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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Freitag, 19. März 2010

Geschichten aus Zeit und Meer
 

 "Alles ist druckbar", ist die Prämisse der 1957 in Bremen geborenen Druckgrafikerin Birgit Rautenberg-Sturm. Ihr Thema ist die Seefahrt und die Zeit, ihr bisheriger Werdegang ist eigenwillig und erfinderisch-kreativ. Die Seefahrt prägt Birgit Rautenberg-Sturm schon ihr Leben lang. Ihre Familie ist seit Generationen mit der Seefahrt verbunden, sie selbst aktive Seglerin.

Die Steiner Druckgrafikerin Birgit Rautenberg-Sturm zeigt im Lutterbeker Ihre Einzelausstellung sehnsucht braucht ein boot mit Drucken von im Meer versenkten Zinkplatten und Intagliotypie. Foto: Heine 

Die Steiner Druckgrafikerin Birgit Rautenberg-Sturm zeigt im Lutterbeker Ihre Einzelausstellung sehnsucht braucht ein boot mit Drucken von im Meer versenkten Zinkplatten und Intagliotypie. Foto: Heine


In der Ausstellung "sehnsucht braucht ein boot" in der Galerie im Lutterbeker zeigt sie seit dem vergangenen Wochenende Arbeiten, in denen sie ihre maritimen Wurzeln, Gedanken und Erfahrungen mit authentischen Materialien aus dem Meer verarbeitet und visualisiert.


Schon als Jugendliche hat Birgit Rautenberg-Sturm ihre ersten Radierungen angefertigt. Als sie dann kurz vor dem Fall der Mauer auf den Schweriner Grafiker Karlheinz Effenberger traf, wurde ihr klar, dass sie künftig genau so arbeiten wollte. "Das ist lange her", sagt die blonde Frau mit den wachen Augen heute und lächelt dabei. Seit dem Tod ihrer Eltern geht sie ungewöhnliche Wege in der Druckgrafik. Ein langer, gedankenverlorener Blick auf den Leuchtturm Kiel habe ihrer künstlerischen Arbeit eine Wende gegeben. "Ich hatte plötzlich die Idee, Schifffahrtswege zu drucken." Auf der Suche nach dem Wie erinnerte sich an eine längere Segelreise. Sie hatte als Experiment Zinkplatten über Bord ihres Segelbootes hängen lassen. Das Salzwasser fraß das Material an und hinterließ seine Spuren darauf.
Nun versenkt sie Druckplatten an Schifffahrtswegen in verschiedenen Meeren und lässt das Meer und die Zeit an dem Material arbeiten. Dafür packt Rautenberg-Sturm die Zinkplatten in grobes Leinen, verschnürt die Pakete fest mit fingerdickem Teerband und hängt sie für Monate ins Salzwasser.


Jeder Ort gebe den Platten dabei ein einzigartiges Muster, abhängig von Salzgehalt, Strömungsverhältnissen und anderen Bedingungen. "Stellen Sie sich die Strömung wie einen Wind vor, der die im Wasser hängenden Platten und das umhüllende Leinen bewegt und miteinander reagieren lässt", erklärt Rautenberg-Sturm die Entstehung der geheimnisvollen Muster, welche die Drucke als Abbild der Zeit im Meer zeigen. Bisweilen sei diese Methode nicht frei von Mystik, sagt sie und deutet auf einen Druck, der ein großflächiges und detailreiches Muster zeigt. "Die Druckplatte hing vor Marstal", sagt sie, dem ehemals größten dänischen Segelschiffhafen. Von dort aus hätten sich die dänischen Seeleute früher verbreitet. "Davon erzählt die Platte", meint Rautenberg-Sturm, "sieht sie nicht aus wie eine Seekarte?"


Auch Fundstücke aus dem Meer verarbeitet die Künstlerin. Zum Beispiel ein Lochblech, das Taucher für sie am Leuchtturm Kiel geborgen haben und von dem sie häufig gedruckt hat. Eine ganze Serie hat sie von Zinkplatten gedruckt, die einst das Unterwasserschiff einer M-Jolle aus dem Jahr 1918 schützten. Wie die Spuren eines gelebten Lebens in menschlicher Haut wirken die filigranen Muster der im Laufe eines Schiffslebens dünn gewordenen Platten. Versonnen blickt Birgit Rautenberg-Sturm auf die Drucke. "Das Schiff ist längst abgewrackt, aber es überlebt in den Bildern." Dann lacht sie. "Mein eigentliches Erbe ist mein verquaster Blick auf die Seefahrt, einiges in meiner Kunst meine ich ernst, anderes nicht." Sie mache die Dinge, die zu tun sie gerade Drang verspürt. "Das ist ein immerwährender Prozess, die nächsten Schritte ergeben sich meist von selbst." Dieser Tage hat die Künstlerin zum zweiten Mal eine Einladung zur internationalen Druckgrafik-Ausstellung "Ereignis Druckgraphik 2" anlässlich der Buchmesse nach Leipzig erhalten. "Eine Auszeichnung", findet sie.


Birgit Rautenberg-Sturm, "sehnsucht braucht ein boot", Druckgrafiken, zu sehen in der Galerie im Lutterbeker noch bis zum 2. Mai, Infos unter Tel. 04343-9442 oder im Internet unter www.lutterbeker.de.

 
 
 

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Lutterbek

Die Lutterbeker Schmiede - das Schmuckstück der Gemeinde wird derzeit restauriert

Lutterbek - ehemaliger Sitz des Klosters Preetz

Im Jahre 1240 begab es sich, dass erstmals Schriftkundige (wahrscheinlich Nonnen aus dem Kloster Preetz) in die Probstei kamen und über die Dörfer, deren Menschen und Leben berichteten und dieses niederschrieben. Das Dorf am "lauteren Bach" hatte einen derart prägenden Eindruck bei den Nonnen hinterlassen, dass der Sitz des Klosters in Preetz nach Lutterbek verlegt wurde, wenn auch nicht für eine sehr lange Zeit. Heute prägt das Veranstaltungslokal "Lutterbeker" das Erscheinungsbild und die Bekanntheit des Ortes am lauteren Bach. Das ehemalige Kloster, die alte Wassermühle, die Schmiede, die Dorfschule oder der Höker - diese Gebäude stehen noch, werden aber nicht mehr in ihrer ehemaligen Funktion genutzt.

 

Jens Peters 

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