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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Uwe Jacobsen   
Donnerstag, 26. August 2010

Mittagstisch-Fond dient als Vorzeigemodell

Beträchtliches überörtliches Medieninteresse findet zurzeit der Mittagstisch-Fond der Gemeinde Schönberg für bedürftige Schüler. Anlass sind die Überlegungen von Bundesministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen, mit einer Chipkarte kostenlose Sachleistungen vom Musikschulunterricht bis zur Schulspeisung für Kinder von Langzeitarbeitslosen einzuführen. Der Schönberger Bürgermeister Wilfried Zurstraßen wurde bereits in der vergangenen Woche in eine NDR-Fernsehsendung nach Hamburg eingeladen und auch der Rundfunk wollte wissen, wie das läuft mit dem Schönberger Mittagstisch-Fond.

   

Schönbergs Bürgermeister Wilfried Zurstraßen erklärt das Gutscheinsystem, das bedürftigen Kindern eine anonyme und unbürokratische Teilnahme am Mittagstisch ermöglicht. Foto: Wichelmann

 

Den gibt es bereits seit 2008. Einstimmig hatte dies die Schönberger Gemeindevertretung auf Antrag der SPD-Fraktion beschlossen. Der Mittagstisch in der Offenen Ganztagsschule ist zwar mit zwei Euro pro Essen sehr günstig, aber dennoch können sich nicht alle Kinder das Mittagessen leisten. Zurzeit sind es 53 bedürftige Kinder, denen der Fond die kostenlose Teilnahme an der täglichen Schulspeisung ermöglicht, wobei das nicht nur – wie der Bürgermeister gegenüber dem Probsteier Herold betont – Kinder sind, die Leistungen von Hartz IV bekommen. "Auch wer knapp darüber liegt, gehört nicht zu den Reichen in unserer Gesellschaft."


Wie der Fond genau funktioniert, das erläutert Wilfried Zurstraßen auf Nachfrage des Probsteier Herold: "Unser Anspruch war, dass die Hilfe unbürokratisch und anonym sein sollte, um von vornherein eine eventuelle Stigmatisierung auszuschließen, und sie sollte allen bedürftigen Schülern zugutekommen und nicht nur Schönberger Kindern. Es gilt nicht das Lokal-, sondern das Sozialprinzip."


Ausgehend von diesem Anspruch verzichten die Schönberger auf langwierige Einkommensprüfungen. Ein Team aus Lehrpersonen und Sozialpädagogen, das in der Schule arbeitet und die konkrete Lebenssituation der Kinder kennt, entscheidet, wer Hilfe erhält. Zurstraßen: "Da gibt es kein förmliches Verwaltungsverfahren, da wird einfach und effizient geholfen. Die in Betracht kommenden Eltern werden angeschrieben und geben eine Einverständniserklärung ab und das war’s. Am Ende des Jahres wird belegt, wie viele Essen gesponsert wurden. Das ist alles. Wir arbeiten nach dem Motto "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser", denn wir wissen die Sache bei unserem Betreuungsteam in guten Händen".


Eine weitere Schönberger Besonderheit ist die Anonymität des Verfahrens. Der Schönberger Kommunalchef: "Für uns ist wichtig, dass die Kinder nicht wissen, wer Hilfe erhält, denn Kinder können sehr direkt sein und nehmen Unterschiede sehr sensibel wahr. Deshalb gibt es bei uns nicht einen Gutschein für Bedürftige, sondern einen Gutschein für alle." Vor Ort wird eine Liste geführt, in die alle, die regelmäßig an der Schulspeisung teilnehmen, aufgeführt sind. Wer in der Liste steht, bekommt seinen Gutschein, egal wer ihn bezahlt.


Der Mittagstisch-Fond kostet 15.000 bis 20.000 Euro pro Jahr, wobei nach Auskunft des Bürgermeisters in etwa die Hälfte von der Gemeinde und die andere Hälfte durch Spenden finanziert wird. Finanzielle Unterstützung nicht nur durch Spenden, sondern auch durch zweckgebundene staatliche Zuschüsse könnte die Gemeinde gut gebrauchen, "denn wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet."


Deshalb wäre der große Wunsch des Bürgermeisters an den Gesetzgeber: "Macht die Systeme vor Ort stark, denn dort weiß man, wo der Schuh drückt, und dort kann man unbürokratisch, anonym und effizient helfen."

 
 
 

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Wilfried Zurstraßen
Bürgermeister
Wilfried Zurstraßen
04344-306100 (dstl.)

Gemeindewehrführer
Jörg Matthies
0172-9234881

Internet
www.schoenberg.de

 
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