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Wirtschaft und Politik
Geschrieben von Astrid Schmidt   
Samstag, 11. Februar 2012

Windkraft: Die Fahrener gehen zurück auf Start

Bernd-Michael Haese von der Passader Bürgerinitiative brachte es am Dienstagabend im Fahrener Dorfgemeinschaftshaus gleich zu Beginn der Windkraft-Diskussion auf den Punkt. "Uns verbindet die Ahnungslosigkeit", sagte er in Richtung der Fahrener Bürger, die in großer Zahl zur Einwohnerversammlung gekommen waren. Wie berichtet, plant die Gemeinde Fahren auf der Eignungsfläche 145 zwischen Fahren und Passade drei Windkraftanlagen und hat ihr Interesse bereits der Landesregierung gemeldet. Die Krux: Betroffen von den Emissionen wird vor allem das Passader Neubaugebiet – und von daher hatte sich denn auch Protest gemeldet. Jetzt sind auch die Fahrener aufgewacht. Sie verlangen mehr Informationen.
 

  Die Eignungsfläche 145 liegt zwischen Fahren und Passade – aber sehr viel dichter dran am Passader Neubaugebiet, das schon Emissionen aus dem bestehenden Fiefberger Windpark beklagt. Foto: Butzke

Die Eignungsfläche 145 liegt zwischen Fahren und Passade – aber sehr viel dichter dran am Passader Neubaugebiet, das schon Emissionen aus dem bestehenden Fiefberger Windpark beklagt. Foto: Butzke


Bürgermeister Dieter Dehnk sah sich nicht nur einer starken Passader Fraktion gegenüber, die ihre Argumente gegen die enorm hohen und in puncto Schädlichkeit noch nicht erforschten modernen Windkraftanlagen wiederholte, sondern auch zunehmend kritischen Anmerkungen und Fragen aus den Reihen der Fahrener Bürger. "Wir wissen gar nicht, worüber wir eigentlich diskutieren", wurde bemängelt. "Das ist ein Spiel mit dem Feuer", "Wir brauchen mehr Zeit, um das auszuloten" und (unter Applaus der 60 Zuhörer) "Wir müssen uns erst mal Luft verschaffen", wurde gesagt.


Die Fahrener fühlen sich durch den Beschluss der Gemeindevertretung überfahren, die der Landesplanung das Interesse der Gemeinde an der Eignungsfläche 145 bestätigt hatte. Da nutzte auch Dehnks Hinweis auf den bereits Ende Mai 2009 in der Vertretung mit großer Mehrheit gefasste und seitdem immer wieder wiederholte Beschluss zur Ausweisung der Windkraftfläche nichts. "Die Sorgen und Ängste der Fahrener Bürger sind mir nicht so bekannt", meinte er einleitend. Sehr spät haben sie sich jetzt geäußert, aber ihr Votum ist klar: Bevor sie Windkraft vor der Haustür ablehnen oder ihr zustimmen, wollen sie erst über die möglichen Risiken Bescheid wissen.


Es geht vor allem um den Infraschall unterhalb von etwa 16 Hz, der weder zu hören noch zu fühlen ist, bei anfälligen Menschen aber erhebliche gesundheitliche Schädigungen hervorrufen kann. Den Hinweis von Peter Zimmermann aus Schönberg, auch beim Autofahren sei man dem Infraschall ausgesetzt, konterten die Passader Bürger, dass man sich schließlich aussuchen könne, ob man Auto fährt – in unmittelbarer Nachbarschaft der Windkraftanlagen habe man keinerlei Wahl. Jetzt soll, wie Dieter Dehnk bekannt gab, ein Fachmann eingeladen werden, der die Fragen der Fahrener beantwortet. Im Gespräch ist der mittlerweile pensionierte Windkraftexperten des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Diplom-Ingenieur Andreas Kunte, der bereits in Stoltenberg zum Thema referiert hat.


Auch die Frage zweier kritischer Fahrener Bürgerinnen "Warum will Fahren eigentlich Windkraft? Was ist der Grund?" konnte der Bürgermeister nicht schlüssig beantworten. Sein Argument, die Gemeinde wolle ihren Anteil an der Erzeugung alternativer Energie liefern, fiel genauso wenig auf fruchtbaren Boden wie die ins Spiel gebrachte "Arrondierung" – der bereits bestehende Windpark werde nur ergänzt. Man habe bereits einen Beitrag geleistet, wurde betont, denn man ertrage ja schon die Fiefbergener Anlagen. Unzumutbar sei es aber, die unabsehbaren Folgen neuer, vielfach stärkerer Anlagen zu tragen.


Wenn die Fahrener ihre Gemeindevertretung noch davon überzeugen wollen, den Antrag auf Ausweisung der Eignungsfläche 145 zurückzuziehen, müssen sie sich beeilen. Eigentlich ist die Frist für Einsprüche längst abgelaufen, und im März soll dem Vernehmen nach das Landeskabinett endgültig über die Ausweitung der Windkraft in Schleswig-Holstein entscheiden. Vom Tisch wischen können Dieter Dehnk und die Gemeindevertreter die nunmehr öffentlich geäußerten Bedenken ihrer Bürger aber nicht mehr.

 
 
 

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