Sinnbild der Liebe und der Fruchtbarkeit
Wenn am Sonnabend, 1. Mai, die Freiwillige Feuerwehr in Schönberg den zehn Meter hohen Maibaum mit Drehleiter und viel Fingerspitzengefühl empor recken wird, denken die meisten der Besucher des kurzweiligen Maibaumfestes in der Fußgängerzone wohl kaum daran, wie sich dieser schöne Brauch zu Beginn des Wonnemonats einmal entwickelt hat. Der Maibaum hat eine Tradition, die in Deutschland zurückgeht bis ins 13. Jahrhundert und gilt bis heute als Sinnbild der Zuversicht und Hoffnung für eine fruchtbare Frühjahrs- und Sommerzeit.

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Die Spiralen am Stamm des Schönberger Maibaums sind in Schleswig-Holstein-Farben gewickelt. Foto Archiv/Schmidt
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Der feste Stamm steht für Kraft und Gesundheit. Allerdings musste sämtliche Rinde entfernt werden, denn unter ihr könnten sich Hexen oder böse Geister verstecken. Im Gegensatz zur maskulinen Stärke des Stammes symbolisiert der Kranz die weibliche Fruchtbarkeit, seine Bänder stehen für das Wachstum und Gesundheit. Im grün belassenen Wipfel schließlich wohnen die Götter und guten Geister. Ohne grüne Spitze hat der Maibaum keine Kraft mehr.
Man hoffte damals, dass der "heilige" Baum seine segenbringende Kraft auf Menschen, Vieh und Felder übertragen möge und pflegte diesen bis heute erhaltenen Brauch bereits vor Jahrhunderten. Doch es galt auch als Liebesbeweis, wenn ein verliebter Bursche seiner Angebeteten einen mit bunten Bändern geschmückten Baum vor die Tür legte.
Ab dem 18. Jahrhundert entwickelten sich die Figurenbäume. Die Stämme wurden mit handwerklichen Zunftzeichen, Wappen, Emblemen oder Bildern des Ortes als Zeichen für Gemeinschaft verziert – eine Sitte, die bis heute erhalten ist. Ein wunderschön gestaltetes Beispiel ist dafür der Schönberger Maibaum, der wohl zu den schönsten in ganz Schleswig-Holstein gehört. Er trägt 29 verschiedene Zunftzeichen und drei Wappenschilde der Partnerschaften mit Älvdalen in Mittelschweden, Haljala in Estland und Eldridge in den USA. Diese Schilder, die in den vergangenen Jahren immer wieder ergänzt wurden, sind von der Beschäftigungsinitiative in Höhndorf unter der Leitung von Julius Wendt entstanden. Vor elf Jahren bekam der Baum seine symbolträchtige Spitze von Kunstschmied Heiko Voss. Seither kündet der handgeschmiedete "Probsteier Barsch" weithin sichtbar von Kraft und Stärke. Die verschiedenen Ortsbilder mit den Hinweisen auf die drei Schönberger Museen tragen die unverwechselbare Handschrift des Lütjenburger Künstlers und Schönberger Kulturamtsleiters Rainer Runge. Jahr für Jahr werden die Bilder ergänzt, alle Details des prachtvollen Stammes werden pünktlich zum 1. Mai wieder aufpoliert. In einem ist man allerdings ein wenig abgewichen vom guten alten Brauch: Statt, wie ursprünglich Tradition, wird der Baum nicht mehr nur mit reiner Muskelkraft der Männer im Dorf aufgerichtet, sondern man bedient sich der Hilfe der Technik der Feuerwehrdrehleiter.
Doch dem Ausdruck einer kraftvollen und gewachsenen Dorfgemeinschaft tut das keinen Abbruch.
Ein hart erkämpfter Feiertag der Arbeiter
"Wir gehen vor! Gute Arbeit, gerechte Löhne, starker Sozialstaat" heißt das diesjährige Motto des Deutschen Gewerschaftsbundes (DGB) für den heutigen 1. Mai, den "Tag der Arbeit". Im Schönberger Hotel "Stadt Kiel" findet dazu um 11 Uhr eine Veranstaltung statt. Tag der Arbeit? Die meisten haben schon vergessen, warum dieser Tag eigentlich als Feiertag im Kalender steht.
Es war Ende des Bürgerkriegs 1865, als die amerikanischen Gewerkschaften erstmals die Forderung nach der Einführung des Acht-Stunden-Tages erhoben. Noch bis in die 1860er Jahre waren in den meisten US-Betrieben Arbeitszeiten von elf bis 13 Stunden üblich; danach galt der Zehn-Stunden-Tag als Regelarbeitszeit. Am 1. Mai 1886 wurde beschlossen, für die Durchsetzung des Acht-Stunden-Tages einen mehrtägigen Generalstreik zu führen. Warum der 1. Mai? Er galt in den USA traditionell als "Moving day", Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen, häufig verbunden mit einem Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel.
Der 1. Mai als erster Arbeits-Kampftag in Deutschland fiel mitten in die größte Streikwelle hinein, die das Deutsche Reich bis dahin erlebt hatte. Bis Dezember 1889 hatten 18 Gewerkschaften ihre Absicht erklärt, am kommenden 1. Mai zu streiken. Trotz drohender Sanktionen beteiligten sich am 1. Mai 1890 in Deutschland etwa 100.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an Streiks, Demonstrationen und sogenannten "Mai-Spaziergängen". Die regionalen Schwerpunkte bildeten Berlin und Dresden, aber auch Hamburg, wo es zu einem besonders erbitterten Arbeitskampf mit zeitweise 20.000 Beteiligten kam.
Die Hitlerzeit überlebte der 1. Mai, weil er dem Regime als hervorragende Kulisse für Paraden, Aufmärsche und eine Leistungsschau der deutschen Industrie diente. Allerdings konnten die Nationalsozialisten den Tag nie ganz vereinnahmen; immer wieder machten Oppositionelle mit Aktionen Front dagegen. So wurde noch im Sommer 1933 die von Hitler am 1. Mai auf dem Tempelhofer Feld in Berlin gepflanzte Eiche heimlich gefällt.
Heute gilt der 1. Mai weniger als Kampf- oder Feiertag der Arbeit, sondern landauf, landab als Angebot zur individuellen Freizeitgestaltung. Das zumeist schöne Wetter, die Frühlingsstimmung und die vielen Feiern mit Maibaum, Maibowle und Maibier tun ihr Übriges.
Der DGB hat es schwer, Mitstreiter oder auch nur Zuhörer zu generieren. "Wir gehen vor! Gute Arbeit, gerechte Löhne, starker Sozialstaat" – ein Motto, das eigentlich bewegen sollte. Vielleicht schauen Sie einfach mal vorbei?
Unter dem Motto "Wir gehen vor! Gute Arbeit, gerechte Löhne, starker Sozialstaat" lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund, Ortsverband Schönberg, alle Bürger am Sonnabend, 1. Mai, zum Frühschoppen ein.
Der beginnt um 11 Uhr im Hotel "Stadt Kiel".
Als Mai-Redner steht der Kollege Norbert Fischer, Vorsitzender des DGB Seniorenausschusses KERN, zur Verfügung.
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