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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Dienstag, 17. Januar 2012

 

Stoltenberg: Windkraft siegt mit fünf Stimmen

Es war eine herbe Enttäuschung für die Mitglieder der Bürgerinitiative "Sophie gegen den Wind für Stoltenberg", als Bürgermeister Karl-Otto Knust am Sonntagabend im Stoltenberger Dorfgemeinschaftshaus nach der Auszählung der Wahlzettel und der Briefwahl-Unterlagen das Ergebnis der Abstimmung über Windkraft auf Stoltenberger Gemeindegebiet bekannt gab. 204 Bürger (79,5 Prozent) hatten ihre Stimme abgegeben. 104 von ihnen (51,5 Prozent) stimmten mit "Ja" für die Windkraft, 99 (48,5 Prozent) sagten "Nein", eine Stimme wurde für ungültig erklärt. Noch am Abend brachte Knust die Unterlagen ins Amt Probstei nach Schönberg, das der Landesplanung das Ergebnis meldet. Das Land hat es jetzt in der Hand, die Ottenhofer Flächen als geeignet auszuweisen und damit den Weg freizumachen für die Planungen der Gemeinde.

 

Uwe Köberlein (links) und Dieter Höllmer haben die Wahlurne geöffnet. Foto: Butzke  

Seit 14 Jahren ist Bürgermeister Karl-Otto Knust (links) im Amt; jetzt tritt er aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein designierter Nachfolger ist Lutz Schlünsen (rechts). Foto: Butzke

 

"Das habe ich nicht erwartet", sagt Jörn Baumgardt von der Initiative "Sophie gegen den Wind für Stoltenberg" enttäuscht, "wo sind die 60 Bürger geblieben, die sich noch vor zwei Jahren gegen Windkraft ausgesprochen haben?" (Anm. d. Red.: Beim damaligen Bürgerentscheid sagten 165 Stoltenberger "Nein"). "Wir haben alles getan, was wir konnten", stellt Baumgardt fest. Den "Kopf in den Sand stecken" will er aber nicht. "Die Energie, die hier politisch entstanden ist, sollte doch weiter geführt werden", meint er und denkt "über ein Treffen aller Beteiligten im nächsten Monat nach". Im Raum steht die Gründung einer Wählergemeinschaft. Die Signalwirkung, die er sich gemeinsam mit den Neu-Sophienhofer erhoffte, ist allerdings nicht eingetreten.


"Wir sind bestürzt über das Stoltenberger Votum", erklärt denn auch Helge Jürgensen von der Initiative "Sophie gegen den Wind für Fargau-Pratjau". Jürgensen befürchtet ein drohendes Zusammenwachsen der Lücke zwischen den Windparks in Ratjendorf und Fiefbergen, dazu noch die Verwirklichung gleich mehrerer Windparks in Bendfeld und damit die Entstehung eines großflächigen Industrieraums "Probstei und Umland". Er hält diese Entwicklung für "besonders tragisch", da sie weder der Natur noch dem Klima dienlich sei, "sondern nur der Geldbörse der wenigen Betreiber". "Es bedeutet eine Umsetzung der Pläne der Herren von Natzmer und Wiese", heißt sein Resümee, "doch für die Region den Abschied von einem wertigen Lebens- und Naturraum".


Gneomar von Natzmer als potenzieller Betreiber von fünf geplanten Windkraftanlagen in Stoltenberg-Ottenhof sieht sich indes "glücklich, dass die Phase der Unsicherheit überwunden ist und dass es weitergehen kann". "Wir sind froh, dass die Akzeptanz eine so breite Basis hat", sagt er und findet, dass die Abstimmung – im Gegensatz zum Bürgervotum vor zwei Jahren – "weitgehend fair verlaufen" sei. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere Pläne realisieren können, denn das Gebiet passt, und die Stromableitung funktioniert", stellt er fest. Sein Berater und Kooperationspartner Jens Wiese ergänzt: "Jetzt muss die Gemeinde entscheiden, was sie will." Auf Nachfrage hält es Wiese für möglich, dass die ersten Windkraftanlagen Ende 2013/Anfang 2014 errichtet werden könnten, falls alles glatt geht.


Lutz Schlünsen, designierter Bürgermeister in Stoltenberg resümiert, "dass der von der Gemeindevertretung vorgeschlagene Weg, einen Bürgerentscheid durchzuführen, eine hohe Akzeptanz gefunden hat und dass mit knapp 80 Prozent Abstimmungsbeteiligung aktive Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie gelebt wurden". Er sagt den Bürgern Dank, dass sie den Bürgerentscheid auch so wahrgenommen haben. "Das Ergebnis ist knapp, aber trotzdem eindeutig", so Schlünsen. Zur Umsetzung des Ergebnisses sieht er "eine hohe Verantwortung aller Beteiligten".

 
 
 

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