Probsteier Äpfel sind kraftstrotzende Pakete
Herbstzeit ist Apfelzeit. Da lachen mir auf den Wochenmärkten die verschiedensten Sorten rot-gelb-orange entgegen. Das macht Appetit. Und als ich zufällig an diesem Herbsttag in Probsteierhagen an dem Schild "Obstplantage Jochen von Bonin" vorbeikomme, halte ich an. Eine Tüte mit gelb-roten Äpfeln steht an der Einfahrt. Zwei Euro soll ich zahlen, besagt ein kleiner Zettel daran. Aber es steht keine Kasse da. Wohin mit dem Geld? Dann entdecke ich ein Schild und einen Hammer mit einem Stück Eisen davor. Scheint die Klingel zu sein. Tatsächlich: "Wenn Sie hier keinen antreffen, kräftig Lärm schlagen." Ich muss schmunzeln, tue das lieber nicht, denn ich entdecke Heimke von Bonin in ihrer Arbeitskluft unter den Apfelbäumen. Und dann hat sie eine Menge zu erzählen – von den Äpfeln und der Arbeit drum herum.
Für Heimke und Jochen von Bonin die Nummer eins unter den Äpfeln – der Holsteiner Cox. Der wurde einst im damaligen Apfelgarten in Fiefbergen veredelt. In diesem Jahr allerdings fällt die Ernte mager aus und die Früchte sind weitaus kleiner als üblich. Foto: Schmidt
"Manche sagen, warum wir in unserem Alter noch so schuften, aber das ist unsere Medizin." Heimke von Bonin weiß, wovon sie spricht. Denn seit sie mit ihrem Mann Jochen von Bonin Mitte der 50er Jahre die Obstplantage auf vier Hektar Koppel angelegt hat, ist sie den Äpfeln verschrieben. Denn die sind echte Kraftpakete, haben viele gesunde Substanzen, die sich positiv auf den Cholesterin- und Blutfettspiegel auswirken oder die Fettablagerung in den Blutgefäßen verringern. Vorausgesetzt, man isst ihn richtig, den Apfel. "Ungeschält und am besten mit den Kernen", empfiehlt Heimke von Bonin. Das kann ich mit den Boninschen Bio-Äpfeln ganz ohne Bedenken. Es kracht richtig, als ich in den rot-gelben "James Grieve" beiße. Frisch vom Baum – so schmeckt ein "James Grieve" am besten. Ganz anders als der "Holsteiner Cox", der für Heimke und Jochen von Bonin immer noch die Nummer eins unter den Äpfeln ist. "Trotz all der neuen Züchtungen ist dieser Apfel unübertroffen", schwärmt die 73-Jährige.
Doch in diesem Jahr fällt die Ernte nur mager aus. Jochen von Bonin schreibt den geringen Ertrag einem fehlenden Blütenansatz zu. Der 81-Jährige öffnet die Scheune – sein Naturlager, in dem die Äpfel auf natürliche Weise, ohne CO2, frisch gehalten werden. Dafür habe er eine Kiesschicht in den Boden eingearbeitet, die nach der Ernte gewässert wird. "So entsteht das optimale Raumklima." Trotz seiner 81 Jahre will Jochen von Bonin nichts von der Arbeit abgeben, die seine 150 Apfelbäume auf den von der Kammer gestatteten 0,8 Hektar Land mit sich bringen. Denn sie sind für sie Gesundbrunnen, Medizin und Kraftquell zugleich. "Rückenbeschwerden? Da kann ich nur lachen", sagt Heimke von Bonin. Sie verarbeitet ihre Äpfel zu Gelee, lässt über den Arbeitskreis Obstwiesen Akowia-Saft pressen und lässt auch ihre Mitmenschen teilhaben an den gesunden Früchten. Denn, so wie ich mich über die Tüte voller Äpfel an der Kasse des Vertrauens freute, geht es auch anderen. Demnächst wird es nun auch den guten "Holsteiner Cox" auf diese Weise geben, denn der wird nun langsam pflückreif. Übrigens stammt diese Apfelsorte aus dem Apfelgarten in Fiefbergen, wo er aus einem Zufallssämling kultiviert wurde.
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