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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Gabriele Butzke   
Samstag, 03. Dezember 2011

 

Vor 25 Jahren zum Bürgermeister gewählt

Große Chancen hatte sich Wilfried Zurstraßendamals nicht ausgerechnet, als er sich am 11. November 1986 auf den Weg nach Schönberg machte. In seinem Heimatort Werne im Kreis Unna in Nordrhein-Westfalen hatte er gehört, dass an der Ostsee ein Bürgermeister gesucht wird. In einem Auswahlverfahren setzte er sich zunächst gegen 48 Mitbewerber erfolgreich durch. In der Spitzengruppe der letzten drei Kandidaten trat er jetzt als Favorit der Schönberger SPD an. Aber: Seine beiden CDU-Mitbewerber lagen aufgrund der kommunalpolitischen Mehrheitsverhältnisse in Schönberg klar vorn. Für den Sozialdemokraten konnte höchstens ein Achtungserfolg herausspringen.

 

Vor 25 Jahren wurde Wilfried Zurstraßen zum hauptamtlichen Bürgermeister in der Gemeinde Schönbergs gewählt. Foto: Butzke  

Vor 25 Jahren wurde Wilfried Zurstraßen zum hauptamtlichen Bürgermeister in der Gemeinde Schönbergs gewählt. Foto: Butzke

 

Eigentlich hatte Zurstraßen damit gerechnet, dass die Schönberger Wählergemeinschaft zur SPD tendieren würde – so wie sie es in NRW tat. In Schönberg war aber alles ganz anders. Das musste er feststellen, als er sich den Befragungen des Hauptausschusses und der politischen Fraktionen unterzog. "Das Auswahlverfahren war so intensiv, als ob ein König gesucht würde", erinnert er sich, "dazu kam die Entscheidung der Wählergemeinschaft, einen CDU-Kandidaten zu unterstützen. Ich überlegte mir ernsthaft, ob ich aussteigen sollte." Schließlich beschloss er aber, die drohende Niederlage unter "Erfahrung" abzubuchen – und reiste relativ entspannt an.


Es ist brechend voll an diesem Abend in der Aula der Realschule. 400 Schönberger und Schönbergerinnen haben sich versammelt, um bei der Wahl ihres neuen Bürgermeisters dabei zu sein. Wilfried Zurstraßen ist entschlossen, "eine Visitenkarte abzuliefern", wie er sich erinnert. Es wird ein langer Wahlabend. Und dann die Überraschung: Der Sozialdemokrat aus Werne wird im dritten Wahlgang gewählt (nachdem er im ersten Wahlgang nur die Stimmen der SPD erhalten und den zweiten Wahlgang durch Enthaltungen der CDU überstehen konnte). "Auf einmal war ich Bürgermeister!", sagt er.


Der Freude über den Wahlsieg folgte – kaum dass er zu Hause in Werne zurück war – Irritation, denn er hatte sich gleichzeitig bei der Stadt Unna (60.000 Einwohner) als Leiter des Umweltamtes beworben und erhielt nun auch die Zusage für diese Position. Aber Wilfried Zurstraßen zögerte nicht eine Sekunde: Der Bürgermeister-Job musste es sein. "Ich habe meine Entscheidung nicht einen einzigen Tag bereut", stellt er fest. Auch in der Folgezeit wurde der 11. November zu seinem Glückstag. Zunächst auf sechs Jahre gewählt, erfolgte seine Wiederwahl (diesmal auf neun Jahre) und auch die erste Direktwahl eines Bürgermeisters 2001 (die er mit 92,7 Prozent gewann) jeweils am 11. November.


Am 1. April 1987 trat Wilfried Zurstraßen sein Amt an – übrigens damals als einziger hauptamtlicher SPD-Bürgermeister im Kreis Plön. Und er konnte für das damals 4.700 Einwohner (heute 6.800 Einwohner) zählende Schönberg viel bewegen. Die Begleitung des Deichbaus, die Bebauung der Lampschen Koppel, der Ausbau des kulturellen Bereichs (Museen, Schönberg kulturell) und des Sozialbereichs (sechs Kindergärten, Betreutes Wohnen, Pflegeplätze), die Arbeitsmarktförderung, der Bau der Seebrücke und der Ausbau Gemeinschaftsschule erfolgten unter seiner Ägide.


Gefeiert hat er den 11. November nicht. Umso größer wird zweifellos das Jubiläum ausfallen, das er am 1. April 2012 begeht. Dann stehen andere Highlights seines Bürgermeister-Engagements im Mittelpunkt – nicht mehr der "Wahlkrimi", den Schönberg am 11. November 1986 erlebte.

 
 
 

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