Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Mittwoch, 10. März 2010

VKP sehen keinen Handlungsbedarf

Die Schülerbeförderung in der Probstei sorgt seit Monaten für Unmut bei Schülern und Eltern. Überfüllte Busse, angespannte Fahrer und nicht eingehaltene Fahrpläne mit der Folge zu späten Eintreffens an den Schulen waren Ende vergangenen Jahres vernehmbare Kritikpunkte an den Verkehrsbetrieben Kreis Plön (VKP). Bei den Fahrplänen haben die VKP inzwischen nachgebessert, vereinzelt werden zusätzlich zu den Bussen Taxen mit dem Transport von Schülern beauftragt. Die Überfüllung der Schulbusse macht einigen Eltern noch immer Sorge.

Halteeinrichtungen in Schulbussen sollten auch für die kleinen Fahrgäste gut zu erreichen sein, fordert der ADAC. Foto hfr/ADAC
 

Halteeinrichtungen in Schulbussen sollten auch für die kleinen Fahrgäste gut zu erreichen sein, fordert der ADAC. Foto hfr/ADAC

 

Carmen Boller aus Schwartbuck beobachtet die Linie 260/261 seit geraumer Zeit sehr genau. Sie hat den Selbstversuch gemacht und sich zu den Schülern in den Bus gesetzt. Mehr als 60 Kinder habe sie gezählt, viele von ihnen mussten während der Fahrt stehen. Zuviele, meint Carmen Boller. Das sei zu gefährlich für die Kinder.


ADAC kritisiert mangelnde Sicherheit


Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ADAC hat im vergangenen Jahr die Nagelprobe gemacht und 36 Schulbusstrecken in zwölf Bundesländern, darunter auch Schleswig-Holstein, unter die Lupe genommen. Ernüchterndes Ergebnis des Schulbus-Checks: Ein knappes Drittel der Strecken sind mit der Note "mangelhaft" glatt durchgefallen. Ein weiteres Drittel schaffte ein Ausreichend, nur ein Drittel landete im grünen Bereich. Chaos an den Haltestellen, überfüllte Busse und rasende Busfahrer seien für die schlechten Testergebnisse in erster Linie verantwortlich gewesen, so der ADAC.


Zwar bieten die von den VKP eingesetzten Busse der Typen O 345, O 407 und O 530 jeweils zwischen 90 und 97 Fahrgästen Platz. Sitz- und Stehplätze sind dabei in etwa gleich viele vorhanden. Bei der Ermittlung der Kapazität werde aber nicht berücksichtigt, dass die Kinder mitsamt ihren Schultaschen in den Bus passen müssen, kritisiert der ADAC. Da könne es dann schon passieren, dass eine Haltestelle gar nicht erst angefahren oder einige Schüler außen vor bleiben, und der Bus zur geschlossenen Gesellschaft wird. Daneben ergäben sich aus der drangvollen Enge auch Sicherheitsprobleme, beispielsweise durch Sichtbehinderungen des Fahrers oder wegen zu hoch angebrachter Haltegriffe, die von den kleinen Schülern nicht erreicht werden können.


Schon vor rund fünf Jahren wies der ADAC in einer Publikation darauf hin, dass in den USA das Risiko für Schulkinder, während der Schulbusfahrt zu verunglücken, viermal geringer sei als in Deutschland. Er vermutete als Ursachen dafür die Bestellung zu geringer Beförderungskapazitäten durch die Schulträger, die daraus folgenden Rangeleien in den Bussen um die Sitzplätze und die Überforderung der Busfahrer in einer Doppelfunktion als Fahrer und Aufsichtsperson.


VKP: "Busse sind nicht überfüllt"


Aus Sicht der VKP sind die zur Schülerbeförderung eingestzten Busse nicht überfüllt. Dies hätten diverse Einstiegszählungen sowie die täglichen Aufschreibungen des Fahrpersonals eindeutig bestätigt, teilte Andreas Evers von den Verkehrsbetrieben auf schriftliche Anfrage ebenfalls schriftlich mit. Gleichzeitig betonte er die Bereitschaft der VKP, bei "nachhaltigen Änderungen der Besetzungszahlen" in Abstimmung mit den Schulverbänden entsprechend zu reagieren. VKP und Schulverbände stünden wegen dann notwendig werdender höherer Beförderungskapazitäten im ständigen Kontakt zueinander, versicherte Evers.


Ein Sicherheitsproblem in Verbindung mit vollbesetzten Schulbussen, wie es der ADAC in den Ergebnissen seiner Schulbus-Checks formuliert hat, sehen die Verkehrsbetriebe Kreis Plön nicht. Die Beförderung von Fahrgästen erfolge bei den VKP immer im Rahmen der gesetzlichen Straßenverkehrs- und Sicherheitsbestimmungen, so Evers. Der ADAC-Forderung, die Kinder für die Schulbusfahrten zu trainieren, begegneten die VKP seit zehn Jahren mit der sogenannten Busschule. Die führten regelmäßig Unterricht an den Grundschulen im Kreis Plön durch, erklärte Evers. Den teilnehmenden Schülern werde in Theorie und Praxis aufgezeigt, wo an der Haltestelle und im Bus Gefährdungen auftreten können. Das Angebot der Busschule werde gut von den Schulen angenommen.


Dass es dennoch zu Zwischenfällen kommt, beweist das Leben. Am vergangenen Donnerstag musste in Schönberg der Fahrer eines mit Schülern besetzten VKP-Busses wegen des Fahrfehlers eines entgegenkommenden Fahrzeugführers scharf bremsen. Die Polizei spricht von einer Vollbremsung zur Vermeidung einer Kollision. Dadurch sei ein im Bus stehendes Schulkind "durch den Bus geflogen" und habe sich dabei "nicht unerhebliche Verletzungen an der Nase" zugezogen, so ein Polizeisprecher gegenüber dem PH. Ob ein angegurtet auf seinem Platz sitzendes Kind bei dem Bremsmanöver in ähnlicher Weise verletzt worden wäre, darf bezweifelt werden.