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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Kay-Christian Heine   
Freitag, 28. Mai 2010

VKP schnell genug für die Note "Mangelhaft"

Die um den vergangenen Jahreswechsel herum in Leserbriefen an unsere Zeitung zum Ausdruck gebrachten Sorgen vieler Probsteier Eltern um ihre Kinder, die mit dem Bus zur Schule befördert werden, scheinen angesichts des aktuellen ADAC-Schulbustests noch immer berechtigt zu sein. Vor allem die Überschreitung von Tempolimits fiel den ADAC-Testern bei der jüngsten Untersuchung 36 verschiedener Schulbusstrecken in zwölf Bundesländern auf. Unter den mit "mangelhaft" bewerteten Strecken ist auch die von den Verkehrsbetrieben Kreis Plön (VKP) bediente Linie 260, die Lütjenburg und Schönberg miteinander verbindet.

 

  Rasende Busse: Der ADAC kritisiert in seinem aktuellen Schulbus-Test teils deutliche Geschwindigkeitsüberschreitungen auch durch Fahrer der VKP. Foto: Heine

Rasende Busse: Der ADAC kritisiert in seinem aktuellen Schulbus-Test teils deutliche Geschwindigkeitsüberschreitungen auch durch Fahrer der VKP. Foto: Heine

Nach Ansicht des ADAC sei es vor allem alarmierend, dass es nur zwei getestete Strecken ohne Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit gegeben habe, und das trotz morgendlicher Dunkelheit und widriger Straßenverhältnisse während des vergangenen Winters. Einen Spitzenwert habe dabei ein Busfahrer der VKP auf der Linie 260 geliefert: Er sei mit 91 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs gewesen. Robert Sauter, Leiter des ADAC-Verbraucherschutzes, über einen ähnlichen Tempoverstoß im hessischen Bensheim: "Das ist fatal, so etwas darf sich ein Fahrer unter keinen Umständen erlauben."

Weitere Kritikpunkte an der VKP waren ein fehlender Nothammer, viel Lärm und Unpünktlichkeit bei der Rückfahrt, im Türbereich stehende Schüler, Gerangel um die Sitzplätze und Schmierereien im Bus. In diesem Zusammenhang fordert der ADAC, Kinder über das richtige Verhalten an Haltestellen und während der Fahrt zu informieren und zu trainieren, sowie im Schulunterricht die Themen Rücksichtnahme und Vandalismus aufzugreifen.

Doch auch Gutes vermerken die Tester, die auf dem Streckenabschnitt zwischen Lütjenburg ZOB und der Schönberger Schule dabei waren, für die VKP. So waren laut ADAC die Test-Haltestellen in Schulnähe und immerhin bei der Hinfahrt der Bus pünktlich und die Kinder leise. Es habe kaum Gedränge beim Ein- und Aussteigen gegeben und die Busfahrer seien mit Freundlichkeit und guten Fahrzeugkenntnissen aufgefallen.

Neben den Tempoverstößen moniert der ADAC auf allen getesteten Strecken überfüllte und unpünktliche Busse, in denen Nothämmer fehlen oder scharfe Kanten und Stolperschwellen für Verletzungsgefahr sorgen. Weitere Auffälligkeiten seien fehlende oder fehlerhafte Fahrpläne und ungepflegte Haltestellen. Problematisch sei auch das Verhalten der Kinder: Sie drängelten beim Ein- und Aussteigen, stünden auf verbotenen Flächen und nutzten im Bus nicht immer alle vorhandenen Sitze.

Getestet hat der ADAC die Hin- und Rückfahrt auf jeweils drei Strecken in zwölf Bundesländern, darunter Schleswig-Holstein. Die zusammen 72 Testfahrten unternahmen ADAC-Testerinnen zwischen dem 11. Januar und dem 16. März dieses Jahres verdeckt. Neben den Tests auf den je zwei Fahrten pro Route führten sie Gespräche mit den Kindern und mit den Busfahrern, denen sie sich erst am Ende des Tests zu erkennen gaben. Die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen hatten die Testerinnen besonders im Auge. Das Gesamtergebnis ist durchwachsen: Für die Hälfte der Strecken reichte es nur für die Note ausreichend, ein knappes Viertel fiel mit mangelhaft durch, das restliche Viertel bekam dagegen die Note gut.

Robert Sauter formuliert es so: "Das ist ein Ergebnis, mit dem die Eltern sicher nicht zufrieden sind." Die könnten aber selbst aktiv zur Verbesserung der Situation beitragen. Sein Rat an die Eltern: die Kinder rechtzeitig an die Haltestellen schicken, um Rennerei zu verhindern, ihnen das richtige Verhalten an der Haltestelle erklären und die Kinder Busschulen besuchen lassen. Auch die VKP bieten eine solche Busschule als gemeinsame Initiative mit dem Kreis Plön an.

Als Ursache der Mängel macht der ADAC fehlendes öffentliches und privatwirtschaftliches Geld aus. Busunternehmer seien gezwungen, knapp zu kalkulieren und unrealistische Fahrpläne zu erstellen. Abhilfe könnten nur höhere Fördermittel unter anderem für sicherere Haltestellen schaffen, bessere Schulungen für Fahrer und Schüler, mehr Polizeikontrollen und runde Tische mit Vertretern von Kommunen, Schulen, Busunternehmen und Eltern.

 
 
 

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