Eine christlich-diakonische Lebensschule
Es war 1986, als Ernst Enseroth und Hans Becker die "Alte Meierei" in Barsbek mieteten, in der früher Milch verarbeitet wurde. Enseroth und Becker sind Mitglieder der "Christlichen Gemeinde Schönberg" und fuhren damals mit einem umgebauten Omnibus über Land, um Strandmission zu betreiben, als Evangelisten zu arbeiten und Kinder- und Urlaubsprogramme anzubieten. Dabei begegneten ihnen immer wieder junge Männer mit Alkohol- und Drogenproblemen ohne Arbeit und ohne Perspektiven. Ihnen wollten sie helfen und sie in eine Wohngemeinschaft aufnehmen. Jetzt ist die "Werk- und Lebensgemeinschaft e.V." (WLG) 25 Jahre alt.
Vier Wochen können die derzeit maximal fünf jungen Männer, die aus allen Teilen Deutschlands kommen, "auf Probe" in der WLG in Barsbek leben. Dann müssen sie sich entscheiden, ob sie die hier geltenden Regeln des "Betreuten Wohnens" akzeptieren und ihren Weg mit Unterstützung von Hans Becker und seinen Mitarbeitern finden wollen. "Wir bieten hier aber keine Intensiv-Therapie an", sagt Becker, "wir sind vielmehr eine Nachsorge-Einrichtung, die junge Menschen eine Zeit lang begleitet."
Zur Begleitung gehören ein strukturierter Tagesablauf mit Pflichten in Küche, Bad und Wohnbereichen der WLG, mit Aufgaben, bei denen man Verantwortung lernt, wie etwa das Füttern der Ponys, Hühner und Ziegen, und mit Arbeiten, die Geld einbringen. In der Schreinerei werden schöne und praktische Dinge aus Holz hergestellt, es wird Kaminholz geschlagen und verkauft, außerdem werden Arbeiten in Forst und Garten übernommen. Das WLG-Leben ist geprägt vom Geist einer christlich-diakonischen Einrichtung und beinhaltet auch eine morgendliche Andacht und das Lesen in der Bibel. "Zwang zur Teilnahme besteht aber nicht", betont Hans Becker.
Von den rund 300 jungen Männern, die im Laufe der 25 Jahre in der WLG gelebt haben, sind einige in die Fußstapfen Beckers getreten und haben selbst Einrichtungen zur Lebenshilfe gegründet. Andere haben es gelernt, ihr Leben in die Hand zu nehmen, sind berufstätig und haben Familien gegründet. "Wir freuen uns immer wieder, wenn ehemalige Mitbewohner Urlaub an der Ostsee machen und bei uns vorbeischauen", sagt Becker. Er verschweigt nicht, dass es auch Rückfälle gibt, die mit Suizid oder im Gefängnis enden. Und von rund der Hälfte der "Ehemaligen" hört er nichts mehr, hofft aber, dass es ihnen gut geht.
Das Jubiläum hat die WLG schon gefeiert – erst auf einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen, deren Mitglied sie ist, und dann im kleinen Kreis mit geladenen Freunden und Förderern. Aktuell steht die "Aktion Osthilfe" an, für die seit über 20 Jahren Kleidung und Textilien aller Art gesammelt und in drei Kinderheime nach Moldavien hinter den Karpaten gebracht werden. Wer etwas abgeben möchte, ist dazu immer freitags von 9 bis 12 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr herzlich in der "Alten Meierei", Mühlenkamp 1, willkommen. Gesammelt wird noch bis Ende Januar.
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