Gesundheit und Natur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Samstag, 13. Februar 2010

Jäger lindern die Not der Tiere

Der Schnee knirscht unter den Stiefeln von Timm Heuer. Es ist empfindlich kalt, das Thermometer zeigt sechs Grad unter Null. Wie fast jeden Morgen dieser Tage macht der Neuschönberger Jagdpächter und Leiter des Hegerings 5 "Probstei Ost" zu Fuß seine Runde durchs Revier. In der Hand trägt er einen Eimer mit Mais. Seine Mission: Er möchte dem durch den strengen Winter notleidenden Wild Futter bringen.

 

  Der Neuschönberger Jäger, Revierinhaber und Hegeringleiter Timm Heuer macht jetzt fast täglich seine Runde im Revier, um dem Wild mit Futter durch den Winter zu helfen. Foto: Heine

Der Neuschönberger Jäger, Revierinhaber und Hegeringleiter Timm Heuer macht jetzt fast täglich seine Runde im Revier, um dem Wild mit Futter durch den Winter zu helfen. Foto: Heine

 

Sein Weg zu den Fütterungen führt Heuer durch ein verschneites Gehölz an einem noch offenen Wassergraben entlang. Doch der Schnee hat schon längst seine pulverige und weiche Anmutung verloren. Mittlerweile ist er hart überfroren, eisig und in seiner Struktur eher grobem scharfkantigen Kandis gleich denn Puderzucker. Heuer bleibt stehen und deutet auf eine der zahlreichen Rehfährten, die sich durch das Gelände ziehen. "Die Verletzungsgefahr durch den Harsch ist jetzt groß", erklärt er die Risiken für das Rehwild. Beim Scharren nach Fressbarem und auch beim bloßen Ziehen über die Schneeflächen können sie sich die Klauen und Läufe zerscheiden. "Und das Wenige, was die Tiere unter dem Schnee noch finden, ist noch nicht einmal besonders nahrhaft", weiß Timm Heuer.


Ein Knacken im Gezweig des jungen Baumbewuches links des Pfades lässt den Jäger innehalten. Schwerfällig streicht ein Bussard aus einem der Bäume ab, fliegt taumelnd ein kurzes Stück und landet, kaum 30 Schritte entfernt, auf dem Waldboden. "Der sieht nicht gut aus", murmelt Heuer. Tatsächlich wirkt der Greifvogel matt und kraftlos, sein Gefieder ist rau und zerrupft. Auch er findet nur wenig Futter in diesem strengen Winter. Wortlos geht Heuer weiter. Wenig später erreicht er eine der Futterstellen und verteilt den Mais auf ihr. Daneben finden sich Rüben, Stroh und Weizen. Das Stroh ist als sogenanntes Raufutter gut für die Verdauung der Rehe, erklärt Heuer.


Doch nicht nur die haben es jetzt schwer, auch das Nieder-, Wasser- und Flugwild hat unter der Kälte, dem verharschten Schnee, zugefrorenen Gewässern und der Nahrungsknappheit zu leiden. Für die Fasane hat Heuer deshalb in einem anderen Revierteil Fütterungsautomaten aufgestellt, die er regelmäßig mit Fressbarem bestückt.


In durchschnittlichen Wintern ist die Winterfütterung jagdrechtlich verboten. Vorwiegend aus jagdethischen Gründen, erläutert Timm Heuer. Das Schießen von Wild an Fütterungen sei eben nicht gewollt. Seit Monatsbeginn aber hat die Jagdbehörde des Kreises Plön das Fütterungsverbot zunächst befristet bis zum 26. Februar aufgehoben und diesen Schritt mit der winterbedingten Nahrungsknappheit begründet. Die Jagd ruht in weitem Umkreis um die Fütterungen herum.


Heuer richtet deshalb einen Appell an alle Bürger, die sich gern in der Natur aufhalten, in diesen Tagen die Feldmark möglichst zu meiden, Hunde strikt an der Leine zu führen, die Wege nicht zu verlassen und alles zu unterlassen, was das Wild beunruhigen könne. "Das Wild lebt jetzt sozusagen auf Sparflamme", erläutert Heuer den Grund für seinen Aufruf. Die Tiere seien darauf angewiesen, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Fliehe es aber vor unachtsamen Spaziergängern oder gar frei laufenden Hunden, koste dies so viel Kraft, dass es für die Tiere lebensbedrohlich werden könne.
Zudem müssen sich Autofahrer auf vermehrten Wildwechsel einstellen. Denn hungriges Wild auf der Suche nach Nahrung legt jetzt viel weitere Strecken zurück als zu normalen Zeiten.