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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Dienstag, 21. Februar 2012

Krummbeker Jens Helms reiste um die Welt

Jens Helms, ein junger Mann von Mitte 20 aus Krummbek, hat sich so etwas wie einen Lebenstraum erfüllt. 403 Tage lang war er mit dem Rucksack in 20 Ländern auf drei Kontinenten unterwegs, um die Welt und ihre Menschen kennenzulernen. Mitgebracht von dieser Reise hat der Weltenbummler einen reichen Erfahrungsschatz und einen anderen Blick auf die Welt.

 

Der junge Krummbeker Jens Helms hat mehr als 400 Tage lang fast die ganze Welt bereist. Als einziger Ausländer im Bus fällst du auf, sagt Jens Helms über seine Erfahrungen als Weltreisender. Foto: Heine

Der junge Krummbeker Jens Helms hat mehr als 400 Tage lang fast die ganze Welt bereist. Als einziger Ausländer im Bus fällst du auf, sagt Jens Helms über seine Erfahrungen als Weltreisender. Foto: Heine

 

Etliche Jahre hat Jens Helms die Idee, eine Weltreise zu machen, in sich reifen lassen. Fest stand von Anfang an nur, dass er nicht ausgetretenen Touristenpfaden folgen, sondern tief eintauchen wollte in ihm bisher fremde Kulturen auf anderen Kontinenten. Er forschte per Internet, las Reiseliteratur, kaufte sich die Reiseausrüstung. Dann, vor gut zwei Jahren, ging alles ganz schnell. Er wollte sich beruflich verändern und Single war er auch - alles passte. "jetzt oder nie", dachte sich Jens Helms im Januar 2010 und buchte einen Flug nach Buenos Aires im südamerikanischen Argentinien. Im April darauf packte er seine Sachen und es ging los.


"Als meine Eltern mich zum Flughafen gebracht haben, hatte ich zum ersten Mal ein wenig Angst", gesteht Jens Helms heute. "Morgen bist Du ganz woanders, alles ist fremd – und was dann?", war es ihm durch den Kopf geschossen. Beruhigend einzig, dass er in Buenos Aires bei einer Familie wohnte, die ihn schon früher einmal als Gestschüler beherbergt hatte. "Dort habe ich mich ein wenig heimisch gefühlt, das hat den Beginn der Reise leichter gemacht", erinnert sich Jens Helms.

 

Emotionen und nur ein grober Plan


Wie es weitergehen sollte, davon hatte er nur einen groben Plan. Zunächst ließ er es langsam angehen. "Viele Emotionen waren im Spiel, eine Art von Kulturschock packte mich, ich brauchte Zeit", schildert Helms seine damalige innere Befindlichkeit. Von Buenos Aires aus startete er schließlich zu seinem Trip rund um den südamerikanischen Kontinent. Zumeist fuhr er Bus. "Nirgendwo sonst kommst du den Menschen so nahe", ist Jens Helms überzeugt. Das war es, was er wollte. "Als einziger Ausländer im Bus kannst du dich nicht verstecken, du fällst auf und schließt Kontakte", erzählt der Weltenbummler. "In Peru habe ich so gelernt, wie schön es ist, zu teilen", sagt er. "Ich habe von meinem Essen abgegeben und selbst etwas bekommen, das bricht jedes Eis."

 

 

Zeichen neuer Freundschaften in aller Welt: Jens Helms mit Armbaendern, die ihm zu Geschenken gemacht wurden. Foto: Heine

Zeichen neuer Freundschaften in aller Welt: Jens Helms mit Armbaendern, die ihm zu Geschenken gemacht wurden. Foto: Heine 

 

 

Gastfreundschaft und Gefahren

 

Unterwegs hat Jens Helms andere Globetrotter kennengelernt. Mit einem Israeli ist er bis heute eng befreundet, mit einem Engländer hat er in Chile gemeinsam auf einer Farm gearbeitet. Um den Menschen in fremden Ländern nahezukommen, ist Jens Helms auch Risiken eingegangen. "Na klar gibt es Gefahren, in Ecuador und Peru bin ich Opfer von Trickdieben geworden", erzählt er. Aber andererseits kann das Reiseabenteuer viel intensiver und persönlicher werden, wenn der Reisende eintaucht in das "wahre Leben", meint Jens Helms. Wie in Bolivien, wo er mit dem Reisekameraden aus Israel auf der Straße übernachtet hat. "Uns war es zu riskant, auch die Rucksäcke auf der Straße stehenzulassen, deshalb haben wir einfach an einem der Häuser geklopft und gefragt, ob wir unser Gepäck auf dem Grundstück abstellen dürfen." Das war kein Problem. "Zwei Tage lang haben diese Menschen die Rucksäcke nicht aus den Augen gelassen", sagt Jens Helms.


