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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Astrid Schmidt   
Mittwoch, 03. Februar 2010

Schiedsmann: "Ärger kann krank machen"

Bürozeiten hat er keine, denn zu sprechen ist Ingo Behrens rund um die Uhr. Der pensionierte Wasserschutzpolizist und ausgebildete Nautiker ist seit 2004 Schiedsmann in Laboe und gerade von der Laboer Gemeindevertretung in seinem Amt bestätigt. Um die Arbeit im Dienste "des lieben Friedens" auf mehrere Schultern zu verteilen, haben die Ortspolitiker dem Amtsinhaber nun auch einen Vertreter zur Seite gestellt. Hans R. Kleen wird sich nun gemeinsam mit Ingo Behrens als erfahrenem Schlichter in die Materie einarbeiten, die durch reichlich gesetzliche Veränderungen umfangreich und schnelllebig ist.

 

Ingo Behrens ist seit 2004 Schiedsmann in Laboe und wurde von der Gemeindevertretung erneut in seinem Amt bestätigt. Foto: Schmidt 

Ingo Behrens ist seit 2004 Schiedsmann in Laboe und wurde von der Gemeindevertretung erneut in seinem Amt bestätigt. Foto: Schmidt

 

Ingo Behrens verzeichnete in den zurückliegenden fünf Jahren seiner Amtszeit Streitigkeiten verschiedenster Art. Die Anzahl der Fälle bezifferte er mit rund 20 im Jahr - eine Zahl, die relativ konstant bliebe, berichtet Behrens. Welche Streitigkeiten sind das nun konkret, die da an den Schiedsmann herangetragen werden? "Wir Schiedsleute sind quasi als vorgerichtliche Instanz eingesetzt um die Gerichte zu entlasten. Ursprünglich deckten wir nur den strafrechtlichen Bereich wie Körperverletzungen Sachbeschädigung, Bedrohung ab. 2006 hat man in Schleswig-Holstein auch das Nachbarschaftsrecht an die Schiedsleute übertragen, um einfach die Gerichte zu entlasten." Nachbarschafts- und Strafrecht halten sich der Statistik zu Folge in etwa die Waage.


Wer den Weg zu Ingo Behrens sucht, will meist ein ihm zugefügtes Unrecht beseitigen. Auch die Polizei leitet Fälle an den Schiedsmann weiter, der dann eine Schlichtungsverhandlung einberuft. "Beide Parteien müssen persönlich erscheinen, wer unentschuldigt fernbleibt, kann mit einem Ordnungsgeld belegt werden", erklärt Behrens das Procedere. Doch er kann auch ein Lied von ganz hartnäckigen Fällen singen, denn nicht immer lässt so ein Streithahn in Gegenwart des Schiedsmannes von seinem Widersacher ab. Da kommt der Schlichter dann emotional schon mal an seine Grenzen. "Wenn ich erlebe, wie Menschen, die größtenteils zur gehobenen Mittelschicht gehören, unerbittlich und mit einer unglaublichen Härte, die oft unter die Gürtellinie geht, ihre Rechte durchsetzen wollen", nennt Behrens ein Beispiel. Dann endet auch die Einflussmöglichkeit eines Schiedsmannes und der gerichtliche Weg ist nicht mehr abzuwenden. Aus Behrens Sicht kommen die Menschen oft viel zu spät und es hat sich schon vieles angestaut. "Ich wähle ganz bewusst das Rathaus als neutralen Ort und sehe mich als eine Art Gesprächshilfe und Moderator. Denn das Schwierigste ist ja meist, die zerstrittenen Parteien überhaupt an einen Tisch und zu einem gemeinsamen Gespräch zu bekommen", weiß der Schiedsmann aus Erfahrung. Fachlich geschult werden die Schiedsleute von Richtern und anderen Juristen.


In den meisten Fällen, so konstatiert er, kann der Konflikt dann doch geschlichtet werden. Das Ergebnis wird übrigens für 30 Jahre festgeschrieben.
Sein Rat an die Bürger: bei einem Konflikt so frühzeitig Hilfe suchen, damit sich die Fronten gar nicht erst verhärten. Denn Ärger kann auch krank machen.

 
 
 

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