Mit der Öffnung der alten Amtslade und den drei Hammerschlägen für Ehrbarkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit wurden die Feierlichkeiten eröffnet. "Wir wollen damit bekunden, dass auch heute noch die Zusammenkünfte des Tischlerhandwerks unter der alten Zunftverpflichtung stehen", sagte Andreas Sindt, Tischlermeister und Innungsvorstandsmitglied aus Laboe in Vertretung des erkranken Obermeisters Arnold Lühr aus Schönberg. "Unsere Innung gehört mit ihren 400 Jahren zu den ältesten berufsständigen Fachorganisationen im Land, wenn nicht gar bundesweit. In dieser Zeit haben sich unser Handwerk und damit verbunden auch die Berufsausbildung gravierend verändert", so Sindt in seiner Begrüßungsrede.
Das Tischlerhandwerk habe sich als relativ junges Gewerk aus dem Zimmerhandwerk entwickelt, erläuterte Diplom-Volkswirt Falk Schütt, Geschäftsführer des Fachverbandes Holz und Kunststoff, in seiner Festansprache. Die "kistenmaker" (Truhenmacher) wurden zuerst im Mittelalter des 15. Jahrhunderts erwähnt. "Allerdings gab es eine beträchtliche Namensvielfalt", betonte Schütt. Die Tischler hießen damals auch "kuntormakern" (Zahltischmacher) oder auch "Schnittker". Auch die Tischler zu der Zeit bildeten Zünfte, die mit gewissen Regeln verbunden waren. "Von 1613 sind bestimmte Voraussetzungen überliefert wie zwingende Pünktlichkeit bei Besuch der Versammlungen, Verpflichtung zur Teilnahme an Beerdigungen von Amtsbrüdern und dessen Angehörigen, notwendige Voraussetzungen für das Meisterwerden, Regelungen zur Lehrlingsausbildung und die Haltung ehrlicher, redlicher Gesellen", berichtete der Festredner und erläuterte unter anderem, warum kein "ungehobelter" Geselle als ehrlich galt. So war nicht die Lossprechung der Lehrlinge das Entscheidende, sondern die "Behubelung". Alle Werkzeuge des Tischlers, allerdings ohne Schneiden, seien an den Jungen gebraucht worden, die durch die körperliche Bearbeitung "glattgehobelt" wurden.
Über all die Jahrhunderte habe, so Schütt, das Tischlerhandwerk Veränderungen standgehalten. Was die Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert war, ist mittlerweile die wachsende Konkurrenz aus Möbelhandel, Baumärkten und Industrie. "Trotzdem können sich die Meisterbetriebe des Tischlerhandwerks durch ihren kundennahen Service und ihre breite Produkt- und Dienstleistungspalette am Markt behaupten", sagte Falk Schütt und hob zudem hervor: "Die Flexibilität in der Gestaltung und Produktion sowie die Fähigkeit, die individuellen Wünsche des Kunden umzusetzen, sind die Vorteile gegenüber der Konkurrenz." Ein 400. Geburtstag zeige eindrucksvoll, dass die moderne Tischlerorganisation auf einem soliden Fundament gebaut sei, aber auch, dass die Innung auf jeweilige Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft reagieren könne. Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne würden die Tischler zu einem attraktiven Wohnwert beitragen, äußerte sich auch die stellvertretende Kreispräsidentin Helga Hohnheit und stellte heraus: "Tischler gestalten Lebens(t)räume." Auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, Andreas Katschke, reihte sich mit ein: "Es ist wichtig für die jungen Leute zu sehen, dass das Tischlerhandwerk nichts Verstaubtes ist." Die 21 Betriebe in der Tischler-Innung Kreis Plön bilden derzeit 26 Jugendliche im holz- und kunststoffverarbeitenden Handwerk aus. Einen Einblick in die Vielfalt und Leistungsfähigkeit bietet ab Donnerstag, 3. November, die Ausstellung in den Geschäftsräumen der Förde Sparkasse am Plöner Markt. Aufgebaut wird eine alte Werkstatt mit Werkzeugen von Tischlermeister Adolf Riecken aus Stolpe, die im Vergleich zu einer neuen Arbeitsstätte des Tischlers steht. An den drei folgenden Donnerstagen, sprich am 10., 17. und 24. November, wird es zudem drei Themennachmittage über das "Alte Tischlerhandwerk", die Berufsausbildung im Tischlerhandwerk, gestaltet von der Berufsschule Eutin und das "moderne Tischlerhandwerk" geben.