In einer venezolanischen Stadt ist er erst spät nachts mit dem Bus angekommen. "Ein fremdes Land, ich wusste nicht, wohin und ich hatte Zahnschmerzen." Für Jens Helms eine angsteinflößende Situation. "Also habe ich mir ein Taxi bestellt, um ein Hotel zu suchen", erinnert er sich. Die Suche blieb erfolglos. Der Taxifahrer sollte ihn deshalb zum Busbahnhof bringen. Dort wollte Helms auf der Straße übernachten. Das war nicht akzeptabel für seinen Chauffeur. "Du schläfst bei mir", bestimmte der Taxifahrer kurzerhand. Noch am nächsten Tag hat er Jens Helms weitergeholfen und dabei stundenlang durch die Stadt gefahren.


Als "verrückte, so in Europa undenkbare Situation" hat er einen Polizeistreik in Ecuador und die darauf folgende Geiselnahme des Präsidenten empfunden. "Schießereien zwischen Militär und Polizei, mit Knüppeln bewaffnete Menschen auf der Straße, Überfälle und Chaos, das war wild", erinnert sich Jens Helms. "Andere Reisende und ich sind in der Unterkunft geblieben, um nicht zur leichten Beute zu werden." So etwas wolle er nicht wieder erleben, meint Helms.


In Bolivien hat Jens Helms einen Reiseführer über Neuseeland gelesen – damit stand das nächste Reiseziel fest. Das Land der Kiwis hat er, wie sein nächstes Ziel Australien, als "modern, umweltbewusst, tolerant, weltoffen, absolut sicher und mit sympathischen Menschen" kennengelernt.

 

Die Schere zwischen Arm und Reich


In Südostasien hingegen bekam Jens Helms die weit auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich zu Gesicht. "Im Süden Vietnams erlebt der Tourismus zwar einen Aufschwung", schildert der junge Probsteier seine Eindrücke. Doch auch kranke Menschen, die noch immer Spuren des Vietnamkrieges tragen, hat er gesehen. Und Armut im Norden des Landes.
In Kambodscha schließlich sieht der Krummbeker Menschen in noch bitterer Not. Dort lernt er die australische Fotografin Deborah Groves kennen, die Gründerin der Hilfsorganisation "Helping Hands Cambodia". Sie will arme Menschen in die Lage versetzen, selbst ihre Situation verbessern zu können. Jens Helms ist beeindruckt. Mit einem Diavortrag über seine Reise in Krummbek kurz vor Weihnachten sammelt er etwa 600 Euro für die Organisation.


Seine Weltreise habe ihm Erfahrungen gebracht, die ihn sein Leben lang begleiten werden, ist sich Jens Helms sicher. Viele Dinge sieht er heute gelassener als vor der Reise. "Ich freue mich über die kleinen Dinge des Lebens, an unserem Wohlstand und daran. immer genug zu essen und sauberes Wasser zu haben", sagt er. Und: "Wir Europäer haben die Freiheit, unser Leben zu gestalten und selbst in die Hand zu nehmen, viele Kinder in Kambodscha werden das niemals können".


Andere Erfahrungen geben ihm Zuversicht. "In Brasilien bin ich mit einem Mädchen durch die Straßen gegangen, als es plötzlich anfing, in Strömen zu regnen", erinnert er sich mit einem Lächeln. "Sie sagte: Komm‘ lass‘ uns tanzen." – "Tanzen, jetzt? Ich bin völlig durchnässt." – "Ja, aber nass ist nass – schlimmer kann es nicht werden."

 

 

Ein Stapel voller Erinnerungen: Mitbringsel, die Weltenbummler Jens Helms auf drei Kontinenten zusammengesammelt hat. Foto: Heine

Ein Stapel voller Erinnerungen: Mitbringsel, die Weltenbummler Jens Helms auf drei Kontinenten zusammengesammelt hat. Foto: Heine 

 

 
 
 

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