Atelierbesuch bei Birgit Rautenberg-Sturm
Im Meer versenkte Druckplatten sind eine wenigstens außergewöhnliche, wenn nicht einzigartige Technik unter Druckgrafikern. Dazu kommt die Intagliotypie als gesundheits- und umweltfreundliches Druckverfahren. Beides sind Merkmale des jungen Projekts "kiel-flensburg-weg" der in Stein lebenden Druckgrafikerin Birgit Rautenberg-Sturm.
Künstlerisch verbunden mit Meer, Küste und Seefahrt: die Steiner Druckgrafikerin Birgit Rautenberg-Sturm. Foto: Heine
Obendrein bestimmt eine, wie sie sagt, "spezielle" Sicht auf die Seefahrt ihren künstlerischen Weg. Alles zusammen führt nun neuerlich zu internationaler Aufmerksamkeit: Dieser Tage sind ihre Arbeiten auf der Internationalen Druckgrafik Triennale Wallsee 2010 in Österreich zu sehen.
Der Name ihres kleinen Ateliers "kystprik" in Sichtweite der Steilküste an der Ostsee kommt nicht von ungefähr, steht er doch, frei aus dem dänischen übersetzt, für einen Punkt an der Küste, oder, noch freier, für Küstenstelle. Schon dies zeigt die feste Verbundenheit der Künstlerin mit Meer, Küste und Seefahrt. Birgit Rautenberg-Sturm gewährt dort mit ihrer Druckgrafik einen sehr persönlichen Blick auf ihre Wurzeln und ihren künstlerischen Grenzgang zwischen Mystik und Realität, Vergangenheit und Zukunft.
Die Künstlerin versenkt ihre Druckplatten mit fingerdickem Teerband in grobes Leinen verschnürt für Monate an verschiedenen Schifffahrtswegen und lässt Salzwasser und Zeit an ihnen arbeiten. Einige hingen in dänischen Gewässern, zum Beispiel in Nyord oder Marstal. Marstal ist die Partnerstadt von Elsfleth an der Weser. Als Bremer Seglerin war wiederum Elsfleth für Birgit Rautenberg-Sturm ein beliebter Hafen, weil sie dort ihre Verwandten besuchte. "So schließt sich der Kreis zu meiner Kindheit, meinen Eltern und der maritimen Tradition meiner Familie", sagt sie. Kunst als Grenzerfahrung der eigenen Person also, wenn die Künstlerin mit ihren Arbeiten die Vergangenheit reflektiert und dabei Ziele für die Zukunft auffindet.
Sie lotet überdies Grenzen der Radierkunst aus, wobei die Künstlerin in den Techniken Aquatinta, Reservage, Strichätzung und Kaltnadel mit unterschiedlichen Werkzeugen, wie Brech- und Stecheisen oder Fräswerkzeugen arbeitet. Birgit Rautenberg-Sturm lässt zudem im modernen, gesundheits- und umweltfreundlichen Intagliotypie-Verfahren auf Baumwolle gedruckte Arbeiten entstehen, die ihr wohl ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal verleihen.
Dies alles hat nun die im österreichischen Wallsee beheimatete Kulturwerkstatt Uferstöckl im Rahmen der Internationalen Druckgrafik Triennale Wallsee 2010 gewürdigt. Mehr als 380 Künstler aus Europa, Asien und USA haben dort druckgrafische Arbeiten eingereicht, die Juroren haben Birgit Rautenberg-Sturm neben 24 anderen Künstlern für Ausstellung und Katalog nominiert. Außerdem wird sie im kommenden späten Frühjahr und frühen Herbst dort in einem Kreis von insgesamt 14 Künstlern aus Albanien, Bulgarien, Deutschland, der Schweiz, Italien und Österreich am Europäischen Druckgrafik-Symposium zum Thema "Grenzen/Borders" teilnehmen. Zielsetzung dieses Symposiums ist "Grenzüberschreitung" in jeder nur erdenklichen Ausformung sowie Vernetzung und Erfahrungsaustausch. "Wir werden dort drucken und uns die Köpfe heiß reden", freut sich Birgit Rautenberg-Sturm. "Die Gelegenheiten, sich im internationalen Rahmen mit Druckgrafikern zusammenzufinden und ohne jede Konkurrenz miteinander zu arbeiten, sind selten", meint sie und schaut dabei aus dem kleinen Fenster ihres Ateliers über ein schneebedecktes Feld zur pink-violett im Abendlicht schimmernden Ostsee hinüber. "Ist schon verrückt", sinniert sie, "sich vom kleinen Stein an der Probsteier Ostseeküste mittels einer an einem Abend per Internet eingereichten Online-Bewerbung in das österreichische Gebirge zu arbeiten."
Wer Birgit Rautenberg-Sturm in ihrem Atelier besuchen möchte, kann dies telefonisch unter Telefon 04343-7014 mit ihr verabreden. Weitere Informationen bietet sie auf ihrer Internetseite www.kystprik.de.
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