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Müll und Abfall mit ganz besonderen Reizen Drucken E-Mail
Geschrieben von Rainer Runge   
Freitag, 16. Dezember 2011
Die Umweltberater des Kreises bestaunten gemeinsam die Kunststoffteile New Stones, Newton‘s Tones vom Tony Cragg von 1982. Foto: Runge

Die Umweltberater des Kreises Plön besuchten in der Kunsthalle in Kiel die Ausstellung "Vom Wert des Wertlosen in der Kunst".

 

Müll und Abfall mit ganz besonderen Reizen

Die Umweltberater des Kreises Plön besuchten in der Kunsthalle in Kiel die Ausstellung "Vom Wert des Wertlosen in der Kunst". Noch bis zum 5. Februar werden dort eindrucksvoll die Wandlungsformen gezeigt, die das Wertlose und das Liegengelassene durch die Hände von Künstlern bekommen. In den Räumen werden drei thematische Schwerpunkte präsentiert, die sich mit dem Verhältnis von Kunstwert und Materialwert, der Materialvielfalt, der Gebrauchsgeschichte des Weggeworfenen auch im klassischen Tafelbild beschäftigen.

 

Die Umweltberater des Kreises bestaunten gemeinsam die Kunststoffteile New Stones, Newton‘s Tones vom Tony Cragg von 1982. Foto: Runge  

Die Umweltberater des Kreises bestaunten gemeinsam die Kunststoffteile New Stones, Newton‘s Tones vom Tony Cragg von 1982. Foto: Runge

 

Da werden 70 zeitgenössische und historische Werke von 46 Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart vorgestellt. Mit ganz besonderer Kreativität stellen sich Künstler wie Kurt Schwitters, Dieter Roth, Asper Jorn oder Tony Cragg dem Thema. Eine Staubzeichnung von Catharine Bertola erregt Aufmerksamkeit ebenso die gesammelten Kaugummis von Karsten Bott, die in einer besonderen Vitrine gezeigt werden. Auch Helmut Stellung von der Abfallwirtschaft des Kreises war dabei. Er war besonders von einem Gedanken von Künstler-Guru Joseph Beuys angetan, den dieser 1985 zu Papier gebracht hatte: "Jeder Mensch ist ein Künstler. Ich (…) habe gesehen, wie die Männer, die bei der Müllabfuhr arbeiten, große Genies sind. Das erkennt man an der Art, wie die ihre Arbeit tun und was für Gesichter sie dabei haben. Man sieht, dass sie Vertreter einer zukünftigen Menschheit sind". So wurde ihre Arbeit sicher noch nie gesehen und ob ihre "künstlerische Tätlichkeit" auch so hoch bezahlt wird, ist fraglich.


Die drei FSJler der Umweltberatungsstellen zeigten Interesse für Fragen nach dem Umgang mit dem Abfall, an dem sich der Stand einer Zivilisation ablesen lässt. Das Thema "Müll" hat seine ganz besonderen Reize, denn durch künstlerische Strategien wird aus Abstoßendem Anziehendes, aus Schäbigem Wertvolles und aus Bedeutungslosem Bedeutendes. Es ist bemerkenswert, dass Begriffe wie Abfall und Müll eine ganz neue Wertigkeit und Schönheit bekommen und beim Betrachter für ganz besondere Überraschungseffekte sorgen. Da werden von Gerd Rohling Gefäße, Gläser und Amphoren aus Plastikfundstücken zusammengestellt und mit sorgfältiger Beleuchtung wie antike Fundstücke inszeniert. Es stellt sich die Frage, wie die Fundstücke der Gegenwart später von zukünftigen Generationen bestaunt werden. Objekte, Installationen, Tafelbilder sind dabei Schauplatz der Materialvielfalt. Sowohl im zweidimensionalen als auch im dreidimensionalen Bild hat der künstlerische Umgang mit dem Weggeworfenen bei Kurt Schwitters seine zentrale Bezugsgröße. Weggeworfene Materialien haben alle ihre eigene Gebrauchsgeschichte und präsentieren mit ihren unbeachteten Fundstücken unsere Wegwerfgesellschaft.


Im Rahmen der Ausstellung wird das Video "Fresh Kill" von Gordon Matta Clark gezeigt, benannt nach der gleichnamigen New Yorker-Mülldeponie, sowie der vielfach preisgekrönte Film "Waste Land", der den brasilianischen Künstler Vik Munitz zeigt, der die Zuschauer für ein Kunstprojekt auf eine der größten Müllkippe der Welt bei Rio de Janeiro mitnimmt. Aus anonymem Müll entstehen unter der Mitarbeit der vom Abfall lebenden Menschen temporäre Bildwerke. Auch wenn die Wiederverwertung des Abfalls gegenüber der Entsorgung immer wichtiger wird, gibt es doch stets den Moment, in dem das Geschätzte an Wert verliert.


Die Umweltberater wollten die nicht ganz neuen Ideen wieder in die Schulen tragen und auf ganz besondere Weise wieder für das Thema Abfall sensibilisieren. Auch Künstler aus der Region sollen gewonnen werden, hier ein Zeichen zu setzen. Hier werden gemeinsam mit den Umweltberatern in den Bratungsstellen, den Praktikanten und der Abfallwirtschaft kreative Ideen im neuen Jahr beraten.

 
 
 

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