|
Wirtschaft und Politik
|
|
Geschrieben von Gabriele Butzke
|
|
Sonntag, 26. September 2010 |
Rücktritt: Taubner nimmt seinen Hut
Der 10. Oktober scheint für einige Menschen in der Probstei zur Wendemarke zu werden. Überraschend hat jetzt Fiefbergens Bürgermeister Wilfried Taubner zu diesem Termin seinen Rücktritt von allen Ämtern erklärt. Auf Anraten seiner Ärzte würde er diesen Schritt machen, sagt der 67-Jährige. Schon zweimal und beinahe ein drittes Mal habe er in diesem Jahr wegen seiner Herzprobleme ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Höchste Zeit also, kürzer zu treten. "Die Entscheidung ist richtig", sagt Taubner, "aber ich habe kein lachendes, nur ein weinendes Auge."
Kürzer treten will Wilfried Taubner – Zeit haben für Spaziergänge mit Hund und für sein Projekt Fiefbergen Rund. Foto: Butzke
Nach seiner Pensionierung Ende 1994 war Wilfried Taubner mit seiner Frau Anke und seiner Tochter Katrin im Sommer 1995 nach Fiefbergen gezogen. Aus Unzufriedenheit mit den Beschlüssen der damals amtierenden Gemeindevertreter setzte er sich 2002 mit einigen anderen Neubürgern zusammen und beschloss, in die Kommunalpolitik zu gehen. Der parteiunabhängige Taubner hatte zuvor bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Post, nur gewerkschaftlich gearbeitet. Jetzt trat er der Allgemeinen Wählergemeinschaft Fiefbergen (AWF) bei, der (damals noch in der Minderheit befindlichen) Gruppierung neben der Unabhängigen Wählergemeinschaft Fiefbergen (UWF).
Dann ging alles ganz schnell. Taubner war eigentlich die Nummer zwei auf der AWF-Liste, aber nachdem Lars Stoltenberg erklärt hatte, nicht kandidieren zu wollen, votierte die Gemeindevertretung am 1. April 2003 für Wilfried Taubner als Bürgermeister. Der hatte zuvor mit seinem Slogan "Sieben Windkraftanlagen sind genug" der AWF den Wahlsieg (fünf Sitze in der Gemeindevertretung) beschert. "Plötzlich war ich Bürgermeister", erinnert sich Taubner. Fachlichen Rat holte er sich anfangs bei seinem Nachbarn, dem leitenden Verwaltungsbeamten Karl-Heinz Kahlo. "Gesunden Menschenverstand und eine gewisse Dickfelligkeit", wie er sagt, brachte er mit.
Was waren für ihn die Höhepunkte seiner siebeneinhalbjährigen Dienstzeit? "Gleich im ersten Jahr habe ich mir mein eigenes Denkmal gesetzt", berichtet er mit einem Augenzwinkern. Er sammelte Geld für 25.000 Krokuszwiebeln und legte damit den Grundstein für den "Hingucker im Frühling" – die blühende Dorfwiese. Die "spannendste und interessanteste Sache" aber war für ihn die Mitarbeit im Schulverband und das Mitwirken – "gegen viele Bedenken" – an der Entscheidung für die Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg, für die er sich mit Nachdruck eingesetzt hat.
Weniger Erfolg hatte er bei seinen Bemühungen, den Standort für das Dorfgemeinschaftshaus im Zentrum Fiefbergens beizubehalten und die vorhandenen Räumlichkeiten zu sanieren und auszubauen. Die eigene AWF überstimmte ihn zugunsten des Anbaus an das neue Feuerwehrgerätehaus außerhalb des Ortes. "Das ist ein Fehler", ärgert er sich, "die älteren Fiefberger gehen da nicht hin." Als Politiker gibt er aber zu: "Demokratie heißt auch, zu verlieren."
Keinen Verlust wird Taubners Projekt "Fiefbergen Rund" erleiden, das er 2006 zusammen mit Mark Liedtke aus der Taufe hob und das gerade wieder mit 300 Teilnehmern und Hunderten von begeisterten Zuschauern über die Bühne ging. Schon im Frühjahr 2011 – am Sonnabend, 21. Mai – können sich die Probsteier auf eine Neuauflage des spannenden Radrennens freuen. Der frühe Termin ist dem Landesradsportverband geschuldet, der hier zugleich die "Norddeutschen Meisterschaften für Nachwuchsfahrer" veranstalten will. Taubner und sein Orga-Team, aus dem nur Klaus Reimers aus Krankheitsgründen ausscheidet, werden in bewährter Weise Regie führen.
Zunächst heißt es allerdings für Wilfried Taubner: Fahne einrollen und Bürgermeister-Schild abschrauben. Sein Stellvertreter Richard Bern übernimmt die Geschäfte, bevor (innerhalb eines Vierteljahres) ein neuer Bürgermeister für Fiefbergen gewählt wird.
|