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Freizeit und Kultur
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Montag, 23. August 2010

Vom Stucco-lustro-Zimmer bis zur Pestwurz

Nicht nur für Touristen – auch für Probsteier und für die Probsteierhagener selbst ist es immer wieder spannend, eine Führung durch das restaurierte Schloss Hagen mitzumachen. Vieles ist fertig geworden und kann jetzt in voller Schönheit bewundert werden. Einiges – wie das "Gartenzimmer" mit seiner in Schleswig-Holstein einmaligen Malerei in Stucco-lustro-Technik – wartet noch auf Vollendung und vermittelt erst ansatzweise Eindrücke seiner Vollkommenheit.

   

Den Fortschritt der Restaurierungs- arbeiten im Gartenzimmer erläutert Karl-Heinz Fahrenkrog der Besuchergruppe. Foto: Butzke
 

Den Fortschritt der Restaurierungsarbeiten im Gartenzimmer erläutert Karl-Heinz Fahrenkrog der Besuchergruppe. Foto: Butzke

 

Eine große Gruppe interessierter Besucher folgte am Sonntag Karl-Heinz Fahrenkrog durchs Kaminzimmer, dessen Decke und Farben der Ausstattung in der Gründerzeit nachempfunden sind. Nur der üppige Kamin, der dem Empfangsraum seinen Namen gibt, stammt aus der Zeit der Erbauung des Schlosses. Von den Wänden schaut ernst der Schleswig-Holsteinische Landadel, dessen Bilder noch nicht eindeutig identifiziert sind.


Im "Blomezimmer" beeindruckt die mächtige Stuckdecke mit den Allianzwappen der Eheleute aus den Geschlechtern Pogwisch und Blome, dem Porträt der schönen Lucia Blome und ihrer Schwiegermutter, die gegenüber einen Platz gefunden hat. Dass der große Kronleuchter hier im jetzigen "Trauzimmer" endlich seinen würdigen Platz gefunden hat, ist dem großzügigen Drüber-Hinwegschauen des Denkmalsamtes zu verdanken. An den Wänden kostbare Supraporten, die eigentlich über Türen angebracht werden, hier aber den Raum beeindruckend schmücken.


Das "Herrenzimmer" besticht durch seine kräftige mediaterrane Wandfarbe. Sie wurde nach Befunden in der Kaminnische wiederhergestellt und zeugt von dem ausgesprochen guten Geschmack der Schlosseigentümer. Der zeigt sich auch im benachbarten "Gartenzimmer" mit seinen Pflanzen und Blumen auf Balustraden – ein guter Ort, um sich im kühlen, wetterlaunischen Norden Natur ins Haus zu zaubern. Komplett gefördert vom Denkmalschutz, wird hier Schicht um Schicht freigelegt.


Ein Kuriosum in der Ecke des "Gartenzimmers" ist die Tür hinaus zu einer Einrichtung, die früher "Abtritt" hieß. Das Plumpsklo gibt’s leider nicht mehr, aber die Tür soll erhalten bleiben. Weiter in die Keller, die früher durch Küchen belegt waren, denn unter allen Flügeln des Schlosses wurde gekocht. Im Kreuzgewölbe befand sich wahrscheinlich der Weinkeller des Schlossherrn; gleich daneben das Fundament des Treppenturms aus dem Vorgängerbau des Schlosses.


Draußen übernahm dann der Biologe Dr. Erik Christensen die Gruppe für eine spannende Schlossgartenführung. Er zeigte den Besuchern die Stellen, an denen im 17. Jahrhundert der Schlossgraben das Gebäude umzog. Und natürlich gab es jede Menge Informationen zu den Pflanzen im Park – so etwa zur "Pestwurz", die angepflanzt wurde, um die Pest abzuschrecken, die man sich damals als lebendes, unheilvolles Wesen vorstellte. Ein interessanter Ausflug in die Vergangenheit.

 
 
 

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