Mit weniger Chemie zu mehr Geschmack
Der Verein FEINHEIMISCH – Genuss aus Schleswig-Holstein hat in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund und der Grundschule Schönberg ein Projekt gestartet, das die Kinder auf praxisnahe und spielerische Weise an die kulinarischen Werte der heimischen Region heranführen soll. Am vierten und letzten Projekttag besuchte eine der vierten Klassen die Hofschlachterei Muhs in Krummbek.
Tierischer Spaß: Kinder der Schönberger Grundschulklasse 4b besuchen die Hofschlachterei Muhs in Krummbek. Foto: Heine
Der in dritter Generation von Anne-Marie und Rainer Muhs geführte Hof ist seit 80 Jahren eine Einheit aus Landwirtschaft und Schlachterei. Beide arbeiten seit mehr als 12 Jahren nach Bio-Richtlinien. Die Ställe für die Rinder und Schweine hat Rainer Muhs artgerecht mit viel Raum, natürlichem Licht, eingestreuten Liegeflächen und Zugang zu einem Auslauf im Freien gestaltet. Die Rinder weiden im Sommer auf den Salzwiesen an der Ostsee. Ebenfalls auf dem Hof Muhs zuhause und Ziel der Schulkinder heute ist aber die alte Haustierrasse Angler Sattelschwein.
Der Zusammenhang zwischen in eigener Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Spritz- und Düngemittel produziertem Futter, der sich daraus ergebenden Gesundheit der Tiere und der Verarbeitung des Fleisches unter Verzicht auf Zusatzstoffe wie Phosphat, Bindemittel und Geschmacksverstärker ist Rainer Muhs' Thema während der Hofführung vom Freigelände durch den Sauenstall in die Fleischverarbeitung.
Wie es in einer Schlachterei tatsächlich zugeht, mag für viele Kinder bisher ein Geheimnis sein. Deshalb führt Rainer Muhs die Grundschüler auch gleich durch die Schlacht- und Verarbeitungsräume, wo er unter den gespannten, mitunter zweifelnden Blicken der Kinder aus einem Schweineschinken die für die spätere Zubereitung in der Schulküche bestimmten Schnitzel schneidet.
Erneut mit dabei: Rüdiger Meyer, Küchenchef des "Wonnemeyer" in Wenningstedt auf Sylt und als FEINHEIMISCH-Koch heute zuständig für die Schnitzel. Er ist begeistert von dem Projekt. "Auf Sylt ist die Geschichte durch die Presse gegangen und hat ein interessiertes Echo gefunden", verrät er. Nun denken die Sylter Feinheimischen darüber nach, das Projekt weiterzuentwickeln und auch dort anzubieten.
Während eine Schülergruppe Rainer Muhs noch beim Entbeinen der Schweinekeule zuschaut, arbeitet die mit mit dem Kinder-Kochmobil angereiste Mareike Schulze vom Deutschen Kinderschutzbund mit einer weiteren Gruppe schon an einem Lebensmittel-Wissensquiz. FEINHEIMISCH-Geschäftsführer Markus Huber referiert unterdessen vor den übrigen Schülern über die Vereinsziele und Vorzüge regional erzeugter Lebensmittel. Er macht klar, dass der aus Neuseeland importierte Apfel für die Verbrennung von viel Diesel in Schiffsmotoren verantwortlich ist, heimisch produzierte Lebensmittel schneller beim Verbraucher und damit frischer und gesünder sind und nicht zuletzt durch den Kauf regionaler Produkte Arbeitsplätze in heimischen Betrieben gesichert werden.
Das Konzept des Projekts, den Kindern solcherart Wissen nicht nur in grauer Theorie, sondern lebendig, anschaulich und praktisch in Betrieben und Schulküche zu vermitteln, scheint aufzugehen. Die Kinder jedenfalls langweilen sich nicht und zeigen sich überaus interessiert. Das beeindruckt auch Rainer Muhs, der, umringt von den Kindern, im Schlachtraum die Stationen auf dem letzten Weg der Schweine erläutert. Lächelnd hält er inne und sagt: "Toll, dass ihr so gut zuhören könnt."
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