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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Mittwoch, 17. Februar 2010

Mit Augenzwinkern direkt in den Bauch

Zuckersüß steht er da, mit einem lausbubenhaft verschmitzten Lächeln im Gesicht schenkt er seinem Publikum ein Augenzwinkern unter der Schiebermütze hervor. Der Anzug sitzt. Mamas liebster Schwiegersohn. Gleiches gilt für den Herrn am Piano mit seinem unschuldigen Blick. Und die wollen Hardrocker sein? Sind sie. Das haben Sascha Bendiks und sein musikalischer Partner Simon Höneß im Lutterbeker am vergangenen Freitag bewiesen. Ihr Programm "In Teufels Küche - Hardrock Variationen in es-Moll für Klavier und Akkordeon" riss das Publikum von den Stühlen. Im Wortsinne.

Stimmliche Vielfalt von Tom Waits bis Led Zeppelin: Sascha Bendiks im Lutterbeker. Foto: Heine
 

Stimmliche Vielfalt von Tom Waits bis Led Zeppelin: Sascha Bendiks im Lutterbeker. Foto: Heine


Es galt, einige Takte lang genau hinzuhören. Dann erst erschloss sich der Titel des Openers. "I Love Rock ’n’ Roll". Allerdings ohne in cooles Leder gewandete Joan Jett, ohne ihre elektrische Gitarren malträtierende Band Blackhearts und ohne ihr rhythmisch die Fäuste entgegenreckende Fans. Stattdessen zarte Klänge aus Sascha Bendiks’ Akkordeon, sanft getragen von Simon Hoeneß am Klavier und wie Honig einschmeichelnd gesungen.


Mit artigem Applaus quittiert das Publikum. Also auflockern. "Ihr seht nicht aus wie Hard Rocker, eher wie Klassikliebhaber", ruft Bendiks ins Dunkel vor ihm. Erste Lacher. "Bisher geht’s doch, oder?" Doch er kann auch anders.
"Was jetzt kommt, ist Satanskult – Herr Hoeneß, bitte!" Vorbei ist es mit den zarten Klängen. "Hells Bells" von AC/DC gehen auch nur auf Klavier und Akkordeon laut. Bendiks und Höneß peitschen ihre Zuhörer ein, lassen sie jubeln, stampfen, applaudieren. "Lutterbeker, wir sind auf dem Weg in die Hölle – seid ihr bei mir, um den Teufel zu verjagen?" - "Jaaaa."


Sie lassen andere bekannte Hits wie Stairway To Heaven, Smoke On The Water, Highway To Hell oder Jump folgen, in verschiedensten Variationen intoniert, mal in Moll, mal folkloristisch, mal mit einer Prise Polka oder Tango. Oder eben richtig rockig. Dann und wann darf auch ein wenig Komik dabei sein, wenn Bendiks und Höneß fragen, ob Marvin Gaye wirklich ein Hardrocker war oder sie versteckten satanischen Botschaften in "Stairway To Heaven" nachgehen. Sascha Bendiks begibt sich auch schon einmal zu seinen Zuhörern, um ihnen zu zeigen, wovon Led Zeppelin in "Whole Lotta Love" eigentlich sangen. "I show you every inch of my love – darf ich mich neben sie setzen?" Die angesprochen Dame ziert sich nicht, Sascha Bendiks darf.


Seine Show lebe vor allem von der Improvisation, verrät Sascha Bendiks später. "Die Leute können das Gebotene zunächst nicht einordnen, es ist kein Konzert, keine Comedy." Es dauere ein wenig, bis die Zuhörer sich hineinhören und erkennen, dass es mehr sei als eine Veralberung. "Musikalisch steckt eine Menge Arbeit dahinter", erzählt Bendiks. Die Idee zu der Verballhornung bekannter Hardrock-Songs habe er gemeinsam mit einem weiteren Pianisten entwickelt. "Wir haben uns einige Tage lang mit Bier zurückgezogen und herumprobiert, bis wir es hatten." Starke Songs habe er ausgewählt. "Die vertragen es, wenn wir daran arbeiten."


Derzeit entwickelt der 1968 geborene Sascha Bendiks sein neues Programm "W-A-I-T-S", eine Hommage an den Musiker Tom Waits. Eine ganz andere Musik sei das, meint Bendiks. Mit viel Poesie. Starten möchte er damit im Herbst. Aber zunächst genießt er sein Radler im Lutterbeker. "Schön habt ihr es hier", sagt der gebürtige Freiburger und schaut sich um. Nett seien die Leute außerdem, das habe ihn ehrlich gerührt. Er fasst sich ans Herz. "Stehenden Applaus bekommen wir nicht alle Tage."

 
 
 

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Lutterbek

Die Lutterbeker Schmiede - das Schmuckstück der Gemeinde wird derzeit restauriert

Lutterbek - ehemaliger Sitz des Klosters Preetz

Im Jahre 1240 begab es sich, dass erstmals Schriftkundige (wahrscheinlich Nonnen aus dem Kloster Preetz) in die Probstei kamen und über die Dörfer, deren Menschen und Leben berichteten und dieses niederschrieben. Das Dorf am "lauteren Bach" hatte einen derart prägenden Eindruck bei den Nonnen hinterlassen, dass der Sitz des Klosters in Preetz nach Lutterbek verlegt wurde, wenn auch nicht für eine sehr lange Zeit. Heute prägt das Veranstaltungslokal "Lutterbeker" das Erscheinungsbild und die Bekanntheit des Ortes am lauteren Bach. Das ehemalige Kloster, die alte Wassermühle, die Schmiede, die Dorfschule oder der Höker - diese Gebäude stehen noch, werden aber nicht mehr in ihrer ehemaligen Funktion genutzt.

 

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