Menu Content/Inhalt
Portal arrow Sparten arrow Freizeit & Kultur arrow Die Claussens: Ein Farmbetrieb in Kanada
Die Claussens: Ein Farmbetrieb in Kanada Drucken E-Mail
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Montag, 09. Januar 2012
Beim Besuch der Schwiegereltern in Kanada ist dieses Familienfoto entstanden. Sönke Claussen steht ganz hinten in der Mitte. Foto Claussen

Überall in der Welt leben Probsteier. Sie haben meist noch guten Kontakt zu ihren Verwandten in der Heimat, und sie lesen oft auch noch den "Probsteier Herold", um zu erfahren, was sich so tut an der Ostsee.

 

Die Claussens: Ein Farmbetrieb in Kanada

Überall in der Welt leben Probsteier. Sie haben meist noch guten Kontakt zu ihren Verwandten in der Heimat, und sie lesen oft auch noch den "Probsteier Herold", um zu erfahren, was sich so tut an der Ostsee. Von ihnen selbst hört man weniger – aber das will der "Herold" jetzt ändern. In der Serie "Butenprobsteier" stellen wir Probsteier Familien vor, die weit weg von hier erfolgreich neue Wurzeln geschlagen haben.

 

Beim Besuch der Schwiegereltern in Kanada ist dieses Familienfoto entstanden. Sönke Claussen steht ganz hinten in der Mitte. Foto Claussen  

Beim Besuch der Schwiegereltern in Kanada ist dieses Familienfoto entstanden. Sönke Claussen steht ganz hinten in der Mitte. Foto Claussen

 

In Schönberg traf PH-Mitarbeiterin Gabriele Butzke kurz vor Silvester Sönke Claussen aus Kanada, der mit seiner Familie gerade zu Gast bei den Schwiegereltern in Wendtorf war. Er erzählte von seiner neuen Heimat in Süd-Ontario, wo Claussens nicht nur 1.300 Hektar eigenes Land, sondern auch noch 3.500 Hektar Land als Lohnunternehmen bewirtschaften. Wer Interesse hat, kann sich auch im Internet unter www.claussenfarms.com informieren.


