Projektgruppe bewacht Horst am Barsbeker See
Der Barsbeker See mit seinen parkartigen Landschaften ringsumher und der nahen Ostsee sind ein ideales Revier für den Seeadler. Nicht von ungefähr also beziehen hier seit zehn Jahren die großen Greifvögel mit bis zu zweieinhalb Metern Flügelspannweite dasselbe Nest. Christel Pubans und Heike Augustin vom Projekt Seeadlerschutz sorgen rund um die Uhr für die Ungestörtheit der Adler.
Wachen mit Adleraugen: Heike Augustin (links) und Christel Pubans beobachten den Seeadlerhorst nahe Barsbek. Foto: Heine
Mit bloßem Auge ist auf halber Höhe der in gut 150 Meter Entfernung stehenden Pappel nur eine große, dichte Ansammlung von trockenen Ästen zu erkennen. Erst der Blick durch das stark vergrößernde Spektiv offenbart die wahre Natur dieses rund zwei Meter großen Gebildes: Es ist ein Seeadlerhorst. Christel Pubans und Heike Augustin haben am Rande eines Feldwegs, gut gedeckt in einem Knick, ihren Beobachtungsposten bezogen. Wieder einmal schaut Christel Pubans durch das Spektiv. "Da", raunt sie, "es ist Fütterungszeit." Und tatsächlich: Schemenhaft zeichnet sich durch das grüne Blattwerk am Horst eine Bewegung ab. Einer der Seeadler füttert ein Junges. Der Nestling ist schon beachtlich groß und bedeckt von grauem Flaumgefieder. Immer wieder reckt er sich den Happen entgegen, die ihm der Altvogel reicht.
Christel Pubans und Heike Augustin arbeiten für die Projektgruppe Seeadlerschutz in Schleswig-Holstein. Ihre Aufgabe ist es, für diesen gemeinnützigen Verein rund um die Uhr den Seeadlerhorst zu bewachen und die gesetzlich streng geschützten Tiere vor allzu sorglosen Spaziergängern und anderen Störungen beim Brutgeschäft zu bewahren. Eine Woche harren die aus dem Kreis Pinneberg kommenden Frauen in der Barsbeker Feldmark aus, bevor die Ablösung kommt. Als Behausung dient den Adlerschützerinnen in dieser Zeit ein Wohnwagen – ohne Strom und Wasser. Sie sind reine Selbstversorger hier draußen.
"Unsere Kollegen und wir beobachten und schützen die Vögel von Anfang März bis Mitte Juli", verrät Christel Pubans. Denn niemand darf den Vögeln während dieser Zeit der Jungenaufzucht zu nahe kommen, Störungen können das Überleben der jungen Adler gefährden. Langweilig wird es den beiden nie. "Es ist wunderschön hier in der Abgeschiedenheit der Natur", schwärmt Heike Augustin. Wenn sich abends die Altadler auf breiten Schwingen mit der Thermik in die Höhe schrauben, sei das schon ein erhabener Anblick.
Und außerdem sind da die Aktivitäten der Adler, die die beiden Frauen akribisch genau protokollieren. Das sorgt augenscheinlich für Spannung genug, denn schon wieder hat Christel Pubans das Auge am Spektiv. "Die Jungen sind Ende April im Abstand von einer Woche geschlüpft", verrät sie. Und schon jetzt, im Alter von 29 Tagen, probieren sie ab und an ihre noch stummeligen Flügel aus. Es wird noch einen Monat dauern, bis sie flügge werden und das Nest verlassen.
"Die Altadler gehen sehr liebevoll mit den Jungen um", plaudert Christel Pubans aus der Kinderstube, "das ältere und größere der Jungen bekommt auch die größeren Happen gereicht, das schwächere die kleinen." Das 17-jährige Adlermännchen hält sich in dem Revier am Barsbeker See seit etwa zehn Jahren auf. In dieser Zeit nistet es mit verschiedenen Weibchen an derselben Stelle. "Der alte Knochen sucht sich immer wieder junge Hühner", scherzt Pubans.
Die Seeadlerpopulation darf in Schleswig-Holstein mittlerweile als stabil gelten. Im vergangenen Jahr waren nach dem Jahresbericht der Projektgruppe Seeadlerschutz landesweit 67 Adlerreviere besetzt. 60 Paare begannen mit einer Brut, 50 Paare davon waren erfolgreich, so dass im Sommer 2010 88 junge Seeadler flügge wurden. Damit hat sich die Zahl der Revierpaare und Jungvögel seit dem Jahr 2000 etwa verdoppelt, seit 1990 gar mehr als verzehnfacht.
Blick durchs Spektiv: Selbst aus rund 150 Metern Entfernung erlaubt die Beobachtungsoptik die Überwachung jeder Bewegung am Seeadlerhorst. Foto: Heine
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