Räuberpärchen zu Haftstrafen verurteilt
Mehr als eineinhalb Jahre zogen sie durch Schleswig Holstein, Hamburg und Niedersachsen und verübten ihre Straftaten. Sie stand Schmiere, er schlug zu. Im Februar 2011 stellte die Kieler Kripo das in Köhn in der Probstei wohnende Pärchen, als es gerade einen Tresor aus einem Haus in Oldenburg im Kreis Ostholstein schleppen wollte. Am Montag nun zog das Kieler Landgericht einen vorläufigen Schlussstrich unter den Fall und verurteilte den zuletzt zu mit zehn Jahren Gefängnis vorbestraften 34-jährigen Lackierer und seine 39-jährige Partnerin, eine Fleischfachverkäuferin, wegen Einbruchs, Raub und Diebstahl.
| Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren sich einig, für ein Geständnis nicht über eine abgesprochene Höchststrafe hinaus zu gehen. Foto: Wilhelmy |
Er wurde in sieben Fällen für schuldig befunden, darunter ein Einbruch mit Waffengewalt. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Haftstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. Das Gericht verfügte darüber hinaus die Einweisung des 34-Jährigen in eine Erziehungsanstalt. Sie erhielt drei Jahre und drei Monate Haft für sechs Einbrüche.
Das Gericht folgte damit weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre und neun Monate Haft für den teilweise geständigen Mann und dreieinhalb Jahre für seine Komplizin gefordert hatte. Beide hatten in dem gut vier Monate dauernden Prozess einige der Taten im Rahmen einer sogenannten Prozessabsprache eingeräumt. Dabei sind sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig, für ein Geständnis nicht über eine abgesprochene Höchststrafe hinaus zu gehen.
Als besonders gravierend bewertet wurde dabei der Überfall auf den Bürgermeister von Hohenfelde und stellvertretenden Landrat des Kreises Plön, Heinrich Övermöhle (siehe Seite 3). Das Gericht sprach in seiner Urteilsbegründung von "traumatisierenden" Erlebnissen für die Opfer. Bei ihren Aussagen vor Gericht sei deutlich geworden, was die Opfer haben erleiden müssen und welch große Belastung es für sie gewesen sei, hier die Erlebnisse noch einmal zu schildern.
Nach den Geständnissen vor Gericht fuhr die Frau immer den Wagen und stand Schmiere, während der Mann einbrach. Den Kontakt hielten die beiden über ein Handy, um ihn bei Gefahr rechtzeitig zu warnen. Ebenfalls schwer misshandelt wurde wenige Tage nach dem Überfall auf den Hohenfelder Bürgermeister die Mutter eines dreijährigen Jungen in Puls im Kreis Steinburg. Weitere Einbrüche beging das aus der früheren DDR stammende Paar in Köhn, Hohenfelde und Passade. Ausgewählt wurden nur Tatorte, die reiche Beute versprachen, so seinerzeit ein Polizeisprecher. Ziel waren stets Tresore. Gestohlen wurde eine Summe im fünfstelligen Bereich.
Heiner Övermöhle wurde zweimal überfallen
Das Tannenbaum-Anleuchten am Sonntag in Hohenfelde wird Bürgermeister Heiner Övermöhle mit gemischten Gefühlen erlebt haben. Vor zwei Jahren kam es im Anschluss daran zu einer schicksalhaften Begegnung, die noch heute ihre Spuren zeigt. Gegen 18 Uhr hatte es an seiner Haustür in der Hohenfelder Mühle geklingelt. Zwei mit Strumpfmasken maskierte Männer standen vor der Tür, sprühten ihm Pfefferspray ins Gesicht und verlangten Bargeld. Der zweite Überfall ereignete sich im Oktober 2010. Nachts gegen zwei Uhr stieg der Täter durch ein Fenster ein, bedrohte ihn mit der Pistole und verlangte ebenfalls Bargeld. Ein Täter des ersten Überfalls wurde bereits verurteilt. Der zweite stand gestern in Kiel zusammen mit seiner Helferin vor Gericht.
