Wo in der Probstei alles anfing
Mitten ins Herz der Probstei hinein führte am Mittwoch die "Kutschfahrt durch die Kornfelder" mit den Gespannen des Wischer Ferienhofs Gellhorn. Denn hier begann 1216 die Geschichte des Landstrichs, als der Edelmann Marquard von Stenwer mit der "Salzenwiese" (schon damals "Wisch" genannt) belehnt wurde.
Leitstute Kaya schnuppert neugierig am Korb von Kornprinzessin Tina Martens, während Haflinger Gustav schon an die nächste Kutschfahrt denkt. Foto: Butzke
Bereits zehn Jahre später war Stenwer seinen Besitz allerdings wieder los – das Kloster Preetz wurde Eigentümerin des gesamten Gebietes zwischen dem Flüsschen Karzeniz im Westen und dem "Zwartepuk" (dichter Eichenwald) im Osten, das fortan nach dem Preetzer Probst "Probstei" genannt wurde. Bis 1867, so erzählte es Landwirt und Probstei-Kenner Horst Klindt seinen Zuhörern auf der Kutschfahrt, blieb die Probstei dann unter Klosterherrschaft.
Klindt hatte den Gästen noch mehr Interessantes zu berichten. Ein eingezäuntes Wasserloch auf einem Feld entpuppte sich als "Mergelgrube", die in alten Zeiten kalkhaltigen Lehm zum Düngen der Felder lieferte. Der Bauer Thomas Schneekloth hatte das Verfahren des "Mergelns" 1750 durch Zufall entdeckt, als er eine Tränkekuhle für sein Vieh aushob und beobachtete, dass überall dort, wo er die ausgehobene Erde verstreut hatte, das Korn besonders gut wuchs.
Heute gedeiht das Korn dank moderner Düngeverfahren auch ohne "Mergeln" hervorragend. Davon konnten sich die Teilnehmer mit einem Blick über die weiten Felder überzeugen. Wellenförmig zeigt sich der Kornhorizont bei Biobauern, geradlinig bei konventionell arbeitenden Landwirten – auch das eine Erfahrung, die neu war für die Gäste in den beiden Kutschen. Und natürlich durften sie anhand von Ährensträußen, die Horst Klindt für sie vorbereitet hatte, auch den Weizen, den Dinkel (Urform des Weizens), Gerste, Raps und anderes bestimmen.
Korn anderer Art hatte Kornprinzessin Tina Martens dabei. Sie servierte den Teilnehmern einen "Oldesloer Weizenkorn". Den konnten auch alle gut gebrauchen, denn plötzlich platterte der Regen los, und in der zweiten Kutsche wurde flugs die hintere Plane herabgelassen. Vorn wurden nicht nur Leitstute "Kaya" und Haflinger "Gustav" nass, sondern auch Kutscher Kai Mielsch und Retriever-Huskie-Mix "Timon" samt PH-Reporterin auf dem Bock.
Drinnen in der Kutsche war es trocken und gemütlich. Kornprinzessin Tina Martens erzählte von den Besonderheiten der Probsteier Tracht – der weißen Schürze für die unverheirateten, der blauen für die verlobten und der schwarzen für die verheirateten Probsteier Frauen. Auch dass sich der Reichtum der Frauen und Töchter an der Zahl und Größe der Silberknöpfe an ihrem Mieder widerspiegelt, erfuhren die Teilnehmer, und woher das Halstuch "Söbenmarksdook" seinen Namen hat – weil es sieben Mark kostete.
"Das war wirklich eine hochinformative, schöne Fahrt", freuten sich alle Teilnehmer, als die Kutschen wieder auf dem Ferienhof Gellhorn ankamen. Wiederholt wird die Fahrt am Mittwoch, 11. August, und Mittwoch, 18. August, jeweils ab 16 Uhr. Wer rechtzeitig da ist, sichert sich einen Platz.
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