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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Freitag, 07. Januar 2011

Aus für die Lutterbeker Biogas-Anlage

Die Lutterbeker atmen auf. Landwirt Wolf Mönkemeier hat seinen Bauantrag für die geplante Biogas-Anlage am Dorfrand zurückgezogen. Auslöser für diese Entscheidung ist ein aktueller Erlass aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR), der die Leistungsgröße von privilegierten Biogas-Anlagen in Schleswig-Holstein neu regelt.

 

An den schon bestehenden Betrieb von Wolf Mönkemeier sollte eigentlich die Biogas-Anlage angebaut werden. Den Bauantrag hat der Landwirt jetzt aber zurückgezogen. Foto: Butzke

 

An den schon bestehenden Betrieb von Wolf Mönkemeier sollte eigentlich die Biogas-Anlage angebaut werden. Den Bauantrag hat der Landwirt jetzt aber zurückgezogen. Foto: Butzke

 

Statt der bisher von ihm eingeplanten 575 Kilowatt an elektrischer Leistung dürfte Mönkemeier unter Ausnutzung des privilegierten Baurechts nunmehr nur noch bis zu 500 Kilowatt erzeugen. Zu unwirtschaftlich, meint er. Dass der deutlich vorgetragene Protest der Lutterbeker gegen die bei ihnen geplante Biogas-Anlage und die damit verbundenen ausgedehnten Mais-Anbauflächen etwas mit dem neuen Erlass vom 24. November 2010 zu tun hat, mag MLUR-Referent Werner Hädrich nicht bestätigen. Er räumt allerdings ein, dass mit dem Erlass eine gewisse "erzieherische Wirkung" erzielt werde. "Aus dem breiten Korridor ist ein schmaler Korridor geworden", sagt er und bezieht sich auf die Auslegung des Paragraphen 35 des BauGB "Bauen im Außenbereich/Privilegierung von Biomasseanlagen".

"Dieser Paragraph des Bundesgesetzes ist grottenschlecht formuliert", erklärt Hädrich, "er wird in jedem Bundesland anders ausgelegt". Schlecht formuliert deshalb, weil zum Schutz des Außenbereichs die Maximal-Größe einer Biogas-Anlage nicht nach der Kubikmeterzahl der verarbeiteten Biomasse, sondern nach der Feuerungswärmeleistung und der erzeugten elektrischen Leistung festgelegt wird. Bisher galt in Schleswig-Holstein: maximal 1,5 Megawatt Feuerungswärmeleistung, maximal 500 Kilowatt erzeugte elektrische Leistung. Allerdings basieren diese Werte auf einer durchschnittlichen Stromausbeute von nur 33 Prozent.

"Seit September 2007, dem Zeitpunkt des bis dato geltenden Erlasses, ist der technische Wirkungsgrad erheblich gestiegen", so Werner Hädrich, "wir können heute von 40 Prozent und mehr ausgehen". Damit rechnete auch Wolf Mönkemeier, der bei seiner in Lutterbek geplanten Anlage von einer Erzeugung von 575 Kilowatt ausging. 400 Kilowatt davon sollten in das Wendtorfer Blockheizkraftwerk eingespeist werden (Kooperation mit den Stadtwerken Kiel), 175 Kilowatt sollten den Energiebedarf seines eigenen Betriebs decken.

Der neue MLUR-Erlass hat dem Lutterbeker Landwirt einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn die Feuerungswärmeleistung wurde am 24. November mit sofortiger Wirkung auf 1,2 Megawatt reduziert und trägt damit dem technischen Wirkungsgrad moderner Anlagen Rechnung. Die Folge: Es dürfen nur noch 500 Kilowatt Leistung erzeugt werden – zumindest im privilegierten Außenbereich. Würde Wolf Mönkemeier seine Anlage überplanen und vergrößern, hätte die Gemeinde Lutterbek ein Wörtchen mitzureden, denn dafür müsste ein (bisher in Lutterbek fehlender) F- und B-Plan aufgestellt werden. Schaut man sich die Proteste der vergangenen Monate an, wäre in diesem Falle wohl damit zu rechnen, dass der größeren Anlage die gemeindliche Zustimmung versagt bleibt. Wolf Mönkemeier hat bereits erklärt, dass das Thema Biogas-Anlage für ihn erledigt sei und begründet seine Entscheidung unter anderem mit den hohen Investitionskosten für die Leitung hinüber nach Wendtorf. Eine Entscheidung, die MLUR-Referent Werner Hädrich mit einem Fragezeichen versieht, denn immerhin bringt die KW-Stunde 18 Cent ein (bei rund 8.500 Betriebsstunden im Jahr und einer Leistung von 500 KW pro Stunde). Die Lutterbeker aber sind glücklich mit der Entscheidung. Das Aufatmen im Dorf ist deutlich zu spüren.