Hohenfeldes Bürgermeister Heiner Övermöhle leidet noch immer unter den Folgen der beiden Überfälle, die auf ihn verübt wurden. Foto: Butzke
|
"Wenn man zweimal überfallen wird, ist man zunächst einmal ratlos", sagt der Bürgermeister, "und da kommen dann auch sehr schnell Gerüchte auf, gegen die man sich schwer wehren kann." Aus dem ersten Überfall hatte er Blessuren davongetragen, die er beim Kampf mit den beiden maskierten Tätern erlitt. Als er um Hilfe rufen wollte, stopften sie ihm einen Knebel in den Mund, und Övermöhle litt Todesängste, weil er fürchtete, wegen seines Schnupfens zu ersticken. Die Sprache der Täter erschien ihm osteuropäisch, und in der Tat stellte sich heraus, dass einer der beiden Jugoslawe ist. Gefasst wurde er aber noch nicht. Gefasst und auch schon zu fünf Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt wurde der deutsche Mittäter Sandro Zimmermann. Er hat die Tat zugegeben und sich dafür entschuldigt.
In Kiel vor Gericht (siehe Seite 1) stand gestern ein Pärchen aus Pülsen, auf deren Konto mehrere Schwerverbrechen gehen. Während der Mann durch das Fenster in die Hohenfelder Mühle eindrang, Heiner Övermöhle im Schlaf überraschte und ihn mit dem Stiel einer Axt verletzte, wartete seine Partnerin im Auto. Auch hier wurde Bargeld gefordert. Övermöhle wehrte sich, rutschte aus und brach sich das Bein. Weil er so schrie, ließ Täter von ihm ab und floh ohne Beute. "Nach dem zweiten Überfall ist die Kripo davon ausgegangen, dass sich Täter aus meinem persönlichen Umfeld stammen müssten", berichtet der Bürgermeister, "dann wurde aber eine Frau gefasst, die als Tippgeberin für die Überfälle fungierte und die jetzt in Untersuchungshaft sitzt."
In beiden Fällen gab die Frau wohl die entscheidenden Tipps und meldete, dass sich im Tresor der Mühle viel Bargeld befinden würde. Das fand die Sonderkommission (Soko) heraus, die zur Aufklärung der Überfälle gebildet wurde. "Die Soko hat mir aber sehr geholfen", so Övermöhle, "die Beamten haben bis ins Detail ermittelt, und die Verdächtigen konnten dann ja auch – bis auf einen – festgenommen werden." Und er hat mittlerweile Vorsorge getroffen. Wer an der Tür der Mühle klingelt, wird per Video überwacht und ins Bild gerückt. Das ganze Gebäude ist jetzt durch Alarmanlagen gesichert; potentielle Täter haben es schwer, hier einzudringen.
"Das war ein Eingriff in mein Leben, unter dem ich noch heute leide", sagt Bürgermeister Övermöhle, "wegen des Beinbruchs bin ich noch immer in Reha-Maßnahmen und habe Schmerzen beim Tanzen und beim Skifahren, und mein psychisches Befinden ist verständlicherweise auch noch nicht in Ordnung." Ausdrücklich bedankt er sich bei der Polizei, die ihn betreut hat und durch ihre intensive Ermittlungsarbeit dafür sorgte, dass die Täter gefasst und verurteilt wurden. "Es ist für mich und für die Bevölkerung wichtig, dass die Kripo den Fall aufgeklärt hat und dass die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden", so der Bürgermeister, der sich inzwischen in seinem Haus und der Umgebung wieder sicher fühlt. "Hohenfelde ist nicht unsicherer als andere Orte", sagt er, "jeder muss jetzt in der dunklen Jahreszeit Vorsorge treffen, dass keine Einbrecher ins Haus kommen können."
|