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Gesundheit und Natur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Freitag, 11. November 2011

Bepflanzung der Steuobstwiesen 

Streuobstwiesen als traditionelle Form des Obstanbaus und deren Eigenschaft als wertvolles Biotop waren für die Schüler der Schwartbucker Grundschule schon mehrfach Unterrichtsthema. Am Donnerstag vergangener Woche nun pflanzten sie auf dem Bioland-Hof von Hans-Detlev Wiese in Gleschendorf 15 Apfelbäume und legten so den Grundstock für eine Streuobstwiese althergebrachter Art.

 

 

Her mit den jungen Dingern! Doris Seydel verteilt die kleinen Apfelbäume an die Grundschüler. Foto Heine

Her mit den jungen Dingern! Doris Seydel verteilt die kleinen Apfelbäume an die Grundschüler. Foto Heine

 

"Streuobstwiesen zeigen, wie es früher einmal war in Bauerngärten und landwirtschaftlichem Nebenerwerb", erklärt Doris Seydel vom Verein zu Förderung des organisch-biologischen Land- und Gartenbaus in Schleswig-Holstein. Auf insgesamt 14 Biolandbetrieben im Land will ihre Organisation von November bis April gemeinsam mit Schulklassen insgesamt 250 Obstbäume pflanzen. Das Ziel: "Wir wollen Kinder und Bio-Landwirte zusammenbringen, um den Kindern zu zeigen, dass Äpfel nicht nur aus Übersee oder von großen Plantagen stammen müssen, sondern auch heute noch regional und nachhaltig angebaut werden können." Zudem sind Streuobstwiesen ein wertvolles Biotop. Seydel: "Im Gegensatz zu Plantagen sind solche Wiesen sehr strukturreich und bieten damit vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum." Der Steinkauz etwa findet in alten, hohen Obstbäumen auf Streuobstwiesen Bruthöhlen, Siebenschläfer und Igel ein geschütztes und nahrungsreiches Zuhause.


Für Hans-Detlev Wiese ist die neue Streuobstwiese auf seinem Bioland-Hof aber nicht nur ein Beitrag zum Naturschutz, sondern nützt auch seinem Betrieb. Besser gesagt: seinen Hühnern. Denn die bekommen einen Auslauf, in dem sie Deckung vor Räubern finden und sich deshalb wohl und geborgen fühlen.


Eigens 15 Edelstahlspaten, finanziert durch Zuschüsse der Bingo-Lotterie, hat Doris Seydel mitgebracht. Sie lässt die Viertklässler zunächst auf dem Hofplatz zum Sicherheitsappell antreten. Erst nach der Einweisung in den sicheren Gebrauch der Werkzeuge stürmen die Kinder los auf die Wiese. In Dreiergruppen graben sie eifrig Pflanzlöcher, die blanken Spatenblätter glänzen dabei im Morgenlicht. "Ist das Loch schon tief genug?", ruft eines der Mädchen durch die kühle Herbstluft dem ebenfalls spatenschwingenden Schulleiter Stephan Martens zu. Die Antwort wartet sie nicht erst ab: Auf dem Allerwertesten im feuchten Gras sitzend, buddelt sie kurzerhand mit den Händen weiter die lockere Erde aus dem Pflanzloch.
Als Starthilfe sollen die Bäume einen rund zwei Meter langen, gespitzten Holzpfahl an die Seite bekommen. Den müssen die Kinder mit einer Ramme in die Erde treiben, bevor sie die Bäume einpflanzen. "Allein schafft ihr das nicht", sagt Hans-Detlev Wiese und zeigt den Kindern, wie sie zu mehreren die schwere Metallhülse auf den noch liegenden Pfahl fädeln können, um ihn dann aufzurichten. Nun stemmen die Schüler die Ramme an zwei großen Griffen in die Höhe, lassen sie auf das Pfahlende hinabsausen und drücken so den Pfahl tiefer und tiefer in den Boden hinein.

 

 

Gruppenarbeit: Eine Dreiergruppe Schüler rammt den Stützpfahl für ihren Baum in das Pflanzloch. Foto Heine 


Die jungen Bäume, die Doris Seydel nun den Kindern in die Hand gibt, sind sämtlich alte Hochstammsorten aus der Region. "Sie sind klimatisch angepasst, mögen den Boden, brauchen keinen Dünger – kurz: Sie passen einfach hierher", erklärt sie deren Vorzüge. Im Supermarkt sind ihre Früchte kaum zu finden, die Namen klingen fremd: Geheimrat Dr. Stoltenberg, Schafsnase, Martini, Seestermühler Zitronenapfel, Danziger Kantapfel oder Biesterfelder Biester Gelder.


Die zuvor ausgehobene Erde rund um die Wurzelballen der Bäume wieder ins Loch zu schaufeln, ist die letzte Anstrengung für die Schüler vor der verdienten Pause im offenen Holzunterstand. Ein Blick in deren lachende Gesichter zeigt: Es macht Spaß. Zu belegten Broten gibt es heißen Apfelpunsch aus dem Vorrat der Schule. Er dampft in einem großen Topf vor sich hin. An ihrem Apfeltag vor den Herbstferien haben die Schüler rund 100 Liter Apfelsaft gepresst. Die Früchte dafür hatten sie zuvor auf Streuobstwiesen gesammelt.


Heute schließt sich für die Kinder ein Kreis. Die Streuobstwiese als traditionelle Form der Obstproduktion und auch als Lebensraum war zuvor Unterrichtsthema, sie haben die Apfelernte kennengelernt und auch althergebrachte Formen der Verarbeitung. Stephan Martens freut sich: "Mit den Projekten haben die Kinder den gesamten Zyklus der regionalen, nachhaltigen und ökologischen Apfelproduktion nachvollzogen." Doch damit ist es nicht vorbei: Die Schüler dürfen den Hof Wiese künftig besuchen, um die weitere Entwicklung der Streuobstwiese zu beobachten.

 
 
 

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