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Freizeit und Kultur
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Geschrieben von Kay-Christian Heine
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Mittwoch, 30. Juni 2010 |
Musik, wie ein Gemälde
Knapp eine Woche haben sich Christoph Eschenbach und der junge indonesisch-amerikanische Dirigent Wilson Hermanto Zeit genommen, um die jungen Musiker der internationalen Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) fit zu machen für ihre bevorstehende Tournee mit Konzerten unter anderem in Krakau, Budapest und Prag. Gustav Mahler steht auf dem Programm. Seine Werke proben sie dieser Tage öffentlich in Salzau. In der vergangenen Woche stand dabei Hermanto am Pult, Sonntag hat Eschenbach die Leitung übernommen.
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Lachende Gesichter: Junge Musikerinnen der Orchesterakademie scherzen während einer Probenpause in der Salzauer Konzertscheune. Foto: Heine
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Wie im Taubenschlag geht es zu in der Salzauer Konzertscheune kurz vor Beginn der ersten öffentlichen Probe am Morgen des vergangenen Donnerstags. Von Verschlafenheit ist bei den jungen Leuten aus aller Herren Länder trotz der frühen Stunde keine Spur. Eilig kommen sie herein mit ihren teils mannsgroßen Instrumentenkoffern, werfen sie auf die Stühle der ersten Reihen in den Zuschauerrängen, schwatzen miteinander kaum vernehmbar in dem an ein grollendes Unwetter erinnernden Klangdurcheinander der sich schon auf der Bühne warmspielenden Kollegen - wie ein jagender Sturm die Streicher, donnernd und klappernd die Pauke und das Schlagwerk, darüber dramatisch die Bläser.
Zwischen den noch die Bühne erklimmenden Musikern ist vorn an seinem hohen Stuhl Wilson Hermanto zu erblicken, lächelnd, strahlend, den Geigern um ihn herum die Hände schüttelnd. Der 1972 im indonesischen Jakarta geborene Dirigent wirkt dabei in seiner Jugendlichkeit wie der Erste unter Gleichen. Schnell passen Helfer die Höhe seines Throns an, während Hermanto noch plaudert. Dann erstirbt die Klangorgie.
Hermanto wird ernst, hebt den Stock und die leisen Töne zu Beginn des ersten Satzes aus Gustav Mahlers 1. Sinfonie erfüllen die Konzertscheune. Es dauert nur einige Takte lang, bevor Hermanto abwinkt. "Lasst mich einige Dinge erklären", sagt er, freundlich und gelassen. Wohl zu nah ist ihm die Zeit, als er selbst noch in dem Alter der nun an seinen Lippen hängenden Musiker war, als dass er hier als strenger Lehrmeister vor ihnen stehen könnte.
Später singt Hermanto die Töne so mit, wie er sie haben möchte, beobachtet seine Musiker genau, arbeitet mit einzelnen Instrumenten Details heraus. Gustav Mahler habe die erwachende Natur als Vorbild gehabt, erläutert er dem Orchester die Partitur. "Er hatte eine Vorstellung von der Musik wie von einem Gemälde – wir müssen es als das spielen, was es ist", beschwört er das Orchester. Takt um Takt lassen die Musiker nun die Natur erwachen und Wilson Hermanto malt die Farben dazu. "Jeder von euch ist ein Konzertmeister", sagt er noch. "Spielt das, gebt es dem Orchester! Dann seid ihr exzellent."
Die öffentliche Generalprobe für die Mahler-Tournee findet unter Leitung von Christoph Eschenbach am heutigen Dienstag, 29. Juni, ab 19 Uhr in der Salzauer Konzertscheune statt. Davor wird das Orchester, ebenfalls heute und öffentlich, von 11 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr proben. Karten für die öffentlichen Proben gibt es jeweils eine halbe Stunde vor Probenbeginn an der Kasse im Foyer der großen Scheune.
Die Preise betragen sieben Euro beziehungsweise fünf Euro ermäßigt für Schüler und Studenten. Telefonische Auskunft über eventuell geänderte Probentermine und weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 04303-18181 sowie per Internet unter www.shmf.de/oaTournee.
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