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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Sonntag, 02. Mai 2010

Landeskulturzentrum Salzau streicht die Kultur

Schluss. Aus. Vorbei. Nicht möglicherweise, sondern ganz bestimmt. Nathalie Heinrich, Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbH zum Betrieb des Landeskulturzentrums Salzau, lässt keinen Zweifel daran, dass zum Sommer das dortige Kulturprogramm bis auf wenige Reste gestrichen wird. Die weitere Kürzung des Landeszuschusses um zehn Prozent habe dies unumgänglich gemacht, erklärte Heinrich im Gespräch mit dem Probsteier Herold.

Mir geht es um Salzau. Nathalie Heinrich, Geschäftsführerin des Landeskulturzentrums Salzau, nimmt zur nahezu vollständigen Absetzung des Kulturprogramms Stellung. Foto: Heine 

Mir geht es um Salzau. Nathalie Heinrich, Geschäftsführerin des Landeskulturzentrums Salzau, nimmt zur nahezu vollständigen Absetzung des Kulturprogramms Stellung. Foto: Heine


Sie habe als Geschäftsführerin die wirtschaftliche Situation Salzaus im Auge zu behalten, betont Nathalie Heinrich. Durch die weiteren Kürzungen der Landeszuschüsse drohe der Betriebs-GmbH nun die Insolvenz. "Die Kultur mehr oder weniger komplett einzustellen, ist unsere einzige Möglichkeit, nicht mit einem deutlichen Minus abzuschließen", erklärt sie.


Ihr Bedauern darüber kann Nathalie Heinrich kaum verbergen. Für ihre Arbeit und die ihres Teams habe sie Lob geerntet vom Aufsichtsrat der Gesellschaft. Das nütze am Ende wenig, denn "wir wollen Salzau im nächsten Jahr auch noch haben", meint die Geschäftsführerin. Seit fünf Jahren gibt es die Betriebs-GmbH. Seit Anbeginn werde sie zwar unterstützt vom Land, aber seit Anbeginn werde diese finanzielle Unterstützung auch von Jahr zu Jahr gekürzt, erläutert Nathalie Heinrich die Misere. Gegen die jetzt neuerlichen zehn Prozent könne man nicht mehr anverdienen, jedenfalls nicht mit dem jetzigen Konzept.


Ihre Idee seien die Kürzungen nicht gewesen. "Kultur kostet Geld; und wenn das Land das Nötige nicht zur Verfügung stellt, kann man die nicht erwarten", formuliert Heinrich. Und dabei könne man jetzt beginnen, die Früchte der Arbeit auf Salzau zu ernten. Die kulturellen Veranstaltungsreihen wie Künstler im Dialog, der Literatursalon oder Junge Talente fänden regen Anklang. "Wir haben es geschafft, das alte Salzauer Image vom elitären Kulturort für Auserwählte aufzuweichen und auch viele Menschen aus der Region herzulocken", resümiert Nathalie Heinrich selbstbewusst. Besonders schade: Das umfangreiche Programm für Kinder und Jugendliche mit dem Kindertheater des Monats, dem Theater für Youngsters und verschiedenen Workshops bleibt ebenfalls auf der Strecke.


Noch mehr Sparen sei nicht möglich, meint Nathalie Heinrich. "Wir haben bei der Bewirtschaftung so viel eingespart, wie möglich ist", zeigt sie sich überzeugt. Mit den bisherigen Zuschüssen sei man "gerade so" ausgekommen, aber, so Heinrich: "Es gibt nicht so viele Stellschrauben an einer Immobilie wie Salzau; wir geben nur das Nötigste aus und die Energiepreise sind stark gestiegen."


Also muss Geld verdient werden. Mehr, als es mit Kultur allein möglich ist. Das geht zum Beispiel mit Hochzeiten, Veranstaltungen nach Art der "LebensArt"-Messe und einem verstärkten Tagungsangebot. "Ich mutiere von der Kultur- zur Hotelmanagerin", stellt Nathalie Heinrich fest, nicht ganz ohne Bitterkeit.


Trotz der Kürzungen fließen auch in Zukunft noch öffentliche Zuschüsse in sechsstelligem Bereich nach Salzau. Nun also durch Steuergelder finanzierter Event-Kommerz für Reiche anstelle von Kultur nahe an der Jugend und der Landbevölkerung vor Ort? Die Festivals sollen Salzau erhalten bleiben, genauso, wie verschiedene Chöre und Klangkörper Salzau weiter für Probenaufenthalte nutzen sollen. Auch die Künstleraufenthalte in den Druckwerkstätten und das KlassikDinner in Kooperation mit den Kieler Nachrichten werden fortgeführt. Überhaupt sei der Salzauer Kulturkahlschlag noch nicht das Ende vom Lied, hofft Nathalie Heinrich. "Ich werde mit reduziertem Mitarbeiterstab nach neuen Wegen und Konzepten suchen, die Kultur nach Salzau zurückzuholen", verspricht sie.


"Aber was wäre die Alternative zum jetzigen Sparkurs?", fragt Nathalie Heinrich und stellt selbst Antworten in den Raum: "Die Festivals könnten ganz und gar aus Salzau verschwinden, oder das Land könnte Salzau wieder selbst betreiben." Oder aber Salzau verdiene genug Geld. Und das müsse sie nun eben tun.


Aus dem Ministerium für Bildung und Kultur war bis Redaktionsschluss auf eine diesbezügliche schriftliche Anfrage keine Stellungnahme zu bekommen


 
 
 

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