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Die Probstei ist sagenumwoben. Legenden, Erzählungen und Märchen ranken sich um diese Region. Lesen Sie die Erzählung über die Entstehung der Probsteier Seen.
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Gewässer für eine Seejungfrau
Die Probstei ist sagenumwoben. Legenden, Erzählungen und Märchen ranken sich um diese Region. Manchmal stehen dabei Landstriche im Mittelpunkt, oftmals aber auch einzelne Dörfer. Wie überall warnen Sagen und Legenden vor allzu lockerem oder lasterhaftem Lebensstil und werden meist als Grund für Unglück und Übel angesehen. PH-Mitarbeiterin Brigitte Lederich stellt Legenden über die Probstei vor. Lesen Sie nun die Erzählung über die Entstehung der Probsteier Seen.
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Die Ostsee mit ihren hohen Wellen spülte eine kleine Seejungfrau an den Strand. Foto: Lederich
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Flaches Land, dazwischen Hügel und sanfte Täler, so zeigte sich das Land an der Ostseeküste in grauer Vorzeit. Seen gab es keine in dieser Region, die heute Probstei genannt wird. Doch es gab bunt blühende Wiesen und tiefgrüne Wälder und dazu einen kilometerlangen Strand. Und es gab einen Jäger und Fischer, der Tag für Tag mit seinem Boot auf die Ostsee hinausfuhr und sein Netz auswarf. Oft saß Kuno, wie der Fischer hieß, am Ufer und schaute den Möwen zu oder er streifte durch den Wald und erfreute sich der Vielzahl tierischen Waldbewohner. Er war von Wotan als Hüter von Wald und Feld eingesetzt worden, liebte jedoch die See viel mehr als das grüne Land. Kuno lebte in den Tag hinein und sah nur manchmal seinen Herrn, wenn dieser auf seinem Weg durch die Lüfte bei ihm haltmachte.
Einst herrschte ein heftiger Sturm, der selbst starke Bäume bis zur Erde bog. Selbst die Tiere im Wald zogen sich vor Furcht ins Dickicht zurück. Die Ostsee bäumte sich auf und die hohen Wellen schoben sich weit über den Strand hinweg ins Land hinein, so, als würden sie sich aufs Trockene retten wollen. Nach diesem Unwetter zog es Kuno aus seiner Schutzbehausung im Wald zum Strand hinunter. Algen, Steine und Meeresgetier waren ans Ufer gespült worden. Zwischen den hohen Sanddünen hatten Kieselsteine, Muscheln und Seegras fantasievolle Gebilde entstehen lassen. Kuno blickte fasziniert auf die maritimen Hinterlassenschaften des Sturmes. Bis er vor Staunen erstarrte. Mitten in den Dünen lag eine Gestalt, ähnlich ihm, jedoch viel feiner in der Form und mit langen goldenen Haaren. Zur Hälfte war die Figur mit Sand bedeckt. Vorsichtig trat Kuno näher. Da hob das Wesen den Kopf, schaute ihn aus meergrünen Augen an und strich sich langsam eine hellgoldene Strähne aus dem Gesicht. "Wer bist Du denn?", fragte sie ihn.
Der Ton ihrer Stimme war voll und warm, und als sie sich etwas erhob, sah er, dass sie eine zierliche weibliche Figur hatte. Kuno war verwundert über das schöne Wesen und darüber, dass es offensichtlich seine Sprache sprach. Während er von sich erzählte, blickte ihn die Schöne durch lange, gebogene Wimpern freundlich an. "Ich heiße Passarella", teilte ihm die Fremde mit und erzählte, sie sei eine Tochter Poseidons und hätte unerlaubt das Unterwasserschloss verlassen und im Sturm die Orientierung verloren. Nach etlichen Stunden, als sich die Beiden bereits vieles von sich erzählt hatten, gewahrte der junge Fischer, dass das bisher vom Sand verborgene Unterteil der Unbekannten aus silbernen Schuppen bestand und sie statt Beine und Füße einen Fischschwanz besaß. Spät am Abend trug er Passarella wieder ins Meer zurück. Seinem Wunsch, zu bleiben, konnte sie nicht folgen, aber sie wollte wiederkommen.
Als tags darauf Wotan übers Land fuhr und bei Kuno Rast machte, bat der Fischer seinen Herrn um Hilfe. "Sie ist so schön, so zart und ich möchte immer mit ihr zusammen sein", bat Kuno. Laut Wotan war das jedoch undenkbar. "Sie ist ein Geschöpf des Wassers und eine Tochter Poseidons, ihr Element ist das Wasser, das braucht sie zum Leben". Der Herrscher nickte versonnen. "Doch ich verstehe, dass Du sie vermisst", sagte Wotan schließlich, "aber Du wirst sie nie halten können". Kuno war verzweifelt. "Dann schaff kleine Gewässer für sie", bat Kuno, "hier auf dem Land, damit ich immer in ihrer Nähe sein kann". "Ich werde Deinen Wunsch erfüllen", versprach Wotan, "aber es wird Dir nichts helfen. Bedenke: Liebe ist nicht Halten, sondern Loslassen".