Jens Peters
Lutterbeks Bürgermeister
Jens Peters"Ich bin froh, dass das ganze Theater vorbei ist. Einerseits bedauere ich natürlich, dass wir angesichts der weiter steigenden Rohölpreise nun keine vernünftige, kostengünstige Wärmeversorgung durch eine Biogas-Anlage erhalten können. Andererseits möchte ich nicht – wie alle anderen auch nicht – in einem Maisfeld leben. In Lutterbek sind die Meinungen dazu aufeinandergeprallt. Zum Glück beruhigt sich das jetzt wieder."


Gerald Gleue
Vorsitzender Hauptausschuss

Gerald Gleue"Mein Herz ist gespalten. Natürlich sehe ich die Vorteile: Weg vom Erdöl. Aber ich sehe auch den Wildwuchs an Maisfeldern. Lutterbek tut es gut, dass es jetzt so kommt. Die Maßnahmen des Gesetzgebers sind notwendig. Wolf Mönkemeier muss ich vorwerfen, dass er seine Absichten nicht transparent genug gemacht hat; seine Gedanken waren oftmals nicht nachvollziehbar. Die harten Worte spitzten sich zu in Lutterbek."

 
Asmus Stoltenberg
Landwirt

Asmus Stoltenberg"Ich finde es gut, dass es so gekommen ist, und auch meine Familie ist glücklich darüber. Das Beste an der Sache ist, dass letztlich nicht wir den Bau der BiogasAnlage in Lutterbek verhindert haben, sondern der Staat. Und es kommt uns gerade recht, dass Wolf Mönkemeier jetzt sagt, wenn ich so klein bauen muss wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, baue ich gar nicht. Es ist besser für unser ganzes Dorf."

 

Lore Eibrecht
Anliegerin

Lore Eibrecht"Ich freue mich, dass diese Lösung jetzt gefunden ist und dass unsere Initiative zur Lösung beigetragen hat. Für unser Dorf und unsere Region ist es so das Beste. Überall sind die Leute hellhörig geworden, und das ist auch gut so. Viele Leute vom Westufer und aus Kiel haben mich angesprochen. Sie wollen wie wir in Lutterbek nicht, dass einige Landwirte mit Biogas viel verdienen und alle anderen darunter leiden müssen."

 

 

Susanne Hanebuth
SPD-Vorsitzende

Susanne Hanebuth"Unser Engagement vor Ort ist bei der Landesregierung angekommen und hat bewirkt, dass das bestehende Gesetz jetzt restriktiv ausgelegt wird. In Lutterbek ist gelebte Demokratie praktiziert worden – mit Erfolg. Wir sind ja grundsätzlich für alternative Energie. Daher werden wir uns künftig in die Initiative des Strompools Probstei einbringen, um aus der Probstei möglichst eine energieautarke Region zu machen."

 

 

Rudolf Klindt
Initiator der Unterschriftensammlung

Rudolf Klindt "Dies ist wirklich eine gute Nachricht für die Lutterbeker. Unser Widerstand hat sich gelohnt. Ich bin froh, dass den Menschen in dieser Region die erheblichen Belastungen, die von der Anlage ausgegangen wären, erspart bleiben."

 
 
 

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Lutterbek

Die Lutterbeker Schmiede - das Schmuckstück der Gemeinde wird derzeit restauriert

Lutterbek - ehemaliger Sitz des Klosters Preetz

Im Jahre 1240 begab es sich, dass erstmals Schriftkundige (wahrscheinlich Nonnen aus dem Kloster Preetz) in die Probstei kamen und über die Dörfer, deren Menschen und Leben berichteten und dieses niederschrieben. Das Dorf am "lauteren Bach" hatte einen derart prägenden Eindruck bei den Nonnen hinterlassen, dass der Sitz des Klosters in Preetz nach Lutterbek verlegt wurde, wenn auch nicht für eine sehr lange Zeit. Heute prägt das Veranstaltungslokal "Lutterbeker" das Erscheinungsbild und die Bekanntheit des Ortes am lauteren Bach. Das ehemalige Kloster, die alte Wassermühle, die Schmiede, die Dorfschule oder der Höker - diese Gebäude stehen noch, werden aber nicht mehr in ihrer ehemaligen Funktion genutzt.

 

Wolf Mönkemeier

 

 

 

 

 

Bürgermeister

Wolf Mönkemeier

04343-9954


Gemeindewehrführer
Thomas Krause
04343-5167
0174-3295387

 
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