Höhndorfer Schlachtfest lockte viele Besucher an
Ältere Probsteier kennen das noch: In jedem Haus gab’s ein Schwein oder mehrere Schweine, und zumindest eins wurde zu Beginn des Jahres geschlachtet, um genügend Fleisch und Wurst als Verpflegung für die Familie zu haben. Auch Helmut Wichelmann, Bürgermeister von Höhndorf-Gödersdorf, kann sich noch an seinen Großvater, einen Kätner, erinnern, der 24 Hektar Land bewirtschaftete und zu dieser Jahreszeit ein großes und zwei kleine Schweine schlachtete. Auch wenn es keine Hausschlachtung mehr gibt – die Erinnerung daran lässt Wichelmann mit dem Höhndorfer "Schlachtfest" wieder aufleben.

Frisch aus dem Pülskessel serviert Ernst-Peter Stoltenberg (links) Gesottenes und schneidet auch das pikante Schweineohr zurecht, Bürgermeister Helmut Wichelmann schaut neugierig zu. Foto: Butzke
Es war 1990, als Wichelmann – damals seit einem Jahr Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes – auf die Idee mit dem "Schlachtfest" kam, um den Ortsverband ins Gespräch zu bringen. "Damals brachte das Schwein, das wir schlachteten, 250 Pfund auf die Waage", erinnert er sich. Heute, bei der 22. Wiederholung der Veranstaltung, sind es gut 200 Pfund mehr. Gemästet von Hans-Joachim Untiedt in Krokau, wurde das Schwein von Norbert Schoel-Koepp in Wittenberger Passau geschlachtet und fachgerecht sowie genau nach Anweisung zerlegt. Die Aufteilung ist seit 1990 geprobt und wird genau eingehalten: Leber, Speck und ein Teil Bauchfleisch blieben beim Schlachter, der daraus Leberwurst machte und sie räucherte.
Ein Teil Rippen, mageres Fleisch und beide Nacken gingen zu Christa Göllner, die daraus Sauerfleisch bereitete. Blut, ein Teil Rippen, ein Stück Bauchfleisch und ein Stück Schulter erhielt Ulrike Untiedt für ihr hochbegehrtes "Schwarzsauer". Kopf, Eisbeine, Pfoten und das Schwanzstück wurden für den "Pülskessel" aufbewahrt, den Ernst-Peter Stoltenberg bediente.
Was noch? Den Job des Herstellens von Frikadellen und Hackepeter übernahm Peter Göllner, bei dem grob durchgedrehtes Mett aus einem Teil der Schulter und mageres Fleisch angeliefert wurde. Flomen (Bauchwandfett) und Speck wurden zu Schmalz; aus einem halben Schinken wurden die Schnitzel geschnitten, die Christopher Hörtrich briet, Beim Verkauf der Köstlichkeiten in der Fahrzeughalle der Feuerwehr mit von der Partie waren Stephan, Thomas und Ella Schlünsen sowie Jens Wurdemann, während Anja Wichelmann und Ingrid Dose die Kasse übernommen hatten.
Und dann ging’s los. Köstlicher Duft durchzog das Dorfgemeinschaftshaus und machte großen Appetit, dem sich niemand entziehen konnte. In Scharen strömten denn auch die Höhndorf-Gödersdorfer und Besucher aus dem umliegenden Dörfern in die Halle, um sich mit allem einzudecken, was das Schwein so zu bieten hatte – gleich verzehrt an den liebevoll gedeckten Tischen oder mit nach Hause genommen. Wer Lust hatte, blieb noch zum Kaffee und Kuchen und genoss den Plausch mit dem Nachbarn.
Ganz außen vor blieb beim Schlachtfest übrigens die CDU-Werbung. "Die hat hier nichts zu suchen", meinte Helmut Wichelmann und gab sich ganz und gar überparteilich. Mit Werner Kalinka begrüßte er denn auch einen prominenten "Schwarzen" aus dem Landtag genauso herzlich wie den prominenten "Roten", Schönbergs Bürgermeister Wilfried Zurstraßen.
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