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| Freizeit und Kultur | ||
| Geschrieben von Kay-Christian Heine | ||
| Montag, 21. November 2011 | ||
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Ein Franzose in Paris
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Erzählt von den Teutonen und ihren ureigenen Gebräuchen: TV-Reporter Alfons. Foto Heine |
Emmanuel Peterfalvi ist ein in Deutschland lebender Franzose. Hier stößt er immer wieder auf „merkwürdige Dinge“. Um sie zu verstehen, begibt er sich als Fernsehreporter ganz nah heran an die Teutonen und ihre ureigenen Gebräuche. Davon zeugen seine Filme, entstanden auf einem Viehmarkt in Vechta, einer Hundezuchtschau in Münster oder während der Motorshow in Essen. Emmanuel Peterfalvi präsentiert darin seine Figur Alfons den Interviewpartnern als lebende Karikatur des vermeintlich typischen Franzosen, wie er als Bild in deutschen Köpfen existieren mag: ungekämmt, schlecht sitzende Klamotten, gelangweilt hängende Augenlieder und schludrige Lässigkeit. Alfons‘ französischer Akzent, sein zerzaustes Puschelmikrofon und sein viel zu großer, zerknitterter Notizblock machen die Illusion des liebenswert-naiven, sichtlich angestrengten und etwas trottelig daherkommenden Reporters perfekt. Selbst groteske Fragen versuchen die Interviewten, teils nicht weniger angestrengt, ernst und gewissenhaft zu beantworten. Die Folge: Brüllendes Gelächter im Publikum, gemischt mit ungläubigem Staunen ob der Offenbarungen der Befragten. Alfons entlockt seinen Interviewpartnern Stellungnahmen zur Lage der Nation, die ihnen anderen gegenüber vielleicht nie über die Lippen gekommen wären. Eine Frau als Bundeskanzlerin? So weit solle die „Emanzipitation“ lieber nicht gehen, meint der Befragte. „Die Entscheidungen, die ein Kanzler treffen muss, sind nicht ohne, das sollte lieber ein Mann machen.“ Oder der junge Mann, der auf „geraden Straßen in der Stadt“ ein Tempolimit von 120 für angemessen hält. Alfons runzelt die Stirn, als er das hört. „Und die Fußgänger und Kinder?“ Die sollen auf dem Fußweg bleiben, wo sie hingehören, meint der junge Mann überzeugt. Was er denn von Beruf sei, möchte Alfons noch wissen. Die Antwort: „Rettungssanitäter.“
Für derlei Offenheiten revanchiert sich Alfons an diesem Abend, indem er Dinge über sich, das Paris seiner Jugend und die Franzosen im Allgemeinen preisgibt. Die Idee kam ihm, als er kürzlich seine beiden Jugendfreunde Jérôme und Jean-Francois in Paris wiedergetroffen hat. Dort, im 13. Arrondissement, hatten sie sich schon vor 20 Jahren in einem Park verabredet. Sie haben damals gemeinsam Fußball gespielt, der Schulpolitesse „Madame Hitler“ böse Streiche gespielt und dafür nachgesessen.
Es stellt sich nun heraus, dass die Unterschiede zwischen Franzosen und Deutschen gar nicht so groß sind. Alfons selbst war begeisterter Fußballfan, der Stürmerstar des Clubs AS Saint-Étienne, Dominique Rocheteau, sein Idol. Aber halt, es gibt doch einen Unterschied: Französische Torjäger stellen vor dem Schuss ihr Weinglas ab. Oft war er mit seinem Vater im Stadion, erzählt Alfons. Schreiend haben sie ihre Mannschaft angefeuert: „Allez, les vertes!“. Weniger oft waren sie gemeinsam im Wald, eigentlich nur dann, wenn sie einen Kühlschrank loswerden wollten.
Alfons mag als Kulturbotschafter zwischen Franzosen und Deutschen gelten, als ein Mensch, der journalistisch-kabarettistisch die Befindlichkeiten zweier Nationen analysiert und der auf seine einmalige Art über deutsch-französische und französisch-deutsche Sichtweisen des Einen auf den Anderen und umgekehrt erzählt. Zuvorderst aber ist Alfons ein glänzender Entertainer, der sein Publikum trefflich zum Lachen bringt und beschwingt nach Hause entlässt. Wenn dann noch jemand etwas französische Lebensart dorthin mitnimmt – umso besser.
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