert. "Nächstes Jahr schaffst Du das allein", lächelt Olexik sie an.
Eimerweise verschwinden so die Äpfel in der Presse, unten läuft dunkel und süß der Saft aus ihr heraus. Konrad Olexik arbeitet seit vielen Jahren mit Schulen im Kreis zusammen. "Schleswig-Holstein ist Apfelland", sagt er. Viele Schüler hätten importierte Äpfel in der Brotdose, das müsse nicht sein. "Es gibt rund 180 heimische, alte Apfelsorten bei uns", sagt Olexik. Er möchte den Kindern diese regionalen Produkte zeigen und das, was sie selbst daraus machen können. "Das ist ein Stück Kultur, es ist nachhaltig und es ist gesund", meint Olexik voller Überzeugung.
Am späten Vormittag zieht verführerischer Duft durch die Schule bis auf den Hof hinaus. Er rührt her von Apfelmus und frischen Waffeln. Beides bereiten in den Klassenräumen die Kinder gemeinsam mit den Lehrkräften zu. Stephan Martens geht unterdessen mit umgebundener Schürze draußen von Tisch zu Tisch und scherzt mit den Kindern. Auf wieder 100 Liter Apfelsaft hofft der Schulleiter. Ein nicht nur schönes Erlebnis sei der Apfeltag, sondern auch ein pädagogisch wertvolles. "Die Kinder lernen den gesamten Prozess der Bio-Apfelsaftproduktion kennen", sagt er. Und der Tag fördere die schulische Gemeinschaft. Viele der Äpfel kommen von der Obstwiese im nebenan gelegenen Schulwald. An dessen Pflege sind die Kinder rund ums Jahr beteiligt. "Mähen, Baumschnitt, Wege pflegen, Baumlehrpfad in Ordnung halten – und dann der Apfeltag; die Kinder finden das gut", sagt Stephan Martens. "Dabei kommt eine Menge 'rüber."