Mit dem Trimaran von Basel nach Oslo
Ausgerechnet zur Kieler Woche kamen sie in der Holtenauer Schleuse an und mussten sich nach einem Hafen umsehen – zwei Schweizer Abenteurer mit ihrem "Papa Dragon". Dieser Name, der Avatar-Freunden aus dem Film bekannt sein dürfte, prangt auf ihrem roten Trimaran Marke Eigenbau, der schließlich nach langem Kreuzen auf der Kieler Förde in Marina Wendtorf Station machte. Dort allerdings bekamen seine Besitzer und Erbauer Alex Bösiger (22) und Alain Lehmann (23) von Hafenmeister Rainer Koppenhagen "aufgrund der seemännischen Leistung", wie er sagte, die Liegeplatzgebühren erlassen. Endstation sollte Oslo sein nach 100 Tagen Seereise.
Anderthalb Jahre haben Alain Lehmann (links) und Alex Bösiger an ihrem Trimaran gebaut, bevor sie auf ihren 100-Tage-Törn gingen. Von Basel aus kamen sie über den Seeweg nach Wendtorf, Endstation ist Oslo. Gerade mal vier Tage Segelkurs hatten sie hinter sich, bevor sie auf die Reise gingen. Foto: Schmidt
Die "seemännische Leistung" kann sich in der Tat sehen lassen, denn die beiden Freunde waren am 13. Mai in Basel zur ihrer besonderen Reise gestartet. Und eine besondere Reise braucht ein besonderes Boot, hatten sich die beiden Schweizer gesagt. Die Idee, so erzählt Alex Bösiger, sei schon im Januar 2008 geboren. Vor anderthalb Jahren dann hatten sie mit dem Bau ihres Bootes begonnen. Denn es musste den unterschiedlichen Abschnitten ihres rund 2.500 Kilometer langen Seeweges angepasst sein. "Es musste ruderbar, segelbar und schwer versenkbar sein", nannte Alex die wichtigsten Kriterien. Also kam nur ein Trimaran, ein Dreirümpfer, in Frage. Der Mittelrumpf trägt die Hauptlast, die beiden Seitenrümpfe dienen als Auftriebskörper. Der Mechaniker sorgte für die Konstruktion, Alain als Sportartikelverkäufer für die Ausrüstung. Und: Das Boot sollte keinen Motor haben. Grundlage war eine Stahlkonstruktion, die sie mit Kunststoff (GFK) verkleideten, Styropor und Holz sowie Lkw-Plane wurden ebenfalls verarbeitet. Viele Monate hängten sie an ihren normalen Arbeitstag Nachtschicht für Nachtschicht dran, doch dann endlich kam die Taufe und die Jungfernfahrt. Auf dem Thunersee im Berner Oberland.
Theoretisch, so erzählen die beiden, waren sie für alle Eventualitäten gerüstet. "Wir können fünf bis sechs Tage autonom überleben, wenn wir das Boot versenken", ist Alex überzeugt. Für die Praxis allerdings musste ein Vier-Tage-Segel-Kurs reichen – dann ging’s los. Doch schon in den französischen Schleusen holte sie die Seglerwirklichkeit ein. Denn ohne Motor wollte man das Gefährt nicht mitnehmen – Unfallgefahr, Sicherheitsrisiko. "Wir fanden dann doch einen coolen Schleusenwärter und haben mit der Flusspolizei gesprochen, dann ließen sie uns durch", erzählt Alain. Nach 250 Kilometern dann die erste große Schlappe: der Trimaran schlug bei Niedrigwasser auf dem Rhein bei Gernsheim Leck. Ein unfreiwilliger Stopp in der Bootswerft kostete Zeit und brachte die Erkenntnis: ein Motor muss wohl doch sein. 100 Tage hatten sich die beiden Abenteurer zum Ziel gesetzt, da dann der Job wartete, mehr Urlaub war nicht drin, wie sie erzählten. Kurzerhand organisierten sie den Transport ihres Trimarans über die Gebirgsstrecke des Rheins. So holten sie ein wenig auf. "Eine Herausforderung war auch das ständig wechselnde Wetter", berichtete Alain. So zogen sie es vor, das Boot im Watt zu schieben, um noch rechtzeitig vor der drohenden Gewitterfront in den schützenden Hafen zu gelangen. Denn das Boot war nicht für Nachtfahrten ausgerüstet. Auch schlafen konnten die beiden Segler nicht an Bord, Zelt und Schlafsack wurden in den Häfen ausgepackt. "Wir sind ein Hafen und kein Zeltplatz", gehörte zu den meist gehörten Sprüchen der Hafenmeister. Doch überall seien sie sehr freundlich aufgenommen worden. "Die Einheimischen kamen auf uns zu, gaben uns Tipps, studierten mit uns die Karten", erzählen die Schweizer Freunde. Und dann die Ankunft zur Kieler Woche – purer Zufall. Doch was zu erst "cool" war, entpuppte sich schnell als Dilemma, denn alle Häfen waren voll und so landeten sie in Wendtorf. Von dort ging’s weiter nach Oslo. Von dort aus reisen dann der Trimaran auf dem Landwege und die beiden Segler auf dem Luftwege zurück in die Schweiz, wo schon Eltern und Freunde sehnsüchtig darauf warten, Bilder dieser besonderen Reise zu sehen.
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