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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Dienstag, 26. Juli 2011

Poesie aus dem Abgrund

Heinz Ratz, kultureller Tausendsassa und ein Mann der engagierten Ungewöhnlichkeiten, las am Sonnabend im Lutterbeker Prosa und Lyrik aus etlichen seiner Werke. "Von brüllendem Gelächter und leiser Melancholie" war der Abend übertitelt. Tatsächlich überwog der Feinsinn.

Das Leben als beständiger Neubeginn: Heinz Ratz liest Prosa und Lyrik im Lutterbeker. Foto: Heine
 

   Das Leben als beständiger Neubeginn: Heinz Ratz liest Prosa und Lyrik im Lutterbeker. Foto: Heine

Der 1968 als Sohn einer peruanischen Indianerin und eines Deutschen geborene Heinz Ratz hat viele Stationen passiert: Lebensorte in Spanien, Peru, Argentinien, Saudi-Arabien, Schottland und der Schweiz, 49 Umzüge, 16 Schulwechsel, Schulabbruch, Internat, Übersetzer, Totalverweigerer, Obdachloser. Heute lebt Ratz in Kiel und hat sich mit seiner Band "Strom & Wasser" musikalisch in der ganzen Republik bekanntgemacht. Aufsehenerregend ist die "Tour der 1.000 Brücken", mit der sich Ratz jüngst gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von Flüchtlingen sowie für eine menschliche Flüchtlingspolitik einsetzt.
Im Lutterbeker zeigt Ratz die literarische Facette seines Schaffens. Notgedrungen gewährt er Einblick in ältere Werke, denn die Arbeit der vergangenen eineinhalb Jahre ist ihm abhandengekommen. In Süddeutschland. An einer Tankstelle. Alle Aufzeichnungen. Futsch. Weg. "Ich bin noch ganz benommen davon", gesteht Heinz Ratz. Dass er das Publikum auf "Weltuntergangsszenarien" einstimmt, passt gut dazu. "Daran empfinde ich große Lust", gibt Ratz preis. So blickt er in den folgenden zwei Stunden literarisch in menschliche Abgründe, festgehalten in bisher sechs Büchern, fünf CDs und drei Hörbüchern.
Das Leben ist ein Geschenk. Und jeder Mensch hat es verdient. Bedingungslos. Diese aus dem Leben selbst gewonnene Erkenntnis klingt in Ratz‘ Geschichten durch. Tragödien und Unglück ändern daran nichts. Ratz mag vielen als ein provokanter Typ vorkommen, der gesellschaftliche Schubladen zum Ächzen und Knarren bringt. Er ist jedenfalls ein sensibler Kenner des Lebens, sehend, hörend, fühlend, liebend, hinterfragend, mahnend, zeigend.
Zeugnis davon legt seine Lyrik ab. Als "Gedichte vom Fallen und Steigen" beschreibt Ratz die mitunter sperrigen Verse. Nach seiner dritten Krebserkrankung habe er über das Leben nachgedacht. Die Erkenntnisse packt er in Zeilen, wie "ich bin Dein Leben, fang‘ an! Ich bin in Dir, ich bin Dein Neubeginn."
Heinz Ratz galt und gilt vielen seiner Mitmenschen von Kindheit an als Quertreiber. Einige "umstrittene Stücke" habe er geschrieben, was ihm Ärger eingebracht habe, sagt er. Doch was macht das schon – am Ende rückt er immer den Menschen mit seinen Menschlichkeiten in den Mittelpunkt. Und macht ihnen Liebeserklärungen. So, wie seinem Sohn Luca, den er mit in den Lutterbeker gebracht hat, um mit ihm zu musizieren.
Wer über ihn als Künstler etwas erfahren wolle, müsse bloß auf seine Schulzeit zurückschauen, sagt Heinz Ratz. "Wenn ich als Schüler meine Geschichten den Lehrern erzählt habe, galt ich als renitent, unverschämt, vorlaut und wurde letzten Endes der Schule verwiesen – heute mache ich nichts anderes und die gleichen Leute finden mich dafür genial."
Mehr Informationen über Heinz Ratz, seine Arbeit und Projekte: www.heinzratz.de.

 
 
 

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Lutterbek

Die Lutterbeker Schmiede - das Schmuckstück der Gemeinde wird derzeit restauriert

Lutterbek - ehemaliger Sitz des Klosters Preetz

Im Jahre 1240 begab es sich, dass erstmals Schriftkundige (wahrscheinlich Nonnen aus dem Kloster Preetz) in die Probstei kamen und über die Dörfer, deren Menschen und Leben berichteten und dieses niederschrieben. Das Dorf am "lauteren Bach" hatte einen derart prägenden Eindruck bei den Nonnen hinterlassen, dass der Sitz des Klosters in Preetz nach Lutterbek verlegt wurde, wenn auch nicht für eine sehr lange Zeit. Heute prägt das Veranstaltungslokal "Lutterbeker" das Erscheinungsbild und die Bekanntheit des Ortes am lauteren Bach. Das ehemalige Kloster, die alte Wassermühle, die Schmiede, die Dorfschule oder der Höker - diese Gebäude stehen noch, werden aber nicht mehr in ihrer ehemaligen Funktion genutzt.

 

Wolf Mönkemeier

 

 

 

 

 

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