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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Dienstag, 31. August 2010

Lilo Wanders las erotische Literatur
 

Lilo Wanders, als vielleicht belesenste Sexualexpertin der Republik bekannt geworden durch zehn Jahre Moderation der TV-Reihe "Wa(h)re Liebe", gab sich am Sonnabend im "Lutterbeker" die Ehre. Dort las sie erotische Literatur aus ihrem aktuellen Programm "Pulsschlag tief in ihr". Damit ließ Lilo Wanders es aber nicht bewenden. Vielmehr erwies sie sich als Unterhaltungskünstlerin, die ihr Publikum kennt und zu erfreuen weiß. Das kommt nicht von ungefähr: Im vergangenen Jahr feierte die Wanders ihr 20. Bühnenjubiläum; ebenso lange ist sie Stammgast im "Lutterbeker".

Wie die Nase eines Mannes, so sein Johannes: Lilo Wanders hat im Lutterbeker immer einen Seitenhieb auf die Männer parat. Foto: Heine
 

Wie die Nase eines Mannes, so sein Johannes: Lilo Wanders hat im Lutterbeker immer einen Seitenhieb auf die Männer parat. Foto: Heine

 

Es geht um Liebe, Erotik und Sexualität, wenn Lilo Wanders Literatur auf frivol Anzügliches und prickelnd Verzauberndes durchforstet. Der Grund ist einfach: "Ich habe zwei Hobbys – das zweite ist Lesen", gesteht die große Frau hintergründig, die inzwischen in einem mit rotem Samt ausgeschlagenen Sessel auf der "Lutterbeker"-Bühne Platz genommen hat. Neben ihr auf einem Tischchen liegt ein Stapel Bücher. Doch bevor es zur Sache geht, erzählt sie einige Döntjes aus ihrem bewegten Leben.


Literatur und Sexualität prägten früh ihr Leben, gesteht die gelernte Buchhändlerin. Schon als Teenager sei sie abends im Bett erwischt worden, wie sie mit einer Flasche Martini und Zigaretten ein Lexikon der Erotik studierte. "Da wusste ich, jetzt ist es an der Zeit, von der Theorie zur Praxis überzugehen." Zur Sache, also.


Sie erzählt außerdem noch von ihrer Zeit beim Hamburger Schmidt-Theater mit der legendären Schmidt-Mitternachts-Show ("es war schon eine schöne Zeit …") und von den zehn Jahren "Wa(h)re Liebe" bei VOX, während derer sie "viele Erkenntnisse gewonnen habe. Zuvorderst: Männer und Frauen passen nicht zueinander. Das sehe man schon bei jedem Gang über den Wochenmarkt, meint Lilo Wanders. "Pflaumen und Bananen kann man ja auch nicht kreuzen."
Nun aber zur Sache. Sie setzt sich die Brille auf die Nase ("jetzt sehe ich aus wie reife Frauen über 50 warten auf deinen Anruf") und greift zu den Büchern.

 

Von Ringelnatz über Boccaccio, Brecht, der US-amerikanischen Soap-Autorin der 1950er Jahre Grace Metalious bis hin zum "Besuch des Leibarztes" des Schweden Per Olov Enquist reicht Wanders literarischer Bogen. Letzteres enthalte die "schönste Beschreibung eines heterosexuellen Liebesaktes, den ich kenne", leitet Lilo Wanders ein. Mit ihrer sinnlichen Lesart erzeugt sie bei ihrem Publikum atemlose Stille, nur unterbrochen von einem trockenen Schlucken hier und dort. Sie schlägt das Buch zu und nimmt die Brille ab. Immer noch Stille. "Oh Gott, das rührt mich jedes Mal", löst sie rufend die Spannung und erntet aufatmendes Lachen mit viel Applaus.


Zum Abschluss gibt sie denjenigen Frauen ein Bonbon, die ihre Liebhaber wieder loswerden möchten. "Sicherer als eine Atombombe", verspricht Lilo Wanders. Wie also geht es? Einige der mehrheitlich erschienenen Damen rücken ungeduldig auf die Stuhlkante vor. Lilo Wanders erlöst sie. Die Damen sollten ihrem Begatter einfach mit träumerisch an die Decke gerichtetem Blick fragen: "Bist Du schon drin?"

 
 
 

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Lutterbek

Die Lutterbeker Schmiede - das Schmuckstück der Gemeinde wird derzeit restauriert

Lutterbek - ehemaliger Sitz des Klosters Preetz

Im Jahre 1240 begab es sich, dass erstmals Schriftkundige (wahrscheinlich Nonnen aus dem Kloster Preetz) in die Probstei kamen und über die Dörfer, deren Menschen und Leben berichteten und dieses niederschrieben. Das Dorf am "lauteren Bach" hatte einen derart prägenden Eindruck bei den Nonnen hinterlassen, dass der Sitz des Klosters in Preetz nach Lutterbek verlegt wurde, wenn auch nicht für eine sehr lange Zeit. Heute prägt das Veranstaltungslokal "Lutterbeker" das Erscheinungsbild und die Bekanntheit des Ortes am lauteren Bach. Das ehemalige Kloster, die alte Wassermühle, die Schmiede, die Dorfschule oder der Höker - diese Gebäude stehen noch, werden aber nicht mehr in ihrer ehemaligen Funktion genutzt.

 

Jens Peters 

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