|
Wirtschaft und Politik
|
|
Geschrieben von Gabriele Butzke
|
|
Montag, 28. Juni 2010 |
30 Prasdorfer besuchten den Kieler Landtag
Unten im Plenarsaal stellte sich Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) den Fragen des Landtags zu den brisanten Themen der geplanten Streichung der Medizinerausbildung in Lübeck und des Verkaufs des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Oben auf der Zuschauertribüne saßen 30 Prasdorfer und verfolgten gespannt die weit länger als eine Stunde dauernde "Fragestunde" mit ihren strengen Regeln. Sie waren der Einladung des CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka gefolgt, die er vergangenes Jahr bei der 250-Jahr-Feier der Totenbeliebung Prasdorf ausgesprochen hatte.

Eine Vielzahl positiver Eindrücke erhielten die Prasdorfer bei ihrem Landtagsbesuch auf Einladung von MdL Werner Kalinka (vorne, Zweiter von links). Foto: Butzke
Der als Anbau gestaltete gläserne Plenarsaal mit seinem großartigen Blick aufs Wasser und die gegenüberliegende Schwentinemündung gefiel den Prasdorfern ausnehmend gut – besser als der alte Saal, in den Werner Kalinka die Gruppe anschließend führte. Auf dem Weg dorthin lauerte nicht nur ein Fernsehteam (das wohl angenommen hatte, Demonstranten gegen die Bildungspolitik zu treffen), sondern auch eine merkwürdige Installation von Schuhen aller Art und Größen mit abgeschnittenen Spitzen. Kunst gebe es in allen Ecken und Winkeln des Landeshauses, erläuterte Kalinka und deutete auf die vielen Bilder in allen Fluren.
Natürlich machte auch der selten gewordene Paternosteraufzug Eindruck auf die Prasdorfer. Ebenso ein Relikt aus alten Tagen: die Telefonzelle am Sitzungssaal, die noch aus den 50er Jahren zu stammen schien. Sehr viel moderner war da schon das kleine Arbeitszimmer von Werner Kalinka, in dem sich Berge von Broschüren, Sitzungsvorlagen und Protokollen türmten. Kalinka nutzte die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, mit wie viel "Papier" sich ein MdL auseinandersetzen müsse und würzte die Beschreibung seiner Arbeit mit Anekdoten aus 15 Jahren Landtagstätigkeit (er war von 1977 bis 1983 und ist seit 2000 Landtagsabgeordneter).
Wer Fragen auf dem Herzen hatte, konnte sie im Sitzungssaal der CDU-Landtagsfraktion stellen, in dem den mittlerweile recht hungrigen Prasdorfern auch ein Imbiss gereicht wurde. Interessant für alle: die Lautsprechanlage mit Mikrofonen an jedem Platz. Die nutzte allerdings wenig, als einige Prasdorfer Werner Kalinkas Meinung zu Themen wie einer besseren Schulraumnutzung der Probsteierhagener Schule hören wollten. Auch in puncto Sparmaßnahmen und Streichungsaktionen des Landes hielt sich Kalinka bedeckt. Auskunftsfreudiger war er bei Themen, die ihn selbst betrafen. So erfuhren die erstaunten Prasdorfer, dass ihm persönlich von den auf den ersten Blick recht üppig erscheinenden Diäten nach Begleichung aller mit seinem Amt verbundenen Aufwendungen nur rund 2.700 Euro netto monatlich übrig bleiben.
Die Hoffnung, vielleicht Ministerpräsident Peter Harry Carstensen zu begegnen und von ihm begrüßt zu werden, erfüllte sich nicht. Und so machten sich die Prasdorfer nach einem interessanten Nachmittag auf den Heimweg. "Ich kann sagen, wir nehmen alle eine Vielzahl positiver Eindrücke mit", freute sich Matthias Gnauck, Kassen- und Schriftwart der Prasdorfer Totenbeliebung.
|