Krokauer Mühle – Sinnbild einer lebendigen Tradition
Krokau – Gut 30 Besucher hatten sich am Donnerstag, zu später Stunde, in der Krokauer Mühle eingefunden, um an einer abendlichen Mühlenführung teilzunehmen, die der Mühlenverein Probstei im Rahmen der Korntage angeboten hatte. Schon die Dämmerstimmung sorgte für eine besondere Atmosphäre. Ein gleichmäßiges Klapp-Klapp über den Köpfen der Besucher und die an den Fenstern vorbeirauschenden Mühlenflügel taten ihr Übriges, um diesen Mühlenbesuch zu einem echten Erlebnis zu machen.

Kräftig am Seil ziehen musste die fünfjährige Luisa Propf, um einen Getreidesack vom unteren Bereich durch die Luke nach oben zu ziehen. Foto: Lederich
Uwe Stoltenberg, 2. Vorsitzender des Probsteier Mühlenvereins, begrüßte die Gäste mit "Glückzu" und brachte den Anwesenden in der Folge historisches Wissen über die 1872 erbaute Erdholländer-Mühle und über das traditionelle Müllerhandwerk näher. Die Krokauer Mühle, die bis in die sechziger Jahre hinein mit Windkraft lief und von den Bauern zur Mehlherstellung genutzt wurde, steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Viele Stürme hat sie schon erlebt, vieles musste ausgebessert und saniert werden. Die letzte Reparatur, bei der die Flügelruten neue Klappen erhielten, schlug im Juni 2006 für den Verein mit 65.000 Euro zu Buche.
Vom unteren Teil der Mühle, dort wo der Kreislauf der Mehlherstellung beginnt und die mit Getreide gefüllten Säcke mittels Flaschenzug durch eine Fallklappe nach oben gezogen werden, stiegen die Besucher hinauf ins Herzstück der Mühle. Dort konnten die Gäste riesige Mühlräder bewundern, sowie das erforderliche Werkzeug, mit denen die Spurrillen des Rades wieder aufgearbeitet werden. Um einen Sack aus der unteren Ebene heraufzubefördern, bat Stoltenberg die fünfjährige Luisa um Mithilfe. "Kräftig ziehen", sagte das Vorstandsmitglied zu der jungen Dame und dann kam auch schon ein kleinerer Sack, gefüllt mit Getreide, durch die Bodenluke. "Mama, ich hab es geschafft", rief die kleine Mühlenbesucherin ihrer Mutter zu. Sichtlich interessiert nahmen die Besucher Einsicht in den laufenden Mahlvorgang und konnten verfolgen, wie die Körnerflut mittels eines Portionierers über die Schüttelrinne langsam in den Schacht floss, der zu den Mühlrädern führte. Über den Köpfen der Besucher wurde die gewaltige Konstruktion, die Zahnräder aus Holz, sichtbar, die den Mühlsteinen die Mahlkraft verleiht. Es herrscht eine enorme Geräuschkulisse. "Pro Sekunde muss ein Flügel am Fenster vorbeirauschen“, sagt Stoltenberg, „dann läuft die Mühle gut". Optimal sei Windstärke drei, bis maximal Windstärke sieben, könne die Mühle betrieben werden. "Mittels eines Regulators kann bei Sturm die Stellung der Flügel verändert und die Umlaufgeschwindigkeit reduziert werden", erläutert der Mühlenführer. Früher sei die Mühle auch eine Art Kommunikationszentrum gewesen, die Ruhestellung der Flügel hätte etwas über die Auslastung der Mühle sowie über freudige und traurige Ereignisse ausgesagt. Im Anschluss an den Rundgang konnten sich die Teilnehmer im unteren Teil der Mühle an üppig gedeckte Tische setzen und sich der Spezialitäten-Platte vom Schlachter Steffen aus Muxall und dem frischen Mühlenbrot vom Wischer Bäcker widmen. Margrit Stoltenberg und Uschi Gehrmann, die nicht nur an den Mühlentagen ehrenamtlich tätig sind, sondern auch am Donnerstag für die reichhaltige Bewirtung gesorgt haben, loben die gute Zusammenarbeit mit den Probsteier Handwerkern. "Wir arbeiten noch heute, so wie in früherer Zeit, mit Bäckern und Schlachtern Hand in Hand und danken sehr für die gute Unterstützung". Mühlenführungen bietet der Mühlenverein bis Ende September jeweils sonntags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr an, am 21. August, im Rahmen der Probsteier Korntage, zusätzlich mit dem Verkauf des leckeren Mühlenbrotes.
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