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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Sonntag, 23. Januar 2011

Unter weißer Farbe schlummerte eine Sensation

Es war in der Zeit 1720/25, als Wulf Blome, damals Schlossherr auf Hagen, einer wahrscheinlich aus dem süddeutschen Raum stammenden fahrenden Künstlerfamilie den Auftrag erteilte, ein Südzimmer seines Schlosses mit der im Barock beliebten Stucco-lustro-Malerei auszustatten. Die Künstler zeichneten ihren Entwurf auf die Wand zwischen Kamin und Tür – und als der gefiel, nahmen sie ihre Arbeit in Angriff und verwandelten das Zimmer in eine Veranda mit Prunktöpfen auf Balustraden und dem täuschend ähnlich nachempfundenen Blick "ins Grüne". 285 Jahre später glänzt das Zimmer, das heute "Pogwisch-Zimmer" genannt wird, in alter Pracht. 

   

Löffler-Dreyer (links) und Landeskonservator Dr. Michael Paarmann (rechts) vom Landesamt für Denkmalpflege freuen sich mit Restaurator Christian Leonhardt (Zweiter von links) und Bürgermeisterin Margrit Lüneburg über das gelungene Restaurationsergebnis. Foto: Butzke

 

In der Zeit dazwischen waren allerdings nicht alle Bewohner des Schlosses von der barocken Malerei angetan. Die Wände wurden weiß überstrichen, und bei einer Schwammsanierung Ende des 19. Jahrhunderts ging auch noch die Stuckdecke des Raums verloren. Der Hausschwamm war es aber, der letztlich dafür sorgte, dass das Schloss Hagen heute rundum saniert und restauriert für Veranstaltungen, Feste und Tagungen zur Verfügung steht. "Durch den Schwamm kam alles ins Rollen", sagte Bürgermeisterin Margrit Lüneburg, als sie am Freitag im Beisein des Restaurators Christian Leonhardt sowie von Landeskonservator Dr. Michael Paarmann und Restauratorin Birgid Löffler-Dreyer, beide vom Landesamt für Denkmalpflege, das fertige Pogwisch-Zimmer der Öffentlichkeit vorstellte.


2004 hatte man Risse in der Decke einer Wohnung im Schloss entdeckt und war dem (echten) Hausschwamm auf die Spur gekommen. Es folgte die Sanierung des Schlosses, die insgesamt 3,5 Millionen Euro verschlang. Im bis dahin auch als Küche genutzten Pogwisch-Zimmer fand man hinter den Schränken einen Malerei-"Fleck" von zehn Zentimetern Durchmesser, den offenbar schon früher jemand als wertvoll eingestuft hatte, denn er war mit Plastikfolie "konserviert" worden. Neugierig geworden, holte man Restaurator Christian Leonhardt, der mehrere große Flächen der Stucco-lustro-Malerei freilegte und entdeckte, dass rund 90 Prozent gerettet werden könnten.


Gefördert vom Land Schleswig-Holstein, dass die anfallenden Kosten in Höhe von rund 140.000 Euro komplett übernahm, gingen Leonhardt und sein Team an die "unwahrscheinlich akribische" Feinarbeit mit Kopflupe und Skalpell. Freigelegt wurde eine illusionistische Raumdekoration, wie sie der Barock liebte. "Die Menschen dieser Zeit wollten aus der trüben Wirklichkeit heraus", so Dr. Paarmann, "es war die Bandelwerkzeit oder Régence." Im Pogwisch-Zimmer wurde mit Hilfe malerischer Tricks der Eindruck kostbarer mediterraner Marmorwände, -säulen und -balustraden erzeugt. Durch das jetzt erfolgte Nachpolieren der Oberflächen wird dieser Eindruck noch verstärkt.


Als "kleine kunsthistorische Sensation" wertete der Landeskonservator die freigelegte Stucco-lustro-Malerei, "die in dieser Form einzigartig ist", wie er sagte. Er lobte auch die Restaurierungstechniken, mit denen Schleswig-Holstein absolut auf der Höhe der Zeit stehe. Um die Einmaligkeit des Pogwisch-Zimmers zu erhalten, müssen denn auch Feiern, die in diesem Raum stattfinden, einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Wänden einhalten.Verständlich, dass wilde Parties strikt verboten sind. Aber ein stilvoller Empfang nach der Trauung oder im Rahmen eines Familienfestes, ein Kammerkonzert oder eine Lesung sind hier durchaus denkbar. Darüber würde sich sicher – könnte er es erleben – auch Wulf Blome freuen, zu dessen Zeit das Zimmer als Gesellschaftsraum vor allem in der trüben Jahreszeit des Winters genutzt wurde.

 
 
 

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Probsteierhagen

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Probsteierhagen, dessen Ursprung sich auf das Jahr 1259 zurückführen lässt, ist ein traditionsreiches Dorf in der Probstei. Über Jahrhunderte eng verbunden mit dem adeligen Gut Hagen wurde das Handwerkerdorf Probsteierhagen (östlich der Hagener Au gelegen) um 1930 mit dem Gutsbezirk Hagen nach dessen Aufteilung in rund 70 Kleinbauernstellen zur heutigen Gemeinde Probsteierhagen vereinigt. Prägend sind auch heute noch das alte Herrenhaus Hagen aus dem Jahre 1649 mit dem dazugehörenden Park, das sich im Besitz der Gemeinde befindet und für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird (Ausstellungen, Konzerte usw.), und die St. Katharinenkirche mit dem Ursprung aus dem 13. Jahrhundert.

Margrit Lüneburg
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