Im eigenen Haus quer durch Deutschland
Eine Weltreise war es nicht – und doch haben Detlef Pieper (40) und Ulrike Haas (36) schon nach einigen Tagen das Gefühl gehabt, "ganz weit weg von zu Hause" zu sein. Am 1. Juli vorigen Jahres sind sie in Freiburg gestartet, und einen Tag vor Weihnachten kamen sie in Passade an. Ihr Haus haben sie auf der Fahrt immer dabei gehabt – es ist ihr "Wohnwagen" im besten Sinne des Wortes. Auf 25 qm Wohnfläche gibt es ein Wohnzimmer mit Hochbett sowie Sofa "Gertrud", Flur, Wohnküche und Dusche/Klo. "Das ist ein ganz anderes Lebensgefühl", schwärmen beide.

Wohnwagenromantik pur – alles selbst entworfen und selbst gebaut. Sobald das Wetter besser ist, wird noch ein kleiner Balkon angefügt. Foto: Butzke
Die Idee für den "Wohnwagen" hatte Detlef Pieper schon vor 20 Jahren, als er gerade seine Tischlerlehre begann. Mittlerweile ist er Meister, und jetzt erst wurde der Traum Realität. Alles begann vor drei Jahren, als in einer Zeitungsanzeige ein Fahrgestell in genau der richtigen Größe angeboten wurde, Und dann wurde entworfen, gezeichnet und Holz eingekauft: Zeder, Lärche, Tanne und weitere Nadelhölzer, die "gutmütig in der Verarbeitung sind", wie Pieper sagt. Aber er brauchte nicht nur seine eigene Arbeitskraft, sondern auch noch Schlosser und Dachdecker, bevor der Wagen bezugsfertig und endlich auch startklar war.
Natürlich fährt das Haus nicht selbst – es wird von einem 35 PS starken Trecker gezogen, der eine Spitzengeschwindigkeit von 22 km/h erreicht. "Da kommt die Weinbergschnecke", spotteten Autofahrer, als sie den Kaiserstuhl hoch"krochen". Aber nur zu gern ließen sich alle einladen, das Vehikel zu besichtigen, in dem Detlef Pieper und Ulrike Haas aufgefangenes Regenwasser als Brauchwasser nutzen, während sie Frischwasser zum Trinken und Tee- oder Kaffeekochen aus Quellen schöpfen. Geheizt wird mit Holz oder Propangas, und wer morgens einen knusprigen Toast essen möchte, legt ein Grillgitter über den heißen Holzofen.
Überall unterwegs sind die beiden auf nette Leute mit interessanten Projekten gestoßen. "Die Deutschen sind nicht so schlecht wie ihr Ruf", haben sie festgestellt, "viele setzen sich für bessere Verhältnisse ein." In der Pfalz machten sie Station in einer Einrichtung für Behinderte, im Schwarzwald standen (und arbeiteten) sie auf einem Käsehof. Beeindruckt waren sie auch von Bremen, wo rund 20 Familien auf einer Fläche vor der Stadt alternative Lebensformen ausprobieren und in Wagen ähnlich dem ihrem oder ökologischen Holz-/Lehmhäusern wohnen.
In der Gemeinde Passade, Detlef Piepers Geburtsort, wollen sie noch bis Ende Februar bleiben. Ulrike Haas arbeitet zurzeit als Physiotherapeutin in Schönberg, Pieper kümmert sich um den Anbau eines kleinen Balkons, die Reparatur der Vorderachse und um einen Austauschmotor für den Trecker. Anfang März geht’s über Flensburg und Fehmarn auf die dänischen Inseln, dann zurück übers Wendland und Thüringen nach Freiburg, wo sie im August ihre "Weltreise" vorerst beenden wollen.
"Ich habe gelernt, auf die Natur zuzugehen und im Einklang mit ihr zu leben", heißt das Resümee, das Ulrike Haas zieht. Sie sammelt unterwegs Pilze und Beeren, die sie einkocht, hat neue Backrezepte kreiert und plant darüber hinaus, im Sommer Cafétische vor dem Wohnwagen aufzustellen und Gäste zu bewirten. Detlef Pieper liebäugelt mit dem Gedanken, als selbständiger Tischlermeister "auf Wanderschaft" zu gehen, Tipps zu geben und auch selbst neue Erfahrungen zu sammeln. "Ich habe unterwegs in zwölf Werkstätten gearbeitet", berichtet er, "das war eine gute Sache."
Auf jeden Fall steht fest, dass die beiden in Freiburg keine Wurzeln schlagen. Schon im November soll die "Weinbergschnecke" an der Mosel stehen.
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