Liebe ist nicht Halten, sondern Loslassen
Ehe Wotan sich wieder in die Lüfte schwang, hob er einige Kieselsteine auf. In seinem Flug über die Probstei ließ er einige Steine sanft fallen, andere schleuderte er mit Wucht zu Boden. Je nach Heftigkeit des Aufpralls entstanden flachere oder tiefere Löcher im Erdreich, die sich sogleich mit Wasser anfüllten. Teiche und Seen waren entstanden. Als sich wenige Tage später Passarella am Strand zeigte, begrüßte Kuno sie stürmisch, hob sie sogleich auf sein schnelles Ross und galoppierte mit ihr über Wiesen und Felder. Die kleine Seejungfrau zappelte und wehrte sich, aber sie konnte den Armen des Fischers nicht entkommen. Schon bald war ein neu entstandener See in Sicht. Kuno stoppte sein Pferd und trug die kleine Seejungfrau ans Wasser. Wie verzaubert lag der See da, malerisch, schön und still. "Dieses Gewässer soll Passader See heißen", sagte Kuno, "hier ist Dein neues Zuhause". Als der junge Mann Passarella sanft am Wasserrand niederlegte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis die Nixe im kühlen Nass verschwand. "Brrr", "das ist ja kein Salzwasser", klagte sie, machte aber doch einige Sprünge, schlug heftig mit dem Fischschwanz aufs Wasser und es sah aus, als sei sie froh, wieder in ihrem Element zu sein.
Doch es dauerte nicht lange, da wandte sie sich voller Verlangen an Kuno. "Bring mich heute Abend wieder in die Ostsee", verlangte die kleine Wasserfrau. "Nie wieder", sagte Kuno, "ich möchte, dass Du für immer hier bei mir bleibst, ich kann einfach nicht mehr auf Dich verzichten". Die meergrünen Augen der Seejungfrau wurden ganz dunkel. "Ich gehöre dem Meer", sagte sie wütend, doch dann wurde sie ganz verzagt, ihre Bewegungen im Wasser wurden langsam und schwerfällig. "Ich bringe Dich später zurück", sagte Kuno, um sie zu beruhigen, "doch bleib erst mal hier".
Er saß am Ufer, tagein, tagaus und sah dem schönen, fremden Wesen zu, wie es seine Bahnen durch das stille Wasser zog. "Nur einmal noch möchte ich im Salzwasser baden, nur einmal noch die sanften Ostseewellen an meinem Körper spüren", bat Passarella immer wieder. Wenn auch Kuno sie nicht erhörte, so vernahm doch Wotan das Flehen des Wassergeschöpfes. Frühmorgens, sie war schon viele Tage von ihrer geliebten Ostsee entfernt, da spürte die kleine Nixe plötzlich einen Sog, einen unterirdischen Zug frischen, kühlen Wassers. Sie ließ sich auf den Grund des gut zehn Meter tiefen Sees nieder und entdeckte, dass es Zuflüsse gab. Die kleine Nixe war nicht mehr zu halten. Sie schwamm von dem malerischen See durch die unterirdischen Verbindungen und landete schließlich in einem benachbarten See (Dobersdorfer See) und dann schwamm sie weiter, bis sie in einem noch viel größerem, sehr tiefen Gewässer (Selenter See) war. Dies alles erforschte die Wasserfrau, während der Fischer am Passader See nach ihr Ausschau hielt, trauerte und die kleine Nixe vermisste. Er war bestürzt und voller Sorge, weil er seine geliebte Seejungfrau nicht mehr zu sehen bekam. "Liebe ist nicht Halten, sondern Loslassen", hatte Wotan dem Fischer vor Tagen zum Abschied gesagt und diese Worte gingen ihm immer wieder durch den Kopf. Es dauerte sehr lange, bis die Nixe den Weg zurück in den Passader See schwamm und wieder bei ihm auftauchte. "Du bist wieder da, Passarella", jubelte Kuno voller Freude.
Die traurigen Augen der schönen Nixe taten ihm weh, denn trotz der Ausflüge in andere Gewässer hatte die Seejungfrau keine Verbindung zur Ostsee gefunden. An diesem Abend lagen sie beide am Ufer des Sees. Kuno, glücklich, Passarella wieder zusehen und die kleine Nixe, traurig, und von Sehnsucht nach ihrer Ostsee erfüllt. "Nur noch diesen Abend", bat Kuno, "dann bringe ich Dich zurück ans Meer". Der junge Fischer wusste jetzt, wie es ist, etwas ganz stark und tief in seinem Herzen zu vermissen, er hatte nun selbst erfahren, was Sehnsucht ist und er verstand die kleine Nixe. Sein Versprechen machte er wahr und brachte Passarella in den frühen Morgenstunden zurück an den Ostseestrand. Sie tauchte in die Fluten und ihre Augen leuchteten dabei wie kleine Sterne. Die Seen, die Wotan mit seinen Kieselsteinen erzeugt hatte, gibt es noch heute. Und noch heute ist der Passader See, in dem die kleine Nixe ihr Zuhause finden sollte, einer der fischreichsten Seen der gesamten Region.
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