|
|
| Wirtschaft und Politik | |||
| Geschrieben von Gabriele Butzke | |||
| Freitag, 13. August 2010 | |||
|
|
|||
|
Auf dem GSP-Gelände entstehen für die Fünftklässler Lerngärten, die wie eine Veranda an bestehende Klassenräume angesetzt werden. Vom Baufortgang überzeugen sich (von links) GSP-Rektor Wolfgang Wittmaack, GSP-Lehrer Timo Müller, Hausmeister Peter Beutel und Schulverbandsvorsteher Helmut Wichelmann. Foto: Butzke |
Gemäß dem neuen Schulkonzept gehört zu jedem Klassenraum noch ein "Lerngarten" – und an der Fertigstellung dieser "Lerngärten" wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.
"Eigentlich wollten wir ja sechs neue 5. Klassen einrichten", erläutert Schulleiter Wittmaack, "aber dann wären in jeder Klasse 28 Schüler, und das ist pädagogisch nicht sinnvoll. Also haben wir uns für sieben neue 5. Klassen entschieden". Die geringere Klassenstärke kommt vor allem den sogenannten Integrationskindern zugute, die soziale, emotionale oder intellektuelle Defizite haben und meist ohne Schulartempfehlung in die GSP aufgenommen werden. In ihre Klasse werden nicht mehr als 23 bis 24 Schüler gehen.
In die anderen sechs Klassen kommen gemischte Schülergruppen sowohl mit Hauptschul- und Realschul- als auch mit Gymnasialempfehlung. Die neue Schulart "Gemeinschaftsschule" führt sie zusammen und hat auch sonst noch einiges an Neuigkeiten für sie auf Lager. So zum Beispiel die "Lerngärten". "Stellen Sie sich vor, Sie bauen sich zu Hause an Ihr Einfamilienhaus eine Veranda als zusätzliches Wohnzimmer an", beschreibt Wolfgang Wittmaack das Lerngarten-Konzept, "nichts anderes machen wir hier, wir bauen einen Lerngarten vor die Klasse".
Die Lerngarten-Veranda hat einen Grundriss von 5 mal 4 Metern und bietet Raum, wenn der Lehrer die Klasse teilen will, um vertiefend oder in Gruppen arbeiten zu lassen. "So etwas geht in normalen Klassenräumen nicht, und auf den Flur auszuweichen, ist keine Lösung", sagt Timo Müller, der an der GSP Mathematik und Physik unterrichtet. Im "Lerngarten" gibt es Tische und Stühle, Regale, Lernmaterial, Medien – und Geräuschentwicklung. Dem Schallschutz widmet das Team aus Rektor Wittmaack, Schulverbandsvorsteher Helmut Wichelmann, Lehrer Timo Müller und Hausmeister Peter Beutel bei der Begehung der Neubauten dann auch besondere Aufmerksamkeit.
Im letzten Schuljahr haben die damaligen 5. Klassen mit einer durchgehenden Schallschutzdecke gute Erfahrungen gemacht. In den "Lerngarten"-Neubauten soll jetzt eine neue Lösung mit Dämmplatten zwischen den Holzbohlen der Decke ausprobiert werden. Überall dort, wo auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden kann, ist das Team auf der sicheren Seite. Aber es gibt viel Neues, was sich erst in der Praxis beweisen muss. So erhalten die Klassen Leinwände und Beamer für die Präsentation von Bild- und Filmmaterial. Es wird viel mehr Technik geben als früher. Dafür ist Timo Müller verantwortlich, der sogar auf seinen Urlaub verzichtet, um an allen Ecken und Enden Hand anzulegen.
"Gute, reibungslose Zusammenarbeit ist das Allerwichtigste", betont Schulleiter Wolfgang Wittmaack, "schließlich müssen in der Geimeinschaftsschule Probstei 768 Schüler und Schülerinnen unterrichtet werden." Bis die nach den Sommerferien ihre Plätze einnehmen können, muss aber noch kräftig in die Hände gespuckt werden. Außer den "Lerngärten" für die neuen Schüler werden auch Gruppenräume und Kunsträume neu- und umgestaltet. 230.000 Euro hat der Schulverband Probstei für die aktuellen baulichen Maßnahmen in die Hand genommen, wie Schulverbandsvorsteher Helmut Wichelmann berichtet. "Und trotzdem wird uns das neue Schuljahr Stress, weite Wege und mindestens eine Wanderklasse bescheren", kündigt Schulleiter Wittmaack an, "denn erst 2011 wird mit unserem neuen Schulgebäude erst einmal genügend Platz für alle vorhanden sein. Dann kann mehr Ruhe einziehen".
|
Ranzenschleppen war gestern. Erleichterung bringen die Rollcontainer, in die jedes Kind seine Bücher, Ordner und Lehrmaterialien legen kann. Foto: Butzke |
"Entgegen dem allgemeinen Trend haben wir noch keine Schwierigkeiten, die vakanten Positionen so zu besetzen, dass die neuen Kollegen gut in unser Team von rund 60 Lehrern passen", freut sich Schulleiter Wolfgang Wittmaack. "Allerdings kommt ein Fachlehrermangel auf uns zu", muss er einräumen. Dieser Mangel werde sich in den Naturwissenschaften, bei Mathematik, Physik und Chemie, aber auch im Fach Musik bemerkbar machen, ergänzt Mathe- und Physiklehrer Timo Müller.
Vier der "Neuen" werden in den sieben 5. Klassen der GSP unterrichten – und werden dort mit modernem Unterrichtsmaterial und modernen Räumlichkeiten gute Voraussetzungen für das Gelingen ihrer pädagogischen Arbeit vorfinden. Den neuen Konzepten entsprechend, dürfen sich auch die Schüler auf Erleichterungen in ihrem Schulalltag freuen. Sie brauchen nicht mehr Tag für Tag ihre schweren Ranzen zu schleppen, sondern können einen Großteil der Bücher und Ordner in kleinen, persönlichen Containern neben ihren Arbeitstischen verstauen.
"Was mir Sorgen bereitet, ist nur die zunehmende Zahl der erziehungslosen Kinder, die es nicht gelernt haben, Regeln einzuhalten, Respekt zu zeigen und die Gemeinschaft zu akzeptieren", sagt Rektor Wittmaack, "diese Kinder haben es schwer im schulischen Leben, und sie machen uns und ihren Mitschülern das Leben schwer". In solchen Fällen stößt das Konzept der Gemeinschaftsschule – auch hier in Schönberg – an seine Grenzen.






