|
Freizeit und Kultur
|
|
Geschrieben von Gabriele Butzke
|
|
Freitag, 18. Juni 2010 |
Nach dem Raps geht’s jetzt in die Linde
Der Raps hat nicht nur menschliche, sondern auch viele tierische Bewunderer. Vor allem die Bienen lieben ihn. Seit dem 18. Mai, als Imker Gerd Heide aus Krokau den ersten Nektareintrag feststellen konnte, sind die Bienen-Kundschafter morgens losgeflogen, haben ihren Pelz ordentlich mit Pollen eingestäubt und sind in den Stock zurückgekehrt, um den Arbeitsbienen per Bienentanz zu sagen, wo das nächste lohnende Rapsfeld liegt.

Imker Gerd Heide zeigt die Bienen-Kundschafter, die ihren Pelz ordentlich mit Pollen eingestäubt haben und zurück kommen, um die nächsten lohnenden Blütenfelder zu melden. Foto: Butzke
Jetzt ist die Rapszeit allerdings zu Ende, und die Bienen dürfen nach Hamburg oder Sachsen-Anhalt "in die Linde". Gerd Heides Bienen sind gut drauf - im Gegensatz zu etlichen anderen Bienenvölkern, die den Winter nicht so gut überstanden haben.
"Natürlich muss man schon im Herbst damit anfangen, die Völker gut für den Winter vorzubereiten", sagt Gerd Heide, "Winterbienen müssen vital sein, das heißt gut versorgt und mit gutem Fetteiweißpolster." Wenn diese Voraussetzungen stimmen, überstehen die Völker die härtesten Winter. Sie sitzen in Form einer Kugel zusammen, um der Kälte so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Wird es den außen sitzenden Bienen zu kalt, wechseln sie in den inneren Bereich. Auf diese Weise bleiben alle warm und fit und ernähren sich von ihren Vorräten.
"Brut gibt es im Winter aber nicht", weiß der Imker. Erst zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche wird die Königin von ihren Bienen wieder mehr gefüttert, ihre Eierstöcke entwickeln sich, und sie beginnt mit der Eiablage (etwa 2.500 pro Tag). Kritisch kann’s werden, wenn der Frühling und die Blüten auf sich warten lassen - so wie wir’s in diesem Jahr erlebt haben. Irgendwann ist der Wintervorrat aufgebraucht, und wenn die Bienen dann ihren Stock nicht verlassen können oder draußen keinen Nektareintrag vorfinden, gibt’s Stress im Bienenstock, denn das Verhungern droht.
"Auf solche Situationen muss man vorbereitet sein und mit der Notfütterung beginnen", erklärt Gerd Heide. Er legt immer einen kleinen Vorrat an honiggefüllten Waben beiseite, die er im Notfall in kleinen, flachen Kisten oben auf den Stock aufsetzt. Dadurch sind seine rund 120 Völker (zu je 70.000 bis 80.000 Bienen) gut durchgekommen und konnten sogar die wenigen guten Tage der Weidenblüte Ende März/Anfang April genießen, bevor der Imker sie in die Pfalz brachte, wo die Natur weiter war als hier in der Probstei.
Nach Pfalz-Urlaub und Rapsblüte fühlen sich die Bienen so wohl, dass sie mit der (alten) Königin schwärmen und neue Völker gründen wollen, während im Stock die neuen Königinnen heranwachsen. Das weiß Gerd Heide aber zu verhindern. Er bricht die Zellen für die neuen Königinnen oder bestimmt, wer das nächste Volk wird und aus welchem Volk ihre Königin kommt. Und er hat noch ein Highlight für die Königinnen parat. Mitte Juli bringt er sie auf die Ostseeinsel "Greifswalder Oie", wo sie sich in zehn bis 20 Meter Höhe mit ausgewählten Drohnen "rein verpaaren" dürfen.
Die Zuchtbemühungen zahlen sich aus. Gerd Heides "Buckfast"-Bienen sind sehr sanftmütig und verfügen über einen ausgeprägten Putztrieb, der für Sauberkeit im Stock sorgt. Dadurch ist die Qualität des Honigs aus Krokau auch besonders hoch - was man genießen kann, wenn es in Kürze den frischen Rapshonig gibt. Und wer noch mehr über Bienen wissen oder vielleicht sogar selbst Bienenzüchter werden möchte, besucht ab Anfang Juli bis Ende August/Anfang September mittwochs von 16 bis 18 Uhr die Bienen-Nachmittage im Garten von Imker Gerd Heide in Krokau. Weitere Infos gibt’s unter der Telefonnummer 04344-1414.
|