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Gesundheit und Natur
Geschrieben von Uwe Sturm   
Freitag, 17. Oktober 2008

Blasenschleiertechnik erfüllt hohe Erwartungen

Die tödlichen Schalldruckwellen im Umkreis von Unterwassersprengungen werden durch einen Blasenvorhang erheblich reduziert. Das ergaben jetzt Auswertungen von Messergebnissen der im April und Juni durchgeführten Probesprengungen vor Wisch-Heidkate.

 

  Auch an der Meeresoberfläche zeigt sich der Blasenvorhang durch aufbrodelnde Luftblasen. Foto: Koschinski

Auch an der Meeresoberfläche zeigt sich der Blasenvorhang durch aufbrodelnde Luftblasen. Foto: Koschinski

 

Im Frühjahr wurden Seerohrminen mit 14 Kilogramm Sprengladung vor der Probsteiküste zur Explosion gebracht. Um den Unterwassersprengplatz legten Taucher vorher verschiedene Blasenringe der Lübecker Firma HydroTechnik aus. Wissenschaftler der Bundeswehrforschungsanstalt für Wasserschall- und Geophysik zeichneten auf einem Marineschlepper die Unterwasserschallwellen auf. Vom Gewässerschutzschiff "Scharhörn" wurde Luft mit Hochdruck in die auf dem Meeresgrund ausgelegten Plastikrohre geblasen. Die im Wasser aufsteigenden Luftblasen ließen einen dichten Blasenvorhang entstehen und verminderten dadurch den Explosionsschalldruck um 18 Dezibel (B), so die Messungen der Wissenschaftler.

Für Dipl. Biologe Sven Koschinski von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine bestätigen diese Messwerte die erwartete Wirkung der Blasenschleiertechnik. Es ist nun wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich für Schweinswale, bezogen auf diese speziellen Sprengungen mit Hilfe der Blasenschleiertechnik, der tödliche Radius von zwei Kilometer auf jetzt nur noch 263 Meter reduzieren lässt. Auf diese Weise verbessert sich die Möglichkeit, Schweinswale vor jeder Sprengung wirkungsvoller aus dem für sie lebensbedrohlichen Bereich zu vergrämen. Insgesamt wird die Fläche des Gefährdungsbereiches für Meeressäuger um bis zu 98 Prozent verringert, erklärt der Schweinswalexperte.

Für Innenstaatssekretär Ulrich Lorenz hat sich die intensive Suche nach umweltverträglicheren Methoden zur Beseitigung von Munition gelohnt. Lorenz dankte den Fachleuten des Naturschutzverbands NABU, der Gesellschaft zur Rettung der Delphine und der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere sowie dem Umweltministerium, der Bundeswehr, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und dem Kampfmittelräumdienst für ihre kompetente und konstruktive Zusammenarbeit. "Staatliche Stellen und gesellschaftliche Organisationen haben aus zunächst unterschiedlichen Richtungen kommend einen gemeinsamen Weg gefunden", sagte der Staatssekretär. Kooperation und Konsenssuche müsstendie weitere Arbeit bestimmen. Auch die Umweltverbände äußerten sich zufrieden über die offene Art, wie ihre Vorschläge im Innenministerium aufgenommen wurden und so eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zustande kam. Die Verbände hatten zuvor Sprengungen ohne den Schallschutz kritisiert, weil die entstehenden Schockwellen Schweinswale und andere Meerestiere im Umkreis vieler Kilometer töten können.

Blasenvorhänge sollten, sofern Sprengungen unvermeidbar sind, zu einer Standardmethode werden, so die Naturschutzverbände. Die neue Unterwassersprengtechnik müsse jetzt auch bei größeren Sprengladungen angewandt werden und außerdem müsse nach wie vor das toxikologische Problem bei sogenannten Vernichtungssprengungen ernsthaft untersucht werden, fordern die Naturschützer. Ungefähr 90 Ankerminen und Torpedos mit je 150 bis 350 Kilogramm Sprengstoff liegen noch vor Heidkate auf dem Grund der Ostsee.

Voraussichtlich im ersten Quartal des nächsten Jahres, wenn Wetter und Schiffskapazitäten es zulassen, werden die Sprengungen fortgeführt. Zu dieser Zeit halten sich die bedrohten Schweinswale seltener in diesem Seegebiet auf. Das ergaben Untersuchungen mit dort ausgelegten Klickdetektoren, das sind Unterwassermikrofone mit digitalem Speicher, des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

 
 
 

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1286 gilt als Gründungsjahr des Dorfes Wisch in jetziger Lage. Der Ostseedeich mit 4,5 Meter Höhe schützt seit 1986 das Strandgebiet Heidkate und die tiefliegenden Acker- und Wiesenflächen zwischen Strand und Dorf. Der 3,7 Kilometer lange Wischer Naturstrand ist Anziehungspunkt für viele Badegäste und Surfer. Ein Naturparkplatz für Tagesgäste, der Campingplatz Heidkoppel mit 700 Stellplätzen und 550 Wochenendhäuser bieten Erlebnis an der Ostsee. In Wisch wohnen rund 750 Einwohner, im Sommer kommen viele Gäste dorthin. Gut ausgeschilderte Rundwege führen Wanderer, Radfahrer und Reiter durch Salzwiesen und Knicklandschaft in die 920 Hektar große Gemeinde.

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