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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Astrid Schmidt   
Dienstag, 05. Januar 2010

Viele Weichen sind gestellt

2009 ist vorüber, 2010 hat begonnen. Was hat nun die Probstei und sich in der Probstei bewegt in den vergangenen zwölf Monaten? Was war wichtig für die Menschen in den 18 kleinen Dörfern? Eines kann sicher gesagt werden: Vieles ist auf den Weg gebracht worden, viele Weichen sind gestellt. Es war aber auch ein Jahr des Sich-Findens in neuen Amtsstrukturen, des Sich-Zurecht-Rüttelns neuer Abläufe. Und fröhlich war das Jahr. Es wurde viel gefeiert, den Jubiläen in Gemeinden und Feuerwehren dokumentierten in beeindruckender Weise das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen. Auch wenn die Steuerschätzungen im Mai und September für Hiobsbotschaften in den Gemeinden sorgten, gestattet der Ausblick auf das Neue Jahr reichlich Optimismus. 

Landeskonservator Michael Paarmann bestätigt den Probsteierhagenern außergewöhnliche Funde. Doch das birgt auch außergewöhnliche Kosten. Foto: Schmidt
 

Landeskonservator Michael Paarmann bestätigt den Probsteierhagenern außergewöhnliche Funde. Doch das birgt auch außergewöhnliche Kosten. Foto: Schmidt


Für Amtsvorsteher Hagen Klindt war das Jahr 2009 fast ein "Jahr des Ehrenamtes". Denn gleich zu Beginn des Jahres kündigten sich die Jubiläen in Schönberg und Probsteierhagen an, Aktivitäten zogen sich durch das ganz Jahr hindurch. In Arbeitsgruppen wurden Kräfte gebündelt, langfristige Vorbereitungen und engagierter Einsatz vieler kreativer Köpfe waren der Schlüssel zum Erfolg. In Schönberg feierten im Juni auch Menschen aus dem Umland eine gelungene Festwoche, genossen Kultur-Höhepunkte und Gemeinschaftsgefühl. Davon gab’s noch einmal reichlich im September in Probsteierhagen, wo eine Woche lang Kirche und Kommune Hand in Hand arbeiteten und zum ersten Mal auch eine Gemeinschaftsaktion aller Gemeinden des Kirchspiels die Verbundenheit untereinander deutlich machte. Jede für sich – Wendtorf, Stein, Lutterbek, Prasdorf und Fahren – lieferten ihren Beitrag dazu. Für Hagen Klindt war dies ein schönes Beispiel, dass Kirche sich nicht nur aufs Friedhofswesen oder Kindergarten beschränken muss, sondern das gemeinschaftliche Leben in den Mittelpunkt rückt.
Damit der Feierlichkeiten nicht genug: Allein acht Feuerwehren des Amtsbereiches feierten ihr 75-jähriges Bestehen mit ebenso viel Einsatz. Nicht zu vergessen, wenn es um Kreativität und Ehrenamt der Probsteier geht: Der Strohfigurenwettbewerb, der die Region längst über die Grenzen hinaus bekannt macht. Die Brodersdorfer siegten in diesem Jahr mit ihrem gelungenen Pferd auf dem Kreisel.


Eine entscheidende Weichenstellung konnte noch in diesem Jahr zum Abschluss gebracht werden: Der Tourismusverband kooperiert mit dem Tourismusbetrieb der Gemeinde Laboe, es wird eine gemeinsame Geschäftsstelle mit einer gemeinsamen Leitung geben. Dies ist für Hagen Klindt als Tourismusverbandsvorsitzender ein wichtiger Schritt in Richtung Verschmelzung aller drei Tourismusbetriebe, was für ihn im Sinne einer effektiven Vermarktung der gesamten Region das Endziel sei. Er verspricht sich von dem Zusammengehen neue Anregungen und Initiativen, die bessere Ausnutzung vorhandener Potenziale der Region. Die gemeinsame Leiterin konnte bereits vor Ablauf des Jahres vertraglich verpflichtet werden und nimmt am 1. April ihre Arbeit auf.