Probsteier Herold: Herr Claussen, als Sie und Ihre Familie 1995 Brodersdorf verließen, gab es viel Wirbel. Was für Gründe veranlassten Sie, nach Kanada umzusiedeln?
Sönke Claussen: Von Jugend an wollten mein Bruder Hauke und ich Landwirte werden. Der Betrieb in Brodersdorf war aber zu klein; ihn zu vergrößern, war schwer. Woanders etwas Neues anzufangen, schien die Lösung zu sein, und in den achtziger Jahren hatte mein Vater schon einmal Auswanderungspläne. Damals passten aber viele Dinge nicht zusammen, sodass wir Kinder unsere Ausbildung begannen und auch beendeten. 1989/90 bot uns die Grenzöffnung die Chance, Flächen in der ehemaligen DDR zu erwerben, aber nach mehreren negativen Erfahrungen mit den Behörden waren wir uns einig, uns nach Kanada zu orientieren.
PH: Wo genau leben Sie jetzt? Wie muss man sich Ihren neuen Wohnort in Vergleich zu Brodersdorf vorstellen?
Claussen: Wir leben in Brucefield, Ontario. Brucefield liegt 200 Kilometer westlich von Toronto, und wir sind etwa zehn Kilometer vom Huron See entfernt. Der Huron See wie auch die anderen großen Seen haben sehr viel Ähnlichkeit mit der Ostsee. Sie verursachen ein gemäßigtes Klima wie in Deutschland, allerdings mit höheren Temperaturen im Sommer und tieferen im Winter. Wir leben nicht in einem Dorf. Die Betriebe liegen vereinzelt im Land; wir haben mehrere Nachbarn in Sichtweite. Es ist bei uns aber absolut nicht einsam, so wie man es sich vielleicht vorstellt, wenn man an "kanadische Weiten" denkt. Süd-Ontario ist sehr europäisch geprägt: Unsere unmittelbaren Nachbarn kommen in der ersten Generation aus Österreich und Holland. Geht man eine Generation weiter zurück, finden wir Familien aus Irland, Italien, der Schweiz und Deutschland.
PH: Sind Sie noch Landwirte wie damals in der Probstei?
Claussen: Ja, wir sind immer noch Landwirte. Mein Vater ist im Altenteil. Mein Bruder Hauke und ich mit unseren Frauen Annegret und Susanne leiten den Betrieb.
PH: Wie groß ist Ihr Betrieb? Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Claussen: Der Betrieb hat sich etwas anders entwickelt, als wir uns das vorgestellt hatten ... wenn man überhaupt eine Vorstellung davon entwickeln kann, wie man einen kompletten Neuanfang in einem fremden Land macht. Wir haben mit 160 Hektar Ackerbau angefangen, nur mein Bruder, mein Vater und ich. Heute bewirtschaften wir selbst etwa 1.300 Hektar. Zusätzlich betreiben wir ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen, dass noch einmal etwa 3.500 Hektar vornehmlich für Milchviehbetriebe bewirtschaftet – von der Saat bis zur Aberntung. Wir sind stark in der Silagebergung engagiert. Außerdem sind wir im Straßen- und Wegebau tätig, und wir sind der regionale Händler für Pioneer-Saatgut. Derzeit haben wir 13 Festangestellte und bis zu zehn Aushilfen. Dazu kommen dann noch die Familienmitglieder.
PH: Und wie groß ist die ganze Claussen-Familie?
Claussen: Meine Eltern leben auf dem Betrieb. Dann ist da mein Bruder Hauke mit seiner Frau Susanne und den Kindern Vica und Kai. Zu meiner Familie gehören meine Frau Annegret und die Kinder Magnus, Lucas und Sara.
PH: Wird bei Ihnen Deutsch oder Englisch gesprochen?
Claussen: Meistens reden die Erwachsenen Deutsch, und die Kinder sprechen Englisch, weil sie eben englisch aufwachsen. Unsere Kinder sprechen aber auch alle Deutsch und sind zeitweise am Wochenende zur deutschen Schule gegangen. Nur ist das Englische viel einfacher für die Kinder, und auch uns Erwachsenen fällt das Englische inzwischen manchmal leichter als Deutsch. Plattdeutsch wird unseren Kindern wohl verloren gehen, sie hören es nur noch von unseren Eltern.
PH: Haben Sie noch gute Kontakte zur Probstei?
Claussen: Ja, wir haben ja unsere Familie in der Probstei – mit den Schwiegereltern Hermann und Eicke Wiese in Wendtorf und der Schwester und dem Schwager, Gesine und Christian Makoben, in Schönberg. Mit alten Freunden und Bekannten wird telefoniert oder gemailt, und den "Herold" bekommen wir auch. Jedes oder jedes zweite Jahr kommen wir zu Besuch oder wir erhalten Besuch aus der alten Heimat.
PH: Haben Sie manchmal Heimweh?
Claussen: Heimweh gibt es nach 17 Jahren nicht mehr, Ontario ist jetzt unsere Heimat. Zu Beginn haben wir sicher alle mal an die alte Heimat gedacht – die Frauen sicher mehr als die Männer – aber keiner von uns ist jemals vor Heimweh krank gewesen. Ontario hat uns viele Chancen und Möglichkeiten eröffnet, und wir leben nun in einem großartigen, teilweise atemberaubenden Land. Sie erwähnten es schon: Vor unserer Auswanderung hat es genug Wirbel gegeben, und zu dieser Zeit haben wir leider auch Enttäuschungen erleben müssen. Wir sind heute froh, dass sich der damalige Wirbel lange gelegt hat und Brodersdorf heute anscheinend mehr denn je ein sehr lebendiges Dorf ist.
PH: Haben Sie Ihren Schritt, auszuwandern, je bedauert?
Claussen: Für uns war die Auswanderung nach Kanada der richtige Schritt, den wir alle so wieder machen würden, auch wenn man einige Dinge wahrscheinlich anders machen würde – eben wie es so ist im Leben ... Unsere Kinder kommen gern mit uns nach Deutschland, ihre Wurzeln sind aber eindeutig in Ontario, sodass wir nach den Besuchen immer alle ebenso gern wieder nach Kanada zurückkehren.
PH: Danke für das Gespräch, Herr Claussen.

Sind Sie Butenprobsteier oder kennen Sie Butenprobsteier, die der PH einmal vorstellen soll? Dann wenden Sie sich per E-Mail an die Redaktion des Probsteier Herold, Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 
 
 

Ausgezeichnet!

Qualitaetssuchmaschine 2009
 
developed by mediahof - www.mediahof.de