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Gesundheit und Natur
Geschrieben von Astrid Schmidt   
Mittwoch, 25. Januar 2012

Vierteilige NDR-Fernseh-Reihe "Seenotretter"

Wenn Segler und Sportbootfahrer den sicheren Hafen ansteuern, fahren sie erst raus – die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Ihre Arbeit und der Alltag an Bord eines Seenotrettungskreuzers stellt der Norddeutsche Rundfunk in den Mittelpunkt einer vierteiligen Dokumentation. Der erste Teil der Serie (jeweils 45 Minuten) wird am Mittwoch, 25. Januar, 21 Uhr, im NDR-Fernsehen gezeigt

 

Wenn Segler und Sportbootfahrer den schützenden Hafen suchen, fahren sie erst raus – die Seenotretter. Foto: Schmidt

Wenn Segler und Sportbootfahrer den schützenden Hafen suchen, fahren sie erst raus – die Seenotretter. Foto: Schmidt

 

Die Filmcrew und die Hauptpersonen, nämlich die Seenotretter in Laboe und Büsum, sind mit dem Ergebnis und der Zusammenarbeit zufrieden. Beide, so waren sich bei einem Vorstellungstermin mit der Presse alle einig, haben viel Respekt für die Arbeit des anderen mitgenommen.


Dafür gab’s kein Drehbuch und kein Script, Regie führte die Natur, die Realität. Regisseurin Elle Lange beschreibt ihre Eindrücke an Bord so: "Es ist, als wenn ein Schalter umgelegt wird." Denn wenn der Notruf eingeht, ist das Scherzen vorbei. Dann haben die vier Besatzungsmitglieder des Seenotrettungskreuzers "Berlin" in Laboe nur noch einen Gedanken: Da draußen ist jemand in Not, der Hilfe braucht. Mit 20 Knoten pflügt der Seenotrettungskreuzer durch die Ostsee. Auf der Suche nach einem verunglückten Kitesurfer, einem vom Sturm überraschten Segler, einem vermissten Taucher. Doch nicht immer verläuft eine Suche erfolgreich, auch tragische Erlebnisse müssen die Einsatzkräfte aushalten.


60 Drehtage waren die Kamerateams in Laboe und Büsum, haben die dort stationierten Seenotretter bei ihren Einsätzen begleitet, ihnen in ihrer Freizeit beim Einkaufen, Basteln, Kochen und Klönschnack über die Schulter schauen dürfen. Entstanden ist eine eindrucksvolle Dokumentation, die authentisch und zugleich emotional berührend ein realistisches Bild von dem zeichnet, was die rund 185 hauptamtlichen und etwa 800 Ehrenamtler der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger leisten. Das kann Michael Müller, Vormann auf dem Seenotrettungskreuzer "Berlin" nur bestätigen. Nach anfänglicher Skepsis angesichts der gewünschten Dreharbeiten sagt er: "Es war ok".

 

Eben noch vertreiben sich Michael Müller, Dirk Göttsch, Dr. Stefan Rusitska und Rolf Oster, die vierköpfige Besatzung der "Berlin", die Zeit mit Frotzeleien, Kochen und Basteln: Papierschiffchen, vorzugsweise die "Berlin" entstehen unter den nicht unbedingt zarten Händen von Dirk Göttsch. Das ist seine große Leidenschaft, so erfährt der Zuschauer.

 

 

Regisseurin Elle Langer war rund 60 Tage mit den Seenotrettern an Bord und freut sich über das Ergebnis: eine authentische und emotional berührende Reportage über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Foto: Schmidt

Regisseurin Elle Langer war rund 60 Tage mit den Seenotrettern an Bord und freut sich über das Ergebnis: eine authentische und emotional berührende Reportage über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Foto: Schmidt

 

 

Rund um die Uhr 365 Tage im Einsatz


Dann der Notruf! Ein 50-jähriger Taucher wird vermisst. Sekunden vergehen, dann ist alles klar, jeder auf seinem Platz, die "Berlin" verlässt den Laboer Hafen in Richtung Ostsee, hinterlässt eine breite Gischtfurche, während sie mit 20 Knoten durch die See pflügt. Michael Müller hält mit dem Fernglas nach dem Boot Ausschau, von dem der Notruf abgegangen war. Die Sicht ist schlecht, drohend steht eine dunkle Wolkenwand am Horizont. Inzwischen sind auch Küstenwache und Bundesmarine alarmiert, vom Boot immer noch keine Spur. Ein Blick ins Radar hilft nicht viel weiter, dann endlich – finden die Retter das Boot, auf dem ein Mitglied der Crew immer noch nicht aufgetaucht ist. Die Suche beginnt, Taucher durchkämmen Stück für Stück die Tiefe, in der die Sicht nicht mehr als vier Meter beträgt. Von der "Berlin" aus wird der Einsatz koordiniert, eine Suchformation aus den einzelnen Einheiten zusammengestellt, die systematisch das Wasser durchkämmt. Die Zeit verrinnt, Taucher haben bereits zum dritten Mal ihre Flaschen gefüllt – doch immer noch nichts. 19 Uhr, die Dunkelheit bricht an und schließlich die Entscheidung: "Wir müssen die Suche abbrechen, ohne Erfolg."


Ja, auch diese emotional sehr berührenden Einsätze hat das NDR-Fernsehteam mit der Kamera eingefangen. "Wir stellen nichts dar, wir zeigen die Realität", erklärte Regisseurin Elle Langer bei der Vorstellung der Fernsehreihe vor der Presse. Dabei gehe man durchaus zurückhaltend mit sensiblen Bildern um, beispielsweise von Geretteten und auch Geborgenen, also denen, die nicht gerettet werden konnten. Das mache den Unterschied zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Privatsendern aus, betont Produzent Jost-Arend Bösenberg von der Firma Dokfilm aus Potsdam-Babelsberg.


Rund 60 Drehtage war das Team vor Ort in Laboe und Büsum, hat die Crew auf ihren Einsätzen und in ihrer Freizeit begleitet, "durfte einen Einblick in die Männer-WG" erhalten. Auch davon sei sie sehr beeindruckt, erzählt Elle Langer. Man nehme von dieser besonderen Art der Zusammenarbeit höchsten Respekt vor den Männern, vor dem Boot und dem Meer mit nach Hause, so Bösenberg.


Für die Hauptpersonen selbst, wie die Seenotretter Michael Müller, Dirk Göttsch, Dr. Stefan Rusitska und Rolf Oster aus Laboe, ist ein gutes Ergebnis entstanden. Sie bestätigen: "Es ist nichts gestellt, es ist alles so, wie es abläuft. Die Männer sind genauso, wie ich sie kenne", so Müller. Er räumte ein, zu Beginn sei er sehr skeptisch gewesen, bei Einsätzen auch noch ein Filmteam an Bord zu haben. "Aber wir haben uns zusammen gerauft, wir haben auch gesagt, was nicht geht und sie haben sich darauf eingestellt", so der Vormann. Er freut sich, wie alle anderen auch, auf diese vier Dokumentations-Teile, die dem Fernsehzuschauer ab Mittwoch einen sehr persönlichen Blick in den Alltag der Seenotretter geben.

 

 

 

 
 
 

Ausgezeichnet!

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