Die Ostsee – ein ganz eigenes Museum
Wendtorf – Freitagvormittag am Naturschutzhaus in Wendtorf. Kühler Wind weht über den Deich, es regnet. Eine geologische Strandwanderung ist angesagt. Und sie findet auch statt, denn für den Diplom-Geologen Johannes Jannsen gibt es kein schlechtes Wetter. „In der Natur ist es immer schön“, sagt der Gesteinskundler und begrüßt ein halbes Dutzend Interessierte, die sich, bereit zur Wanderung, mit Gummistiefel und Regenjacke ausgerüstet hatten. „Finden wir denn interessante Steine am Strand?“, fragt ein Gast. „Aber sicher“, antwortet Jannsen, „die Ostsee ist ja ein eigenes Museum“.

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Diplom-Geologe Johannes Jannsen (links) erklärt Angelika Reinhart, welche Unterschiede zwischen einem Feuerstein und dem Feldspat bestehen. Foto: Lederich.
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Der Geologe hatte nicht zu viel versprochen, suchte gezielt am Strand, zeigte den Strandwanderern die auf die Schnelle gefundenen unterschiedlichen Steine und erklärte ihnen zunächst die prägnanten Unterschiede. Ob Feuersteine, die meist von Kalkstein umschlossen und somit gut erkennbar sind oder der rosa, rötlich oder auch weiß schimmernde Feldspat – die Gäste erfuhren etwas über die allgemeine chemische Zusammensetzung der Steine sowie über deren ganz individuelle Entstehungsgeschichte. Dass Granit in seiner Zusammensetzung aus Feldspat, Quarz und Glimmer besteht, verleitete Teilnehmer Michael Gauß aus Bamberg sogar zum Reimen „das vergess ich jetzt nimmer“, sagte er im Anschluss an die Ausführungen des Geologen. In Erstaunen versetzte der sachkundige Wissenschaftler die Gäste mit seinen Erläuterungen über die vulkanische Tätigkeit im Erdinnern, auch erfuhren die Teilnehmer, dass die bisher tiefste Bohrung, die Menschen in Russland vorgenommen haben, bis zu einer Tiefe von etwa zwölf Kilometern reichte. „Und jetzt sind Sie dran“, sagte Johannes Jannsen und forderte die Gruppenmitglieder auf, sich auf die Suche nach den vorgestellten Exemplaren zu machen. Die motivierten Hobby-Geologen nahmen vor den brausenden Ostseewellen am Strand prüfend das herumliegende Gestein in Augenschein. „So interessant hab ich mir das kaum vorgestellt“, sagte Angelika Reinhart, die als Organisatorin mit einer 38-köpfigen Reisegruppe des Familienbundes der Katholiken aus dem Bistum Würzburg seit einer Woche in Kalifornien Urlaub macht. „Wir wollten eigentlich alle kommen, aber bei dem Wetter haben sich dann doch nur wenige für die Strandwanderung entschieden“, sagte sie. Auch dem 14-jährigen Winfried Geuß macht die Exkursion großen Spaß. „Ich bin doch für das Wetter richtig angezogen“, sagte er. „Ich finde gerade die Steinbestimmung spannend und sehr informativ“, erklärte der junge Mann aus Franken. Haufenweise Steine wurden gesammelt, der Geologe erläuterte die Funde und beglückwünschte den zwölfjährigen Christoph Reinhart. „Prima, du hast einen Porphyre gefunden“, sagte er. Der Porphyre ist ein vulkanischer Stein und zählt zur Gruppe der Magmatite. Gesteine mit porphyrischem Gefüge entstehen, wenn Magma im Erdinneren zunächst langsam erkaltet. In der Tiefe bilden sich bereits wenige, aber große Kristalle, die in der Schmelze schwimmen. Kommt es dann zu einem schnellen Aufstieg des Magmas mit einem Vulkanausbruch, kühlt das verbleibende noch flüssige Magma sehr rasch ab und kristallisiert. Die fleißigen Strandwanderer erlebten im Rahmen der Probsteier Korntage eine gut zweistündige Exkursion mit einem erfahrenen Geologen, der den Teilnehmenden am Wendtorfer Strand einen guten und umfassenden Einblick in die spannende Welt der Gesteinskunde gab. Der aus Bayern stammende Christoph ist sicher, dass er von diesem Thema noch mehr wissen will. „Wir sind ja noch eine Woche hier“, sagte er, „und der Strand ist nicht weit“.
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