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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Sonntag, 04. Juli 2010

Beim Abwasser wird die Notbremse gezogen

Über "volle Reihen" freute sich Probsteierhagens Bürgermeisterin Margrit Lüneburg am Mittwochabend im Kaminsaal von Schloss Hagen. Sie hatte zur Einwohnerversammlung eingeladen, um mit den Bürgern den geplanten Eintritt in den Zweckverband Ostholstein (ZVO) zu diskutieren. Der Werkausschuss hat der Gemeindevertretung bereits den ZVO-Anschluss empfohlen, der Probsteierhagen in puncto Abwasserkosten und -gebühren auf die sichere Seite bringt. Dafür muss das Klärwerk (2005 gerade erst aufwändig saniert) an den ZVO übergeben werden.

 

Das Klärwerk ist die "Mitgift" Probsteierhagens, wenn es zum ZVO-Beitritt kommt. Die Stellen der beiden Mitarbeiter sollen erhalten bleiben. Foto: Butzke
 
Das Klärwerk ist die "Mitgift" Probsteierhagens, wenn es zum ZVO-Beitritt kommt. Die Stellen der beiden Mitarbeiter sollen erhalten bleiben. Foto: Butzke


Man habe die Schmutzwasserkanäle in zwei von insgesamt sechs Sektoren des Ortes gespült und gefilmt und dabei erhebliche Schäden entdeckt, deren Behebung hohe Kosten verursachen würde, berichtete die Bürgermeisterin. Die Gemeinde sei verpflichtet, bis 2012 alles in Ordnung zu bringen – aber: Die Sanierungskosten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro könnten nicht aufgebracht werden. Daher hätte man beim ZVO, AZV Ostufer und der Stadtentwässerung Kiel Angebote eingeholt. Das Wichtigste, betonten sowohl die Bürgermeisterin als auch Karl Heinz Fahrenkrog, Vorsitzender des Werkausschusses, sei dabei die Gebührensicherheit.

Die kann der ZVO mit seinem einheitlichen Tarifsystem (für alle 37 Mitglieder in den Kreisen Ostholstein und Plön) von 96 Euro Grundgebühr und 2,76 Euro Verbrauchsgebühr bieten. Der Tarif in Probsteierhagen beträgt derzeit 120 Euro Grundgebühr und 2,55 Euro Verbrauchsgebühr. Würde die Kanalsanierung von der Gemeinde selbst durchgeführt werden, müsste die Verbrauchsgebühr (als anteilige Umlage) auf 3,02 Euro und bei einer Absenkung der Grundgebühr (auf ZVO-Niveau von 96 Euro) sogar auf 3,21 Euro pro Kubikmeter Abwasser steigen. Als ZVO-Mitglied braucht sich Probsteierhagen indes nicht um die Sanierung zu kümmern, die dann der Zweckverband übernimmt.

Allerdings will der ZVO nicht nur die Gebühren (für 3.500 Einwohner-Gleichwerte) kassieren, sondern auch das Klärwerk übernehmen, dessen aktueller Buchwert 928.046 Euro beträgt – abzüglich von Kreditverpflichtungen in Höhe von 651.976 Euro. Der Restbuchwert von rund 280.000 Euro ist die Verbandseinlage – eine Tatsache, die ein Probsteierhagener Bürger mit dem Einwurf "Wir verscherbeln unser Tafelsilber" quittierte. Was man sich aufgebaut hat, sollte man nicht einfach weggegeben, meinte er. Die Antwort der Bürgermeisterin: "Wir verscherbeln nicht, wir bringen uns ein. Und wenn wir eines Tages austreten wollen, kriegen wir unser Klärwerk zurück."

Am Montag, 12. Juli, entscheidet die Gemeindevertretung über den ZVO-Beitritt, der im Kreis Plön Signalwirkung hätte, nachdem auch schon Behrensdorf und Köhn (der PH berichtete) ZVO-Mitglieder sind. Im Kaminsaal von Schloss Hagen ging es weiter mit der Frage von Bürgermeisterin Lüneburg: "Wie groß soll Probsteierhagen werden?" Nachdem alle 94 Grundstücke des Trensahler Neubaugebietes verkauft sind, möchte sie weitere Baugebiete ausweisen. Die Einwohnerversammlung stimmte ihr zu, präferiert aber kleinere Gebiete mit maximal zehn bis 15 Grundstücken, um "im kleinen Rahmen zu wachsen". Anfang 2011 sollen übrigens die Bauarbeiten für die Pflegeeinrichtung beginnen, für deren Plätze bereits eine Warteliste geführt wird.

Beim Tagesordnungspunkt Verschiedenes wurde unter anderem bemängelt, dass der vorhandene Briefkasten zu weit entfernt vom Siedlungsgebiet Trensahl ist und dass die Fahrgäste, die an der Haltestelle Hagen auf den Bus warten, vom Busfahrer nicht zu sehen sind. Hier soll Abhilfe geschaffen werden.

 
 
 

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Probsteierhagen

Wunderschön in jeder Jahreszeit: Das 1649 erbaute Herrenhaus Hagen

Dorfprägend: das Schloss und die Kirche

Probsteierhagen, dessen Ursprung sich auf das Jahr 1259 zurückführen lässt, ist ein traditionsreiches Dorf in der Probstei. Über Jahrhunderte eng verbunden mit dem adeligen Gut Hagen wurde das Handwerkerdorf Probsteierhagen (östlich der Hagener Au gelegen) um 1930 mit dem Gutsbezirk Hagen nach dessen Aufteilung in rund 70 Kleinbauernstellen zur heutigen Gemeinde Probsteierhagen vereinigt. Prägend sind auch heute noch das alte Herrenhaus Hagen aus dem Jahre 1649 mit dem dazugehörenden Park, das sich im Besitz der Gemeinde befindet und für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird (Ausstellungen, Konzerte usw.), und die St. Katharinenkirche mit dem Ursprung aus dem 13. Jahrhundert.

Margrit Lüneburg
Bürgermeisterin

Margrit Lüneburg
04348-8916

Gemeindewehrführer
Hans-Jürgen Maas
04348-1781

 
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