 

 

Das Jahr 2009 vergeht trotz der vielversprechenden Ankündigungen von Investor Sven Hollesen ohne einen Spatenstich auf der Marina Wendtorf. Foto: Schmidt
 

Das Jahr 2009 vergeht trotz der vielversprechenden Ankündigungen von Investor Sven Hollesen ohne einen Spatenstich auf der Marina Wendtorf. Foto: Schmidt

 

 

Ein raumgreifendes Thema des Jahres war auch die Sanierung des Herrenhauses in Probsteierhagen. Da gab es reichlich Überraschungen, neue Funde, fast sensationelle Entdeckungen unter alten Farbschichten, die selbst Fachleute der Denkmalpflege begeisterten. Doch die ehrenamtlichen Akteure hatten auch reichlich Sorgenfalten auf der Stirn. Denn die Kosten liefen davon und der Termin der Fertigstellung schob sich immer weiter hinaus. Nerven lagen blank, mit jeder Zeitverzögerung ein wenig mehr. Doch am Ende des Jahres sind die Wohnungen bereits bezugsfertig, die Agentur steht in den Startlöchern, die ersten Termine für Veranstaltungen sind gebucht. Doch die Vermarktung des Schlosses bleibt zunächst eine große Zitterpartie, es gilt eine Gradwanderung zwischen einer privaten und damit lukrativen Vermietung und einer gewünschten, aber zuschussträchtigen öffentlichen Nutzung zu bestehen. Nichts, aber auch gar nichts, ist augenscheinlich in diesem Jahr in Marina Wendtorf geschehen. Die Bootslieger sind darüber gar nicht so unglücklich, hin und wieder wurde eine Bohle an den Stegen ausgetauscht, an ihrer geliebten Idylle und Beschaulichkeit hat sich bisher nichts verändert. Weniger glücklich darüber ist man in Wendtorf. Denn längst sollten nach den vollmundigen Ankündigungen von Investor Sven Hollesen die Bagger rollen, doch bisher herrscht nach vielversprechenden Ankündigungen noch immer Schweigen am Strand von Wendtorf. Für Hagen Klindt wäre die Investition dort "mehr als notwendig", doch Verhandlungen über den Anteil von touristischer und privater Nutzung zwischen Investor und dem Land führten bisher zu keiner Einigung. Damit einher geht auch der Reparatur- und Investitionsstau im Hafen und am Gebäude der Hafenmeisterei.


Ein Thema hatte in der Probstei für viel Wirbel und Verärgerung gesorgt: Die Windkraft. Der Kreis hatte Meldungen über geeignete Flächen eingefordert, was zu viel Unmut und Streit in den Dörfern geführt hatte. In Stoltenberg, Höhndorf und Bendfeld gründeten sich Bürgerinitiativen. Die sammelten Unterschriften, setzten Bürgerentscheide durch. Doch dann: Viel Wind um nichts mit der Windkraft. Der Kreis nahm keine einzige Probsteier Fläche in sein Konzept auf. Stoltenberg fand einen Kompromiss ohne Bürgerentscheid, in Höhndorf trat man an die Wahlurne mit einem interessanten Ergebnis: Die Initiatoren gegen die Windkraft konnten bei weitem nicht so viele Anhänger mobilisieren, wie die Befürworter. Doch das Ganze dient nicht etwa einer aktuellen Entscheidung, sondern ist lediglich Richtschnur für die Zukunft. In Bendfeld wird es nun am 14. März einen Bürgerentscheid geben. Doch das Thema dürfte längst nicht zu den Akten gelegt werden, denn die Gemeinde Lutterbek hat sich direkt an das Land gewandt. Die Reaktion bleibt abzuwarten, dürfte aber eine Signalwirkung für andere Gemeinden haben. Auch die Fiefberger hatten ihren "Bürgerentscheid". Parallel zur Landtags- und Bundestagswahl konnten sie ihre Stimme für den Standort eines Dorfgemeinschaftshauses abgeben.


Nicht leichter wird das Neue Jahr ganz sicher in finanzieller Hinsicht. Denn die Einnahmen sinken weiter, die Finanzkrise hat die Kommunen im Würgegriff. Die sehen sich ständig steigenden Schul- und Kinderbetreuungskosten ausgesetzt, wollen ihren Bürgern jedoch nicht zu viel aufbürden. Doch das Leben steht deshalb nicht still. Umso wichtiger wird es zu prüfen, wo Investitionen sinnvoll und notwendig sind.


Aktuell im nächsten Jahr bleibt ganz gewiss das Thema Eisenbahn für die Probstei. Für Hagen Klindt ist dieses Thema ein Stück weit aus der Utopie herausgekommen. Er sieht nach jüngsten Entwicklungen bei der VKP durchaus eine Chance für die Reaktivierung der Bahn. Es wird derzeit eine Arbeitsgruppe gebildet, die ein integriertes Bus-Bahn-Konzept erarbeitet. "Wenn ein solches Konzept geschickt alle Gemeinden verknüpft, kann das den öffentlichen Personennahverkehr in der Probstei beleben", so Hagen Klindt. Es könne durchaus belebend auch für den Tourismus sein. Profitieren dürfte davon der Tagesgast, der bequem, ohne Stau und Parkplatzsuche, von Kiel zum Strand fahren kann.


Eines ist sicher: Das Neue Jahr dürfte ebenso spannend werden, wie das alte es war.

 
 
 

Ausgezeichnet!

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